vergrößernverkleinern
Alexandra Popp (l.) erzielte in 10 Spielen für die Neid-Elf bereits sechs Treffer © getty

Die Duisburgerin Alexandra Popp brilliert beim 5:0 über Italien und greift die EM-Torschützenkönigin in der Pole-Position an.

Vom Frauen-Länderspiel berichtet Mathias Frohnapfel

Osnabrück - Der Edel-Joker lächelte genießerisch. Vor ein paar Minuten hatte Alexandra Popp noch auf dem Rasen gesessen und sich mit dem Team nach dem 5:0 über Italien (Spielbericht) feiern lassen.

Jetzt blinzelte die Abendsonne in den Osnabrücker Stadionbauch und Popp berichtete von einer Vorbereitung, die "nicht besser" laufen könne.

Die 20-Jährige meinte das Team, hätte aber genauso gut von sich selbst sprechen können: Ihre Gegenspielerin hatte ihr noch nicht mal "Buona sera" sagen können, da hatte die Vollblut-Stürmerin schon mit der allerersten Ballberührung getroffen. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Ein ganz schöner Terz"

Und ihr Tor zum 5:0, ein herrlicher Volleyschuss, hatte Zum-Zunge-Schnalzen-Qualitäten. "War ein ganz schöner Terz hier", kommentierte Popp, eines der Nesthäkchen im Team, die anschließende Feierlaune der 12.060 Fans an der Bremer Brücke.

Man merkte der U20-Weltmeisterin an, dass sie der Rummel um ein Frauen-Länderspiel durchaus beeindruckt. In der Bundesliga spielt sie mit Duisburg oft eben nur vor einigen hundert Zuschauern und die Reporter treten selten dutzendweise auf.

Doch nun soll "Poppi" über den Konkurrenzkampf sprechen, den sie gerade selbst angefacht hat.

Nun ja, "Konkurrenz belebt das Geschäft", meinte sie und fügte fast entschuldigend an: "Wenn ich reinkomme, ist es meine Aufgabe Dampf zu machen, das habe ich relativ gut gemacht."

Ein Denkmal wackelt

Die Newcomerin spricht davon "noch viel von den anderen" lernen zu können. Doch genauso weiß sie, sie kratzt mit ihrer starken Leistung an einem Denkmal und obendrein einer Duisburgerin Teamkollegin: EM-Torschützenkönigin Inka Grings spielte nach ihrer auskurierten Oberschenkelblessur in Hälfte eins, biss sich in die Partie rein, hatte aber im Abschluss bei einem Pfostentreffer Pech.

Und beim 1:0 kam zwar der erste Schuss von ihr, doch ins Tor beförderte den Ball letztlich die italienische Verteidigerin Roberta D?Adda. "Für 45 Minuten war das in Ordnung, aber sicherlich noch ausbaufähig", sagte Grings im Gespräch mit SPORT1.

[image id="042bda9b-6477-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Ich bin froh, dass alles gehalten hat. Ich habe mich ganz wohlgefühlt, auch wenn am Anfang etwas Angst noch dabei war." Bundestrainerin Silvia Neid registrierte das Rangeln um die Startelf-Plätze zufrieden. "Wir haben viele Möglichkeiten, ein Spiel zu gestalten" erklärte sie vielsagend.

Joker trifft erneut

Schließlich hatte Neid nach der Pause ihre Offensive nicht nur mit Popp, sondern auch mit Fatmire Bajramaj (für Melanie Behringer) und Celia Okoyino da Mbabi (für Birgit Prinz) verheißungsvoll aufgefrischt.

Okoyino da Mbabi nutzte die Chance, traf wie im Spiel gegen Nordkorea nach ihrer Einwechslung. Ihre eigene Leistung wollte sie aber auf SPORT1-Nachfrage nicht zu hoch hängen. 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

"Siege sind wichtig fürs Selbstvertrauen vor dem Turnier. Aber das ist Verdienst vom ganzen Team", ließ sie wissen. Fatmire Bajramaj, vorab gehandelt als möglicher WM-Top-Star, fummelte indes an ihrem pinkfarbenen Smartphone.

Dass sie nicht von Anfang spielte, fuchste sie natürlich. Und zu Auswirkungen auf die Startelf im WM-Eröffnungsspiel gegen Kanada hielt sich die Flügelflitzerin bewusst zurück, meinte nur: "Das muss die Bundestrainerin entscheiden. Was soll ich sagen."

"La Germania favoritissima"

Die meisten Positionen in Neids WM-Mosaik dürften bereits belegt sein, dem Team wird es aber gut tun, wenn wie im Angriff hier und da noch ein Fragezeichen auftaucht. Anzeichen von Siegerinnen-Arroganz sind nach den klaren Erfolgen über Nordkorea und Italien ohnehin nicht ersichtlich.

"In der ersten Hälfte hätte es gegen einen noch stärkeren Gegner hinten ein-, zweimal rumpeln können", warnte Keeperin Nadine Angerer ihre Mannschaftskolleginnen. "Wir wissen, dass noch sehr viel Luft nach oben ist. Wir werden nicht überheblich, überhaupt nicht."

Dabei lassen die Komplimente des Gegners aus Italien Hochgefühle aufkommen. "Die Deutschen sind die besten der Welt", sagte Carolina Pini gegenüber SPORT1. Und die Spielerin des FC Bayern nannte "la Germania" weiter "favoritissima" für die WM. Das ließe sich frei mit Super-Favorit übersetzen.

Teambuilding auf dem Boot

Beim DFB-Team geht es am Samstag darum, den Teamspirit weiter mehr zu festigen.

Drachenbootfahren steht an, zudem wird von einem Rennen zwischen Mannschaft und Betreuer-Team gemunkelt. "Team-Building ist ja gerade in, ich halte generell nicht so viel davon, so etwas muss entstehen. Wenn das aber einen positiven Effekt hat, bitteschön", kommentierte Angerer das gewohnt eigenwillig.

Und sie fügte an: "Das beste Team-Building ist zusammen einen Titel zu gewinnen." Die Aussichten darauf könnten schlechter sein.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel