Kurz vor dem WM-Start ist von Vorfreude wenig zu spüren. Dabei läuft die Überzeugungstour der Frauen, Überraschungen inklusive.

Ein schönes Tor ist ein schönes Tor.

Als Inka Grings in Aachen einen Freistoß elegant ins Tor zirkelt, springt sogar ein Ordner auf und klatscht mit seinen kräftigen Händen Beifall. Womöglich hat der Mann noch nie zuvor ein Frauenfußball-Spiel gesehen.

Ingolstadt, Osnabrück, Aachen und jetzt Mainz.

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Das Frauen-Nationalteam macht vor der Heim-WM Tour durch Städte, in denen die Sportart bisher auf Vereinsebene noch nicht so groß geschrieben wird.

In Ingolstadt ähnelt die Stimmung einem kleinen Volksfest mit Fußball als Dreingabe. Nur dass gegen Nordkorea mit zwei Toren und einem eher schleppenden Spiel die Zugabe mäßig ausfällt.

Was für ein Unterschied zum 5:0 über Italien in Osnabrück! Schon im Bus zum Stadion drängen sich viel mehr Mädchen und junge Frauen als bei Männerpartien, an der Bremer Brücke singen die 12.000 Fans dann dröhnend "Oh, wie ist das schön", feiern die Mädels nach dem Kantersieg.

Auch mit dem 5:0 über die Niederlande in Aachen schaden Deutschlands Fußballerinnen ihrem Ansehen gewiss nicht. Und an den Stammtischen im Internet wird kurzzeitig mal mehr über die Startaufstellung diskutiert als über den ewigen Vergleich Männer- versus Frauenfußball.

Dennoch: Anderthalb Wochen vor dem WM-Start hält sich die Vorfreude auf die Heim-WM so gut versteckt wie gute Laune im Büro am Montagmorgen.

Autos mit Deutschland-Fähnchen werden jedenfalls im Moment nur als Staatskarrossen in Berlin gesichtet und nicht wenige Deutsche glauben, dass am Ende Italien und Spanien uns die Titeltour vermasseln (Werden sie nicht, beide Teams sind nicht qualifiziert!).

Erwartungsfrohe Massen beim Training gibt es genauso wenig, aber immerhin 500 neugierige Zuschauer zuletzt in Neu-Isenburg. Und reichlich Werbung von und für unsere Fußballfrauen.

Doch ein Sommermärchen wie 2006? Es geht (und wird) bestimmt eine Nummer kleiner. Die deutschen Vorrundenspiele sind ausverkauft, versprechen sehenswerten und womöglich auch spannenden Fußball.

Das Land darf sich auf neue Gesichter freuen. Denn Nationalspielerinnen wie Alexandra Popp, Simone Laudehr oder Celia Okoyino da Mbabi sind charmant, schlagfertig und in Interviews deutlich offener als viele ihrer männlichen Kollegen.

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