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Alexandra Popp (l.) gewann 2009 und 2010 mit dem FCR Duisburg den DFB-Pokal © getty

Alexandra Popp könnte die Entdeckung der WM werden. Die Entwicklung des Nesthäkchens ist ebenso außergewöhnlich wie ihr Talent.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt - Sie hat das härteste Training hinter sich.

Und dass sie sich dabei nicht unterkriegen ließ, macht eine der Stärken von Alexandra Popp aus. 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Denn die Nationalspielerin hat in der Jugend als einziges Mädchen mit dem Nachwuchs von Schalke 04 trainiert, im Zweikampf auch schon mal Joel Matip Paroli geboten. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Jetzt könnte die Stürmerin die Newcomerin der WM werden. Schon in der Generalprobe gegen Norwegen (Do., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) will sie erneut überzeugen.

Drei Tore in der Vorbereitung

In den Vorbereitungsspielen gegen Italien und die Niederlande traf sie dreimal und jedes Tor entsprach ihrer Marke, war schnörkellos und wuchtig, also einfach poppig.

"Ich bin bei den Schalkern selbstsicherer geworden", berichtet die 20-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

Und erklärt: "Die spielen einen schnelleren Fußball als wir Frauen. Mir hat es geholfen, so in den schnelleren Fußball reinzukommen. Wir spielen ja bei den Frauen mittlerweile auch einen schnellen Fußball."

Sechs Kilo abgenommen

Durch die Einheiten in Gelsenkirchen, befindet die U-20-Weltmeisterin, sei sie auch selbst "schneller und dynamischer" geworden.

Und nebenbei habe das ja auch in die Phase stattgefunden, "in der ich sechs Kilo abgenommen habe".

Aktuell wiegt die Blondine gewiss kein einziges Gramm zuviel, vor allem der Verzicht auf zuckerhaltige Getränke hat das möglich gemacht.

Dass "Poppi", wie sie die Teamkolleginnen nennen, eigentlich glühender Dortmund-Fan ist, schadete ihr während der Schalker Zeit nicht.

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"Ich bin erwachsener geworden"

"Ich bin erwachsener geworden, was das private Leben angeht. Wir mussten sehr viel eigenständig machen in der Schule, hatten Lehrgänge und mussten das dann nachholen", erzählt sie.

Längst vergessen ist, dass sie als 14-Jährige mal einen Lehrgang sausen ließ, weil ihr irgendwie die Lust gefehlt hatte.

Immer wieder vermischt sich in Popps Plauderton ein kleiner Lacher, etwa bei der Frage nach ihrer musikalischen Begabung.

Verborgene Talente

Schließlich hat das DFB-Nesthäkchen vor der Heim-WM gemeinsam mit Annike Krahn den inoffiziellen WM-Song "Fußballsommer" aufgenommen. (417978DIASHOW: DFB-Frauen trainieren mit Regina Halmich)

"Ich singe gern", meint sie und es habe eben eine Anfrage gegeben.

Kaum einen floskelhaften Satz bekommt man von der gebürtigen Wittenerin zu hören, sondern ehrliche Einschätzungen.

Etwa, dass sie "fast alles" angenommen habe, was auf Anfrage kam, um Werbung für die WM zu machen. Ihre WM. Die WM, bei der die Blondine groß abräumen könnte.

[kaltura id="0_ldc7hh0t" class="full_size" title="Ein weiteres Sommermärchen?"]

Torschützenkönigin der U-20-WM

Bei der U-20-WM vor einem Jahr hat sie sich schon mit zehn Treffern zur Torjägerkrone geschossen und so ihr Team zum weltmeisterlichen Konfettiregen geballert.

Der Rummel danach war riesig - und Popp eine Lehre.

"Man muss schauen, was man macht und was nicht. Das beeinflusst wirklich auch die körperliche Leistung", gibt sie zu.

"Ich hatte eine Phase, da habe ich viele Termine angenommen und konnte dann meine Leistung nicht mehr abrufen, weil mein Körper nicht mehr wollte."

Keine Angst vor Konkurrenz

Mit den Medien und all jenen umzugehen, die etwas von ihr wollen, hat die Torjägerin mittlerweile gelernt.

Auch von der teaminternen Konkurrenz lässt sich die jüngste Spielerin im DFB-Kader nicht kirre machen.

Das gilt, selbst wenn sie neben Celia Okoyino da Mbabi im Sturmzentrum in Inka Grings die EM-Torschützenkönigin von 2009 und zugleich ihre Duisburger Teamkollegin herausfordert.

"Konkurrenzkampf gibt es schon seit Beginn der Vorbereitung", macht sie klar. "Und wir wollen alle das gemeinsame Ziel erreichen."

"Da, wo es weh tut"

Silvia Neid hat längst Popps Qualitäten erkannt und ließ sich auch nicht davon beeinflussen, dass die 20-Jährige noch im Mai gegen Nordkorea mit viel Nervosität agierte.

"Sie ist da hingegangen, wo es weh tut", lobte Neid nach Popps Doppelpack gegen Italien.

"Wir sind sehr froh, dass wir sie haben, weil sie auch ein Gegenpart ist zu einer Inka Grings. Sie ist geradlinig, kopfballstark, Inka ein erfahrenes Schlitzohr mit viel Übersicht."

Popp vermeidet es indes tunlichst, für das Eröffnungsspiel am 26. Juni gegen Kanada irgendwelche Ansprüche zu formulieren, meint nur:

"Es wird für Frau Neid keine einfache Entscheidung. Ich bin froh, dass ich keine Trainerin bin."

Die Bundestrainerin muss jetzt grübeln - den Schalker Jungs sei dank.

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