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Alexandra Popp (l.) feiert ihren zweiten Treffer mit Ariane Hingst © getty

Die DFB-Frauen schlagen im letzten Test vor der Heim-WM Norwegen mit 3:0, müssen aber erheblichen Widerstand überwinden.

Vom Frauen-Länderspiel berichtet Mathias Frohnapfel

Mainz - Sie haben auf die Zähne gebissen, dem Gewitterregen getrotzt und am Ende verdient gewonnen 419222(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Die DFB-Frauen rangen bei der WM-Generalprobe kampfstarke Norwegerinnen mit 3:0 nieder. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Zehn Tage vor dem WM-Start gab es so in Mainz eine zusätzliche Motivationsspritze gegen den Weltranglisten-Neunten - dabei hatte vieles lange auf ein torloses Remis hingedeutet.

Doch Simone Laudehr (79.) sowie Doppelpack-Torschützin Alexandra Popp (81., 83.) verhinderten das mit einem fulminanten Schlussspurt.

"Ein hartes Stück Arbeit"

"Man hat gesehen, dass wir bis zum Ende Tempo gehen können", sagte Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz, die nach einer Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk erst am Mittwoch ins Mannschaftstraining zurückgekehrt war.

Und weiter: "Bis der Ball mal reinging, war es ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben unser Spiel immer durchgezogen und sind dann irgendwann belohnt worden."

Konkret: Nach vier Testspielen steht die makellose Bilanz von vier Siegen und 15:0-Tore zu Buche.

Bajramaj auf der Bank

Bundestrainerin Silvia Neid hatte ihr Team im Vergleich zum 5:0-Sieg über die Niederlande auf zwei Positionen verändert. (SPORT1-Interview mit Silvia Neid)

Überraschend ließ Neid sowohl Fatmire Bajramaj als auch deren direkte Konkurrentin Melanie Behringer auf der Bank. 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Stattdessen besetzte Celia Okoyino da Mbabi die linke Flügelseite im Mittelfeld. Im Angriffszentrum durfte die EM-Torschützenkönigin von 2009 Inka Grings beginnen.

Nullnummer zur Pause

Erwartungsgemäß kehrte die wiedergenesene Außenverteidigerin Linda Bresonik auf ihre Position in der Viererkette zurück.

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Das deutsche Team begann schwungvoll, schien wie bei den jüngsten Kantersiegen auf Torejagd gehen zu wollen.

Doch bis zur Halbzeit blieb es beim 0:0.

Das lag neben verpassten Chancen auch an der Gegenwehr des WM-Teilnehmers Norwegen, der kraftvoll das deutsche Spiel immer wieder ins Stocken brachte.

Keine Gefahr von Norwegen

So verflachte die Partie vor 13.812 Zuschauern nach einer guten Anfangsviertelstunde, in der neben Grings auch da Mbabi erste Tormöglichkeiten besaßen.

Kerstin Garefrekes marschierte wie gewohnt rechts die Seite hoch und runter, schien aber nicht ganz so effektiv wie zuletzt. Immerhin entstand aus ihrem Zuspiel auf da Mbabi die bis dahin beste Chance (17.).

Die Norwegerinnen versuchten indessen ihr Glück vor allem durch Fernschüsse, doch die Versuche von Lisa-Maria Woods (12.), Madleine Geske (20.) und Emilie Bosshard Haavi brachten das Tor von Nadine Angerer nicht wirklich in Gefahr.

[kaltura id="0_k75a0ooo" class="full_size" title="Mit Biss zum Titel"]

Haarsträubende Fehlpässe

Norwegen, noch bei der EM 2009 Halbfinalgegner Deutschland, gelang es nun jedoch, das deutsche Offensivspiel zu neutralisieren. Neid hatte vor der Partie den Weltmeister von 1995 einen Gegner genannt, "der uns richtig fordert" - und sie behielt recht.

Obendrein leistete sich die deutsche Viererkette nicht ungefährliche Schnitzer, Saskia Bartusiak und Linda Bresonik spielten zwei haarsträubende Fehlpässe.

Vor der Pause steigerte sich dann noch einmal der deutsche Angriff, doch Kerstin Garefrekes schaffte es nach schönem Zuspiel von Prinz aus acht Metern nicht, den Ball im Tor unterzubringen.

Wechsel zur Pause

Die Bundestrainerin nutzte die Pause zu gleich drei Wechseln: Für Prinz, die im Training eine Sprunggelenksblessur erlitten hatte, kam Publikumsliebling Bajramaj.

Stürmerin Grings ersetzte im Zentrum Alexandra Popp, während Melanie Behringer die Position von Garefrekes einnahm.

"Ich war ziemlich relaxt, denn ich habe gesehen, dass die Spielerinnen sehr, sehr viel richtig gemacht haben. Wir hatten nur lange einen schlechten Torabschluss", meinte Neid hinterher.

Ihre Startaufstellung für das Auftaktspiel gegen Kanada will Neid nun "von den Trainingseindrücken und vom Gegner" abhängig machen.

Die DFB-Frauen starteten in Hälfte zwei engagiert. Doch bis die Fans mittlerweile unter Flutlicht-Atmosphäre echte Torchancen sahen, dauerte es eine Weile. Lediglich ein Schuss von Behringer forderte die Aufmerksamkeit der norwegischen Keeperin Ingrid Hjelmseth (49.).

Popp bleibt liegen

Es folgte eine Schreckenssekunde, als Popp nach einem Zweikampf am Spielfeldrand behandelt werden musste. Die Duisburgerin konnte aber weitermachen.

Die Norwegerinnen ihrerseits konterten schnell und zielstrebig, die Wolfsburgerin Leni Larsen Karuin scheiterte aber an der glänzend parierenden Angerer (70.)

Zeitgleich duschte ein Gewitterregen die Spielerinnen. Neid verschaffte nun auch Martina Müller (für da Mbabi) und Lena Goeßling (für Annike Krahn) Einsatzminuten.

Schnelle Tore

Kurz darauf verpasste Bajramaj die Führung, als sie nach einer scharfen Hereingabe den Ball knapp neben das Tor setzte.

Besser machte es Simone Laudehr, die nach Behringer-Ecke per Kopf traf. Das Studium von Standardsituationen zuletzt im Training hatte sich damit ausgezahlt (79.).

Nur wenige Augenblicke später erhöhte Popp in unnachahmlicher Manier auf 2:0, als sie einen Sololauf cool gegen die eingewechselte Torhüterin Erika Skarbo vollendete (81.).

Der Torhunger der 20-Jährigen war damit lange nicht gestillt, schon zwei Minuten später erhöhte sie nach klugem Behringer-Zuspiel auf 3:0.

Fans feiern ihr Team

Es waren fulminante fünf Minuten einer Partie, bei der schon viel auf ein torloses Remis hingedeutet hatte.

Die Zuschauer sangen jetzt "Oh, wie ist das schön", feierten die Willensleistung einer charakterstarken deutschen Mannschaft.

Die Nationalspielerinnen erhalten nun eine kurze Pause, ehe sie sich am Dienstag in Berlin treffen, um sich auf den finalen Countdown für das Eröffnungsspiel am 26. Juni gegen Kanada vorzubereiten.

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