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Doris Fitschen beendete ihre aktive Karriere bei Philadelphia Charge © imago

Teammanagerin Doris Fitschen spricht bei SPORT1 über die Form der DFB-Frauen, das Eröffnungsspiel und die Gefahr der Überheblichkeit.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Aachen - Die DFB-Frauen sind in WM-Form.

Bei den bisherigen drei Testspielen vor der WM gab es mit drei souveränen Siegen nur wenig zu mäkeln.

Einzig Bundestrainerin Silvia Neid konnte sich eine kritische Analyse des 5:0-Kantersiegs gegen die Niederlande (Nachbericht: Deutschland - Niederlande) nicht verkneifen: Der Spielaufbau sei "ausbaufähig", es fehle bisweilen an der Präzision und "einfache Pässe kommen nicht an".

An der bärenstarken Verfassung der deutschen Titelverteidiger zweifelt indes kaum jemand, auch nicht Teammanagerin Doris Fitschen.

"Ich denke, dass wir beim Eröffnungsspiel topfit sein werden", sagt die ehemalige Mittelfeldspielerin überzeugt.

Titelsammlerin Fitschen

Wie man große Trophäen gewinnt, weiß Fitschen noch aus ihrer aktiven Zeit: Vier EM-Titel, drei Deutsche Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege und eine Olympia-Bronzemedaille hat die 144-malige Nationalspielerin in ihrer Karriere gesammelt.

Im SPORT1-Interview spricht sie über die derzeitge Form der WM-Hoffnungsträgerinnen, das Eröffnungsspiel gegen Kanada und den teaminternen Konkurrenzkampf.

SPORT1: Frau Fitschen, drei Testspiele, drei klare Siege. Muss man jetzt aufpassen, dass das Nationalteam nicht zu leichtfertig in die WM geht?

Doris Fitschen: Die Trainerin wird dafür sorgen, dass niemand abhebt. Da müssen wir uns keine Sorgen machen. Wir werden die Spiele genau analysieren. Dabei schaut man nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch auf das Spiel selbst. Wir haben zwar 5:0 gegen die Niederlande gewonnen, aber es ist noch hier und da Potenzial nach oben.

SPORT1: Schwachstellen waren zumindest beim 5:0 gegen die Niederlande kaum auszumachen.

Fitschen: Wir haben ganz gut gespielt, man merkt, dass sich jetzt das lange Trainingslager auszahlt. Die Spielerinnen werden ein bisschen frischer. Beim ersten Testspiel gegen Nordkorea hat man gemerkt, dass ihnen das viele Training in den Knochen steckte. Jetzt wird etwas weniger trainiert, dafür die Spritzigkeit etwas stärker. Ich denke, dass wir beim Eröffnungsspiel topfit sein werden (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

SPORT1: Die Abwehr wirkt immer stabiler. Ist das ebenfalls aus der Tatsache abzuleiten, dass das Team immer eingespielter wird?

Fitschen: Natürlich. Das Training mit viel Ballarbeit macht die Spielerinnen auch sicherer. Man merkt, dass die verschiedenen Formationen alle gut stehen. Es ist wichtig bei einem Turnier, dass man nicht nur elf Spielerinnen einsetzen kann, sondern viele Möglichkeiten hat. Selbst wenn eine Spielerin aus irgendeinem Grund ausfällt, stehen andere dahinter, die auch solch eine Leistung bringen können.

SPORT1: Bundestrainerin Silvia Neid schürt den Konkurrenzkampf 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader). Auf den Teamgeist und das Leistungsvermögen scheint sich das aber nicht auszuwirken. Warum?

Fitschen: Es zeichnet unsere Mannschaft aus, dass wir viele unterschiedliche Typen haben, wir haben eine gute Mischung, was das Alter angeht. Wir haben erfahrene Spielerinnen wie Birgit Prinz und junge Spielerinnen, die andere Spieltypen sind wie Alexandra Popp, Lira Bajramaj oder Celia Okoyino da Mbabi, die gegen die Niederlande wieder sehr gut gespielt hat. Das macht uns für jeden Gegner sehr schwer berechenbar.

SPORT1: Das Publikum steht hinter dem Team, treibt es immer wieder nach vorn. Sehen Sie die Gefahr, dass man im Eröffnungsspiel zu offensiv auftritt, weil man in Berlin vor großer Kulisse die Kanadierinnen quasi überrennen möchte?

Fitschen: Das glaube ich nicht. Das Trainerteam analysiert auch die Gegner sehr genau. Ich habe keine Sorge, dass wir in so ein Spiel überheblich reingehen oder denken, dass es ein einfaches Spiel wird.

SPORT1: Im Moment zweifelt kaum einer an einem Sieg im Eröffnungsspiel.

Fitschen: Wir wissen, die Kanadierinnen sind stark. Die wollen vor so einer Kulisse auch alles zeigen, für sie ist es auch das Spiel ihres Lebens. Es wird für uns daher nicht einfach.

SPORT1: Silvia Neid wirkt trotz der nahen WM sehr entspannt. Wie ist Ihr Eindruck?

Fitschen: Es läuft momentan sehr gut in der Vorbereitung, die Stimmung ist gut im Team. Wir sind alle sehr zufrieden. Das spürt man auch an der Stimmung der Trainerin.

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