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Birgit Prinz wurde 2003 und 2007 mit der Nationalmannschaft Weltmeisterin © getty

Vor dem WM-Auftakt geht es für die DFB-Frauen in Neu-Isenburg um letzte Details. Überraschungen sollen zum Erfolg verhelfen.

Von Barnabas Szöcs

München/Neu-Isenburg - Genau dieses Szenario wollte Bundestrainerin Silvia Neid auf keinen Fall sehen.

Zwei Wochen vor dem WM-Auftaktspiel in Berlin hat sich ihre Leistungsträgerin Birgit Prinz beim letzten Lehrgang der DFB-Frauen in Neu-Isenburg verletzt (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Die 33-jährige Rekord-Nationalspielerin knickte bei einem Zweikampf um und erlitt eine Blessur am rechten Sprunggelenk.

Wie schwer die Verletzung der Angreiferin ist, konnte ohne Untersuchungen noch nicht geklärt werden. "Wir wissen noch nicht genau, was sie hat. Wir hoffen natürlich, dass es nicht so schlimm ist", sagte Neid.

Sofortige Behandlung bei Prinz

Prinz lehnte derweil sichtlich frustriert an der Hochsprung-Matte neben dem Trainingsplatz. Zuvor wurde die dreimalige Weltfußballerin eingehend von den Physiotherapeutinnen des deutschen Teams behandelt.

Einen schlimmeren Zeitpunkt für eine Verletzung hätte es nicht geben können.

Silvia Neid und ihre 21 Nationalspielerinnen sind auf der Zielgeraden, die Vorbereitungen für die Mission Titelverteidigung fast abgeschlossen.

Doch bevor am 26. Juni das WM-Eröffnungsspiel im Berliner Olympiastadion gegen Kanada steigt, ging es für die DFB-Auswahl im Lehrgang um den Feinschliff.

Entsprechend stand die abschließende Formüberprüfung unter dem Motto "Standards und Feinabstimmung".

Starke Form vor der WM

"Jetzt geht es Richtung Verfeinerung", meinte die Bundestrainerin vor der Prinz-Zwischenfall: "Man hat gegen die Niederlande gesehen, dass wir noch an der Präzision und der Passgenauigkeit arbeiten müssen." (Nachbericht: Deutschland - Niederlande)

Bis auf taktische Kleinigkeiten ist das Team in einer bestechenden Form, wie auch Teammanagerin Doris Fitschen bei SPORT1 feststellte: "Ich denke, dass wir beim Eröffnungsspiel topfit sein werden."

Bresonik wieder fit

Mit Ausnahme von Außenverteidigerin Verena Faißt vom VfL Wolfsburg, die wegen Oberschenkelproblemen vorsichtshalber nur eine Laufeinheit absolvierte, nahmen alle Spielerinnen am Mannschaftstraining teil.

Auch die zuletzt angeschlagene Rechtsverteidigerin Linda Bresonik (FCR Duisburg) trainierte am Sonntag mit dem Team.

Noch "Überraschungen parat"

Mit den souveränen Testspielsiegen gegen Italien und die Niederlande (beide 5:0) hatte sich der zweimalige Weltmeister Selbstvertrauen und Spielpraxis geholt.

Doch die Fußball-Frauen wollen - besonders bei den Standards - noch eine Schippe drauflegen: "Da haben wir bei der WM sicher einige Überraschungen parat", verspricht Mittelfeldspielerin Melanie Behringer.

Auch Stürmerin Alexandra Popp weiß um die Wichtigkeit des Lehrgangs: "Wir werden bei dem Lehrgang noch das ein oder andere dazulernen - und dann kann es auch endlich losgehen."

"Stammelf - es ist viel zu früh"

Der Konkurrenzkampf um die Plätze geht indes aber auch beim Lehrgang weiter, denn auf eine Stammformation will sich die Bundestrainerin noch nicht festlegen.

"Stammelf, erste Elf ? es ist viel zu früh, um über eine Startelf zu sprechen", so Silvia Neid 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

Der Titel im Fokus

Trotz der ungewissen Kader-Situation scheint die Stimmung beim Weltmeister ausgezeichnet zu sein, das gemeinsame Ziel steht:

"Die Harmonie im Team stimmt. Für uns zählt nur, dass wir als Mannschaft Weltmeister werden", sagt Stürmerin Inka Grings.

Vor der WM im eigenen Land standen beim Lehrgang besonders die Fans im Mittelpunkt: Mit Autogrammstunden und einem öffentlichen Training präsentierten sich die Fußballerinnen den gut 500 Interessierten, rührten ein letztes Mal die Werbetrommel.

Generalprobe gegen Norwegen

Zur WM-Generalprobe kommt es am Donnerstag am Mainzer Bruchweg gegen Ex-Weltmeister und Turnierteilnehmer Norwegen. Ein Gegner, der dem Neid-Team alles abverlangen dürfte.

"Norwegen ist ein anderes Kaliber. Da werden wir noch einmal richtig gefordert", so DFB-Torhüterin Nadine Angerer.

Danach bekommen die Spielerinnen vier Tage frei - ein letzter Durchschnaufen, bevor die Mannschaft am 21. Juni in Berlin wieder zusammentrifft, um das Unternehmen Titelverteidigung anzugehen.

Und alle hoffen, dass bis dahin Birgit Prinz wieder dabei ist.

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