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Inka Grings im Gespräch mit SPORT1-Redakteur Mathias Frohnapfel © getty

DFB-Stürmerin Inka Grings spricht bei SPORT1 über die Ziele bei der Heim-WM, die Torjäger-Kanone und den Stil der Bundestrainerin.

Von der Frauen-Nationalmannschaft berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt - Manchmal muss es Matthias Reim sein.

Oder der Sound von Herbert Grönemeyer.

Wenn es richtig fetzt, dann entspannt Inka Grings vom Training, von den gewaltigen Erwartungen und dem zunehmenden Trubel vor der Heim-WM. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Nach ihrer auskurierten Oberschenkelverletzung hat sie im Test gegen die Niederlande elegant einen Freistoß ins Tor gezirkelt, jetzt will sich die EM-Torschützenkönigin von 2009 auch bei der Generalprobe gegen Norwegen (Do., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) empfehlen.

Es ist die erste Weltmeisterschaft der Duisburger Stürmerin.

Und nach den verpassten Turnieren 2003 und 2007 möchte die sechsmalige Bundesliga-Torschützenkönigin jetzt unbedingt den Titel und ein "Bonbönchen" abgreifen.

Allerdings warnt die 32-Jährige vor der starken Konkurrenz: "Die anderen Nationen haben nicht geschlafen."

Im SPORT1-Interview spricht Inka Grings außerdem über das Erfolgsrezept der deutschen Mannschaft, den Aufstieg der jungen Spielerinnen und die Arbeitsweise von Bundestrainerin Silvia Neid.

SPORT1: Frau Grings, Sie haben 2009 bei der EM als Torschützenkönigin herausgeragt. Dieser Titel dürfte Sie auch für die Heim-WM reizen, oder?

Inka Grings: Ach, das wäre sicher ein nettes Bonbönchen. Es ist für mich aber nicht ausschlaggebend. Wir wollen ein gutes Turnier spielen, ich möchte unbedingt Weltmeister werden. Wenn die Torjägerkrone dazu käme, wäre es schön. Für mich ist es entscheidend, dass wir jedes Spiel gewinnen. Wer die Tore schießt, ist dann letztlich egal.

SPORT1: Wie ist Ihr Gefühl vor der WM - verglichen mit dem vor anderen großen Turnieren?

Grings: Ich kann es mit den beiden Europameisterschaften vergleichen, bei denen ich dabei war. Es herrscht eine ganze andere Stimmung, es ist ja ein Heimturnier. Da ist es auch normal, dass wir von etwas größeren Erwartungen begleitet werden

SPORT1: Wie wirkt sich das bei Ihnen persönlich aus?

Grings: Man ist etwas angespannter als noch vor ein paar Monaten. Die Vorfreude ist aber insgesamt sehr groß, wir freuen uns wahnsinnig auf die WM.

[kaltura id="0_ldc7hh0t" class="full_size" title="Ein weiteres Sommerm rchen "]

SPORT1: Bei den Turnieren im Ausland ist es eventuell für das Team leichter sich zu isolieren und als Gruppe zu finden. Sehen Sie da einen Unterschied zu einer Heim-WM?

Grings: Mir gefällt Deutschland sehr gut und ich finde, wir können uns hier perfekt vorbereiten. Und das Essen hier ist mir ohnehin am liebsten (lacht).

SPORT1: Lehrgänge, Testspiele, dann die WM: Wie schalten Sie da zwischendurch ab?

Grings: Während der Lehrgänge schlafe ich zwischendurch oder höre Musik. Ich höre deutsche Sachen gerne, Rock auch, außerdem Matthias Reim, Herbert Grönemeyer, Pink, alles querbeet. Je nach Stimmung.

SPORT1: Deutschland hofft im Sommer auf den Titel-Hattrick. Gibt es noch andere Favoriten außer Deutschland, USA und Brasilien?

Grings: Ja, das versuchen wir auch immer wieder klar zu machen. Die Zeiten sind vorbei, in denen Deutschland mal so Weltmeister wurde und das am besten ohne Gegentor. Die anderen Nationen haben nicht geschlafen, sondern sich enorm weiterentwickelt. Es wird die schwerste WM bisher, das wissen wir. Wir unterschätzen keine Mannschaft. (BERICHT: Mit Glanz und Gloria zum WM-Titel?)

SPORT1: Silvia Neid geht in diesen Tagen auf dem Trainingsplatz durchaus temperamentvoll voran. Wie würden Sie ihre Arbeitsweise beschreiben?

Grings: Sie ist immer noch Fußballerin durch und durch. Sehr impulsiv, sehr ehrlich und sehr direkt. Das ist manchmal auf dem Platz für die ein oder andere Spielerin nicht so angenehm, doch man weiß immer, woran man ist. Ich persönlich finde das sehr gut. Wenn ich schlecht spiele, erwarte ich von der Trainerin, dass sie das anspricht und auch eine positive Hilfestellung gibt.

SPORT1: Wird es für die Bundestrainerin die wichtigste Aufgabe sein, die jungen und erfahrenen Spielerinnen zu einer Einheit zusammenzuführen? 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Grings: Das ist ja unser Erfolgsrezept der vergangenen Jahre. Wenn du eine Mannschaft geformt hast, kannst du damit Berge versetzen. Wir haben uns immer als Team gefunden. Die Trainerin hat ein gutes Händchen für ein abwechslungsreiches Programm - nicht nur auf dem Fußballplatz.

SPORT1: Wie sehen Sie dabei Ihre eigene Rolle?

Grings: Ich zähle zu den erfahreneren Spielerinnen. Da gehört es dazu, eine Führungspersönlichkeit zu sein und die jüngeren Spielerinnen mitzuziehen. Das gelingt mir ganz gut. Wir haben generell immer eine gute Mischung aus alt und jung gefunden (BERICHT: Junge Wilde im Ansturm).

SPORT1: Junge Spielerinnen wie Kim Kulig fallen auf dem Platz auf und auch in der Werbung. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Grings: Kim Kulig ist auf dem richtigen Weg, eine Große zu werden. Sie ist aber noch sehr jung und sollte sich ein bisschen Zeit lassen. Natürlich bauen die Medien und Sponsoren auf junge Spielerinnen. Sie ist dafür ein hervorragender Typ, strahlt etwas aus. Man sollte aber nicht zuviel Erwartungen auf sie alleine projizieren, Fußball ist immer noch ein Mannschaftssport. Doch Kim wird ihren Weg gehen, davon bin ich überzeugt.

SPORT1: Potsdams Trainer Bernd Schröder betont immer wieder, dass die Bundesliga-Fußballerinnen unbedingt eine Ausbildung brauchen. Und er wehrt sich gegen das Profitum. Wie ist Ihre Einschätzung?

Grings: Ich denke, er hat absolut Recht. Das bekommen wir aber von Anfang an beigebracht: Fußball ist eine tolle Sportart, aber definitiv nicht das Einzige. Die Schule und anschließend eine vernünftige Ausbildung haben absolute Priorität. Wir verdienen einfach nicht das Geld, das die Männer bekommen.

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