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Nationalspielerin Kim Kulig (l.) erzielte das 4:0 gegen die Niederlande © getty

Das Frauen-Nationalteam schockt mit dem nächsten Kantersieg die Konkurrenz. Neid und Kulig schicken forsche Töne hinterher.

Vom Frauen-Länderspiel berichtet Mathias Frohnapfel

Aachen - Die Bilanz ist traumhaft: Drei Siege, zwölf Tore, kein Gegentreffer.

Doch was sind die drei Testspielerfolge für das deutsche Frauen-Nationalteam wert?

Zumindest muss nach dem 5:0 gegen die Niederlande (Spielbericht) keine Panik ausbrechen, dass der Gastgeber und amtierende Weltmeister für die Heim-WM nicht gerüstet sei.

Stattdessen scheint alles bereit für den dritten Titelsturm in Folge.

Zumal sich das Team in Aachen nach dem 2:0 über Nordkorea (Spielbericht) und dem 5:0 über Italien (Spielbericht) noch ein Stückchen stabiler präsentiert hat (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Respekt für die WM verschafft"

"Mit diesen Ergebnissen in den letzten Spielen haben wir uns etwas Respekt für die WM verschafft", stellte Silvia Neid mit Vergnügen am Dienstagabend fest (SPORT1-Interview mit Silvia Neid).

Die verheißungsvolle Frühform ihrer Truppe scheint die Bundestrainerin im Moment immer wieder still in sich hineinlächeln zu lassen 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

Natürlich gibt es auch im deutschen Spiel weiter Schwachstellen wie leichte Konzentrationsmängel oder ein bisweilen etwas umständliches Passspiel, an denen noch zu arbeiten ist.

Kleinigkeiten eben.

Grings eingewechselt

Auf der Habenseite steht indes, dass Neid in der Offensive fast beliebig jonglieren kann, ohne Teamgeist und Leistungsvermögen ihrer Spielerinnen zu mindern.

Im Gegenteil: EM-Torschützenkönigin Inka Grings wurde gegen die Niederlande nur eingewechselt, reagierte aber nicht genervt, sondern zirkelte mal eben elegant einen Freistoß ins Tor.

Auch Teammanagerin Doris Fitschen lobt im Gespräch mit SPORT1 den Mannschaftsgeist, die richtige Mischung aus "vielen unterschiedlichen Typen", jungen und älteren Spielerinnen.

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"Noch Potenzial nach oben"

Ein Beispiel ist die Co-Produktion des 1:0: Vorarbeit: Rekordtorjägerin Birgit Prinz, Tor durch Jungspund Celia Okoyino da Mbabi.

Zudem trafen gegen Oranje gleich fünf verschiedene Spielerinnen: Neben da Mbabi und Grings auch Simone Laudehr, Alexandra Popp und Kim Kulig.

Alles perfekt also? Fitschen schüttelte leicht den Kopf.

Denn aus ihrer Sicht darf man nicht nur die glänzenden Resultate betrachten, sondern muss auch auf das Spiel selbst schauen.

"Da sieht man, dass es hier und da noch Potenzial nach oben gibt."

Neid nannte unter anderem die Passqualität, die es noch zu verbessern gelte.

Nicht abgehoben

Ihre Spielerinnen mussten daher auch nicht mit Gewichten auf dem Boden verankert werden, um nach dem Kantersieg über den Weltranglisten 14. nicht abzuheben.

"Dafür wird die Trainerin sorgen, dass das nicht passiert", erklärte Fitschen.

Auch Torschützin da Mbabi fürchtet den Bazillus namens Überheblichkeit nicht.

"Wir werden die Spiele genau analysieren und einige Sachen finden, die wir noch nicht so gut gemacht haben", lässt sie auf SPORT1-Nachfrage wissen.

"Celia hat ein tolles Spiel gemacht"

Dabei gab es am Auftritt der Stürmerin selbst am wenigsten zu bekritteln. Für die Abwehr der Elftal war sie kaum zu halten, so frech und listig bewegte sie sich im Zentrum und wich bei Bedarf auch fix auf die Flügel aus.

"Celia hat ein ganz, ganz tolles Spiel gemacht", sagte auch Neid anerkennend.

Die Fußballerin des SC Bad Neuenahr erzielte mittlerweile in jedem Testspiel einen Treffer und steigert so kontinuierlich ihre Chancen, im Eröffnungsspiel am 26. Juni gegen Kanada in der Startelf zu stehen.

Spannender Konkurrenzkampf

Bewusst hat Neid durch einige Änderungen in den vergangenen Partien das Rennen um die Startplätze noch spannender gemacht.

Und selbst, als zuletzt über einen Hierarchiekampf alt gegen jung spekulierte wurde, spielte das Neid in die Karten.

Durch die Medien lasse sich die Mannschaft "nicht durcheinanderbringen", richtete Kim Kulig, eine der Anführerinnen der jungen Wilden, aus.

Mit heruntergezogenen Stutzen plauderte die Mittelfeldlenkerin im Bauch des Aachener Tivoli über ausgelassene Torchancen und meinte mit einem Augenzwinkern: "Wir können ja nicht jedes Spiel 10:0 gewinnen."

Vier Tage frei

Zugleich schickte die smarte Blondine forsche Töne Richtung Konkurrenz.

"Wir dürfen uns noch mehr zur WM erwarten, weil wir gerade noch sehr viel trainieren. Bei der WM werden wir noch spritziger sein", verkündete sie.

Die 21-Jährige klärte auch über ihr Jubelritual auf, bei dem sie mit den Fingern ein kleines Herz formte. Das sei ein lieber Gruß an die Familie. Ihr Vater und Bruder drückten am Dienstag im Stadion die Daumen.

Zeit für Familie und Freunde wird Kulig in den nächsten vier Tagen haben, die Nationalspielerinnen bekommen vor dem letzten Lehrgang und WM-Test gegen Norwegen (16. Juni) ein paar Tage frei.

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