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Bibiana Steinhaus pfeift als einzige Frau in der Zweiten Bundesliga © getty

Bibiana Steinhaus ist Deutschlands beste Schiedsrichterin. Sie pfeift bei der Frauen-WM - und träumt vom Bundesliga-Aufstieg.

Von Daniel Michel

München - Sie ist "Schiedsrichterin des Jahres", feilt an ihrem Aufstieg in die Bundesliga und freut sich auf die Frauen-WM im eigenen Land, bei der sie von 16 Unparteiischen die einzige Deutsche ist:

Bibiana Steinhaus ist das Aushängeschild der deutschen Schiedsrichterinnen.

Früher trat sie selbst noch gegen die Kugel.

Talentfreie Verteidigerin

In der Jugend spielte die Niedersächsin bei ihrem Heimatverein SV Bad Lauterberg in der Verteidigung. "Ich war aber nahezu talentfrei", sagt die 32-Jährige rückblickend. Die Alternative lag nahe.

Dem Vater nacheifernd, absolvierte sie mit 16 Jahren die Schiedsrichterprüfung - heute zählt die 1,81 große Blondine zu den besten Frauen ihrer Zunft, leitet Spiele der Zweiten Bundesliga und kommt bei der Frauen-WM zum Einsatz.

"Ein großer Höhepunkt"

"Die WM im eigenen Land wird ein großer Höhepunkt sein", macht Steinhaus aus ihrer Vorfreude keinen Hehl. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Deshalb hat die Polizeikommissarin, die einst bei Castortransporten und in Fußballstadien für Sicherheit sorgen musste, beim Innenministerium von Niedersachsen ihr Jahressoll an Arbeitsstunden verringert.

"Die WM wird einen großen Zuspruch im Land erleben", glaubt Steinhaus, die sich gerade in einem Trainingslager der FIFA mit ihren Assistentinnen Katrin Rafalski und Marina Wozniak auf das Turnier vorbereitet.

Dort stehen für die 16 Unparteiischen und 32 Assistentinnen Lauf- und Fitnesstests ebenso auf dem Programm wie Regeltests und Videoschulungen.

3000 pfeifende Frauen in Deutschland

"Die Vorbereitungsmaßnahmen der FIFA sind sehr intensiv", sagt Steinhaus über das Auswahlverfahren, das nach der WM 2007 angelaufen war.

Von der WM erhofft sie sich auch einen Schub für ihr Metier: "Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele für die Schiedsrichterei begeistern und diesen Weg einschlagen."

Derzeit gibt es 80000 Referees, von denen 3000 Frauen sind.

[kaltura id="0_koycx2o5" class="full_size" title="Mit Vollgas zur Titelverteidigung"]

Mit 20 in der Frauen-Bundesliga

Steinhaus Karriere-Verlauf zeigt konstant steil nach oben. Mit 16 Jahren begann sie Frauenspiele zu pfeifen.

Nur vier Jahre später leitete die Niedersächsin Partien der Frauen-Bundesliga, während sie sich in den Herrenklassen noch nach oben kämpfte.

Doch auch dort stellte sich bald der Erfolg ein: 2001 gab der DFB grünes Licht zum Aufstieg in die Regionalliga. Das FIFA-Abzeichen erhielt sie 2005 und 2009 folgten drei Einsätze bei der Frauen-EM.

Anfeindungen in der Männerdomäne

Doch auch Anfeindungen musste Steinhaus im männerdominierten Fußball einstecken.

Besonders von Fans bei Amateurspielen bekam sie einiges zu hören. Sprüche wie "Zicke" oder "Fußball ist ein Männersport" gehörten noch zur milderen Variante.

Vor einigen Jahren setzte sie sogar ein Polizei-Kollege, der einen Oberligisten trainierte, unter Druck. Erst mit der Gerichtsbarkeit des Norddeutschen Verbandes entschuldigte sich der Kollege bei ihr.

Weniger Karten im Schnitt

Von solchen Vorfällen will Steinhaus heute als DFB-Schiedsrichterin weniger erzählen. Sie feilt an ihrer Karriere und ihrem Bild in der Öffentlichkeit. Sie gibt sich diplomatisch, zeigt sich modebewusst und lässt sich PR-technisch beraten.

So gehört sie zu den wenigen Schiedsrichtern, die eine professionelle Homepage betreiben.

Ihre Spielleitungen laufen meist unauffällig ab ? was ein Kompliment für Schiedsrichter ist. Mit dem Austeilen von Karten geht sie behutsam um. Nur zwei Platzverweise hat sie in 32 Zweitliga-Spielen ausgesprochen und in der abgelaufenen Saison kam sie im Schnitt auf 3,2 Gelbe Karten. Ihre Kollegen ließen mit im Schnitt 3,9 Gelben Karten mehr Härte walten.

Bierhoff als Befürworter

"Ich bin jemand, die ihre Erwartungshaltung vor dem Spiel klar formuliert", sagt Steinhaus, die außerdem glaubt, es im Umgang mit den männlichen Spielern etwas leichter zu haben als ihre männlichen Kollegen.

"Die Hemmschwelle gegenüber einer Frau ist sich anders", sagte sie der "Welt". Mit ihrer konstanten Leistung zählt Steinhaus auch zu den Kandidaten für den Aufstieg in die Bundesliga.

"Jeder Sportler möchte natürlich in der höchstmöglichen Klasse aktiv sein", betont sie. Am 24. Juni entscheidet das DFB-Präsidium, ob die Zeit reif ist. Prominente Befürworter stehen jedenfalls Schlange. "Sie kann in der Bundesliga pfeifen", versicherte DFB-Team-Manager Oliver Bierhoff.

Angeblich nicht auf der Liste

Auch DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg hält einen Aufstieg Steinhaus für gerechtfertigt. "Es geht nicht um Männlein oder Weiblein, sondern um die Schiedsrichterleistung", meint Ratzeburg, "die ist bei Bibiana Steinhaus hervorragend, deshalb hat sie diesen Schritt verdient."

Doch laut Informationen des sid muss Steinhaus sich noch etwas gedulden. Angeblich taucht ihr Name nicht auf der Liste auf, die dem DFB-Präsidium vorgelegt wird.

Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel wollte sich auf SPORT1-Nachfrage nicht näher äußern: "Das DFB-Präsidium hat die Vorschläge der Schiedsrichter-Kommission erhalten und muss nun entscheiden."

Steinhaus drückt DFB-Team die Daumen

Unabhängig von ihrer eigenen Zukunft drückt Steinhaus dem Team von Silvia Neid die Daumen für die erfolgreiche Titelverteidigung. 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Es sei ganz normal, ein Stück weit mit der eigenen Mannschaft mitzufiebern, betont sie.

Und auch ihre eigenen Fußball-Schuhe hat Bibiana Steinhaus nicht ganz an den Nagel gehängt: Wenn es zeitlich passt, spielt sie noch für die Auswahl der niedersächsischen Polizei.

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