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Silvia Neid (l.) ist seit 2005 Trainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft © getty

Nach dem Norwegen-Sieg will Bundestrainerin Neid kurz ausspannen und dann weiter an Details feilen. Ein Star muss kämpfen.

Vom Frauen-Länderspiel berichtet Mathias Frohnapfel

Mainz - Generalstabsmäßig hat Silvia Neid die WM-Vorbereitung geplant.

An fast jeden möglichen Fall gedacht, sogar einmal den Turnierrhythmus mit zwei Testspielen binnen vier Tagen simuliert.

Doch trotz des 3:0-Siegs in der WM-Generalprobe über Norwegen (Spielbericht) musste die Bundestrainerin am späten Donnerstagabend Lücken eingestehen.

Die Frage lautete: Wie würde denn ihr Team auf einen Rückstand reagieren? "Das haben wir nicht getestet. Leider", sagte Neid unter großem Gelächter und schickte ein schelmisches Grinsen hinterher.

Schließlich geht der amtierende Weltmeister mit einer makellosen Bilanz aus der Vorbereitung heraus, glänzt nach den Erfolgen über Nordkorea, Italien, die Niederlande und nun Norwegen mit einer Tordifferenz von 15:0.

Dabei mussten die DFB-Frauen vor 13.812 Zuschauern in Mainz gewaltig arbeiten, um im Schlussspurt dank der Tore von Simone Laudehr und Doppelpackerin Alexandra Popp noch zu jubeln. 419222(DIASHOW: Bilder des Spiels)

Norwegen, Gegner im EM-Halbfinale 2009, hatte Deutschland alles abverlangt und Neid erkannte durchaus, dass es in manchen Zweikämpfen die deutschen Spielerinnen waren, die "am Boden lagen".

"Biggest favourite"

Die Skandinavierinnen hatten sich am Bruchweg teuer verkauft, das Lob der Bundestrainerin ("sehr schnell, sehr robust") vollauf verdient.

Norwegens Trainerin Eli Landsem hörte die warmen Worte und bestätigte nach dem umkämpften 90 Minuten, dass Deutschland als "biggest favourite" in die Weltmeisterschaft gehe.

Ein kurzer Handschlag, dann verabschiedete sich Landsem und Neid, glänzend aufgelegt, analysierte en detail Spiel, WM-Countdown und personelle Wagnisse. (SPORT1-Interview mit Silvia Neid)

Popp mit nächster Glanzleistung

Erneut hatte Alexandra Popp als Joker getroffen, mittlerweile in vier Testspielen fünf Tore erzielt. Ein besseres Bewerbungsschreiben für einen Stammplatz gibt es nicht.

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Doch die Bundestrainerin ließ sich zu keiner Aussage mit Blick auf das Eröffnungsspiel gegen Kanada am 26. Juni verleiten. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Stattdessen lobte sie die Instinkt-Fußballerin als "sehr schnell und sehr durchsetzungsfähig" und fügte an: "Wir sind sehr froh, dass wir sie haben."

Es gibt noch Defizite

Während die Spielerinnen nun bis zum Treffen in Berlin frei bekommen, wird Neid nach Hause fahren, nach eigener Aussage "waschen und bügeln" und mal auf dem Golfplatz vorbeischauen.

Sie dürfte wohl auch über die noch vorhandenen Defizite im Team nachdenken. Der ungenaue Torabschluss hatte der Cheftrainerin nicht gefallen und genauso wenig, "dass wir teilweise in der ersten Halbzeit zu lange mit dem Ball gedribbelt haben".

Und natürlich wird Neid weiter über die mögliche WM-Startaufstellung grübeln. 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Bajramaj nur auf der Bank

Gegen Norwegen setzte sie beide Flügelspielerinnen Melanie Behringer und Lira Bajramaj anfangs auf die Bank, Celia Okoyino da Mbabi durfte beginnen und zeigte eine engagierte Leistung.

[kaltura id="0_k75a0ooo" class="full_size" title="Mit Biss zum Titel"]

Neid wollte vermutlich bei ihrer Analyse Bajramaj Mut machen, im Training weiter um einen Stammplatz zu kämpfen, doch im Umkehrschluss trat sie der Edeltechnikerin nach deren jüngsten Auftritten ziemlich auf die Füße.

"Vielleicht ist Lira dann sehr viel leichtfüßiger als in den letzten Wochen", erklärte die Trainerin mit Blick auf die kommende Trainingswoche.

Ohnehin müsse trotz der Testspiel-Siege niemand "auf Wolke sieben" schweben.

Laudehr: "Keiner hebt ab"

Davon ist auch Torschützin Simone Laudehr weit entfernt. "Hier hebt keiner ab, jeder weiß, dass die WM sehr wichtig ist", sagte sie im Gespräch mit SPORT1.

Trotzdem: Der Last-Minute-Sieg hat dem Team so gut getan wie zwei Tage im Wellness-Hotel. "Wir haben 70 Minuten geduldig auf diesen Moment gewartet und hart dafür geackert", meinte Laudehr. "Natürlich freut man sich dann."

Vorlagengeberin Melanie Behringer sprach sogar "vom größten Jubel" in allen Testspielen bisher. "Es war schon bisschen eine Erlösung. Wir hatten einige Chancen, waren aber vor dem Tor zu nervös oder hektisch.?"

Und nach dem Wolkenbruch, der zwischendurch die Spielerinnen durchnässte, war die Belohnung umso schöner.

"Den Gegner kaputt gelaufen"

Angesichts des Reporteransturms in den ziemlich engen Mainzer Katakomben sprach die 25-Jährige fast schon an die Kabinentür gelehnt über ihre Eindrücke von der Partie.

"In der ersten Halbzeit versuchen wir den Gegner kaputt zu laufen, das ist uns diesmal wieder gelungen", schilderte Behringer auf SPORT1-Rückfrage einen Teil des deutschen Erfolgsrezepts.

Keine Trainingspläne bis zum WM-Treff

Die Spielerinnen haben jetzt für die kommenden Tage erstmals keine Trainingspläne im Gepäck. Sie sollen selbst entscheiden, was sie für ihren Körper tun, ob Regeneration oder etwa eine Schnelligkeitsübung am besten ist.

Nur eine Vorgabe machte die Bundestrainerin: "Jede hat die Aufgabe topfit nach Berlin zurückzukehren".

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