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Celia Okoyino da Mbabi (l.) und Alexandra Popp trafen gegen Italien und Oranje © getty

Wirbel in der Offensive des Frauen-Nationalteams: Popp und da Mbabi drängen in die Startelf, ein Werbeliebling verkrampft.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Aachen/München - Sie hat die schönste und vielleicht auch schwierigste Aufgabe vor dem Eröffnungsspiel der Frauen-WM.(DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Die schönste Aufgabe, weil Silvia Neid elf Spielerinnen extrem glücklich machen kann.366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Und die schwierigste, weil die Bundestrainerin zwangsläufig andere Spielerinnen extrem enttäuschen wird. (BERICHT: Mit Glanz und Gloria zum WM-Titel?)

Trifft es Ariane Hingst? Die gebürtige Berlinerin, die unbedingt in ihrer Heimatstadt am 26. Juni das Eröffnungsspiel vor 73.000 Zuschauern bestreiten will?

Im Moment scheint für die 31-Jährige jedenfalls kein Vorbeikommen an ihren Konkurrentinnen auf der Doppelsechs Simone Laudehr und Kim Kulig.

Neid lobte das Mittelfeld nach dem 5:0-Sieg über die Niederlande für "das gute Pressing", U-20-Weltmeisterin Kulig traf zudem in jedem Testspiel.

Neid treibt Konkurrenzkampf an

Klar vergeben sind zudem die Plätze im Tor an Nadine Angerer, an Außenverteidigerin Babett Peter, Innenverteidigerin Annike Krahn sowie Flügel-Ass Kerstin Garefrekes und natürlich Spielführerin Birgit Prinz.

Ansonsten herrscht ein munteres Hauen und Stechen, das Neid obendrein mit zig Wechseln genüsslich ankurbelt.

"Alles läuft nach Plan. Wir sind genau da, wo wir sein wollen, auch wenn es noch Kleinigkeiten gibt, die wir bis zum WM-Start verbessern müssen", befindet die DFB-Cheftrainerin nach den torreichen Siegen über Nordkorea, Italien und Oranje.

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"Stammelf, erste Elf - es ist viel zu früh, um über eine Startelf zu sprechen", meint Neid.

Dabei muss die 47-Jährige spätestens in zwei Wochen Farbe bekennen, hat nur noch den Test gegen WM-Teilnehmer Norwegen am 16. Juni für eine allerletzte Standortbestimmung vor dem großen Auftakt-Match gegen Kanada.

Besonders in der Offensive kann Neid, schon als "Silvia Sorglos" tituliert, noch an einer ganzen Reihe an Varianten tüfteln.

Konservativ oder jung und frech?

Die konservative sieht so aus: EM-Torschützenkönigin Inka Grings stürmt im 4-2-3-1 an vorderster Front, dahinter postieren sich Kerstin Garfrekes und Melanie Behringer auf außen sowie Birgit Prinz im Zentrum.

So gesehen beim 5:0 über Italien.

Allerdings wirbelten die Joker Alexandra Popp, Fatmire Bajramaj und vor allem Celia Okoyino da Mbabi nach ihrer Einwechslung, als gäbe es für jedes der vier Tore in Halbzeit zwei ein Eis beim Italiener gratis.

Es war die Variante: jung und frech.

Da Mbabi überzeugt

Gegen die Niederlande startete Bajramaj und im Sturmzentrum da Mbabi. Und vor allem die Letztgenannte fegte derart übers Feld, dass sie nachher jedes Extralob verdiente hatte.

Dass da Mbabi vom kleinen Bundesliga-Klub Bad Neuenahr kommt, vergrößert die Überraschung.

"Ich werde jetzt erstmal nach Hause fahren, freue mich auf meine Familie, die Freunde, die ich lange nicht sehen konnte", erklärte die 22-Jährige gegenüber SPORT1, wie sie die kurze Pause bis zum nächsten Lehrgang nutzen wird.

Um den Konkurrenzkampf macht sie sich allen Anschein nach keine großen Gedanken.

"Wir haben keine Rangliste: eins, zwei drei, vier, fünf. Das ist unsere große Stärke", formulierte sie rasch das Entscheidungsdilemma der Bundestrainerin in einen Vorteil um.

Popp ganz entspannt

Nesthäkchen Alexandra Popp, extrem durchsetzungsfähig vor dem Tor, lässt sich gleichfalls nicht aus der Ruhe bringen.

Ihr Kommentar: "Wer von Beginn an spielt, ist eigentlich egal. Wir verfolgen alle dasselbe Ziel."

Und auch Inka Grings, die dritte Kandidatin für Platz eins im Sturm, bleibt cool.

In Aachen versenkte sie einen Freistoß so fulminant, dass plötzlich die Ordner fast so frenetisch wie nach einem Tor ihrer Alemannia jubelten.

Bajramaj wortkarg

Nur auf Lira Bajramaj wirkt der Konkurrenzkampf mit Melanie Behringer alles anders als belebend.

Während Behringer mit flotten und angeblich nicht gar so ernst gemeinten Sprüchen den Werbeliebling trietzt - "Es kommt nicht darauf an, wer am meisten in den Medien vertreten ist" - verkaufte sich die Edeltechnikerin gegen die Elftal unter Wert.

Die Dribblings waren oft zaghaft, manche Pässe brav, aber eben auch ohne Überraschungsmoment.

Und nach dem Spiel blieb Lockenkopf Bajramaj ungewöhnlich wortkarg - auch eine Art, über sein Befinden zu informieren.

Dabei soll doch die WM die große Bühne für den adretten Werbestar werden.

Bei allen Überlegungen muss sich mit dieser Konsequenz Silvia Neid allerdings am wenigsten beschäftigen.

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