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Simone Laudehr im Gespräch mit SPORT1-Redakteur Mathias Frohnapfel © getty

Ihr Tor im WM-Finale 2007 hat Simone Laudehr berühmt gemacht. Bei SPORT1 spricht sie über die WM und ein rasantes Hobby.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

München - Sie ist ein Typ für die entscheidenden Tore.

Ob im Testspiel gegen Norwegen (Spielbericht), als sie in der 79. Minute den Bann brach, oder eben im WM-Endspiel.

Der Kopfballtreffer zum 2:0 über Brasilien, plus spektakulärem Jubel, hat Simone Laudehr 2007 im Handumdrehen berühmt gemacht und ihr Berge Fanpost beschert.

Gegen eine Wiederholung bei der Heim-WM hätte die Nationalspielerin nichts einzuwenden. Enorm wichtig für das Team ist die Taktgeberin im Mittelfeld ohnehin.

Und natürlich kribbelt es bei der Duisburgerin bereits vor dem Eröffnungsspiel gegen Kanada am Sonntag. (ZUR MELDUNG: Countdown zum ersten Rekord)

Die Kulisse von 73.000 Fans im Olympiastadion macht ihr keine Sorgen, im Gegenteil: Vielleicht könne man ja in Berlin ein Mikro mit auf dem Platz nehmen, scherzt Laudehr (DATENCENTER: Der WM-Spielplan) .

Im SPORT1-Interview spricht die 24-Jährige über ihre Rolle in der Mannschaft, ein rasantes Hobby und den möglichen nächsten Karriereschritt.

SPORT1: Frau Laudehr, Sie gelten als Motorrad-Fan. Warum fahren Sie denn lieber Motorrad als Auto?

Simone Laudehr: Ich mache beides sehr gern, fahre auch sehr gerne tolle, schnelle Autos. Auf dem Motorrad fühle ich mich einfach frei. Das Gefühl ist toll, wenn einem die kalte Luft entgegen pustet, man mit der Maschine über die Autobahn flitzt.

SPORT1: Macht Ihnen das damit verbundene Risiko keine Angst?

Laudehr: Man ist selbst verantwortlich und muss eben vorausschauend fahren. Ich muss natürlich aufpassen, wenn ich mal über die Autobahn fege. Wenn rechts die Lkws schon dicht fahren, kann immer mal einer ausscheren, da muss man mit dem Tempo runtergehen.

SPORT1: Bei Ihrer Rolle auf der Doppelsechs im deutschen Mittelfeld müssen Sie ebenfalls antizipieren. Wie sehr macht es Spaß, das Spiel zu lenken und zu dirigieren?

Laudehr: Natürlich bin nicht nur ich allein verantwortlich, das Tempo rauszunehmen oder das Spiel schneller zu machen. Jede Spielerin hat vielfältige Aufgaben. Im Mittelfeld sollen wir zum Beispiel die Bälle verteilen, mit nach vorne gehen und auch Tore schießen. Und jedes Spiel läuft anders, hat seine eigenen Merkmale.

[kaltura id="0_ccy3ijdy" class="full_size" title="Deutschland l sst die Puppen tanzen "]

SPORT1: Wie sieht aus Ihrer Sicht das perfekte Spiel aus?

Laudehr: So, dass die Trainer nichts zu meckern haben (lacht).

SPORT1: Das ist alles?

Laudehr: Ach, ich denke, ein perfektes Spiel wird es nie geben.

SPORT1: Der FC Barcelona macht es zumindest nicht schlecht.

Laudehr: Selbst die haben kein perfektes Spiel. Mannschaften und Spieler, die sich viel zutrauen, machen auch Fehler. Deshalb kann kein Spiel perfekt sein, Fußballer sind ja keine Maschinen.

SPORT1: Haben Sie eigentlich ein fußballerisches Vorbild?

Laudehr: Ich habe kein konkretes Vorbild. Ich versuche, mir von den guten Fußballern etwas abzuschauen, beobachte zum Beispiel, wie Bastian Schweinsteiger sich auf der Sechserposition bewegt, welche Bälle er spielt.

SPORT1: Stellen Sie sich vor, Sie schießen im WM-Finale das entscheidende Tor. Ihr Jubel 2007, als Sie das Trikot über den Kopf gezogen haben, ging um die Welt. Würden Sie wieder so spektakulär feiern?

Laudehr: Alle fragen nur nach diesem einem Tor und diesem Jubel. Es war eine spontane Reaktion. Wenn ich jetzt das entscheidende Tor schieße, werfe ich vielleicht meinen Schuh in die Menge oder was weiß ich.

SPORT1: War diese Aktion die richtige Entscheidung damals?

Laudehr: Das weiß ich nicht. Ich habe noch nie darüber nachgedacht.

SPORT1: Der Jubel hat Ihnen große Popularität gebracht.

Laudehr: Ich glaube, keine Spielerin gewinnt durch ein Foto allein an Popularität. 2007 gingen viele Bilder während der WM um die Welt. Eine amerikanische Spielerin hatte ihren ganzen Körper tätowiert. Ein Foto macht dich nicht berühmt, sondern die Art, wie du spielst. Melanie Behringer, Birgit Prinz oder Lira Bajramaj zum Beispiel haben sich alles durch ihr gutes Spiel erarbeitet, nicht weil sie einen Purzelbaum vor dem Tor gemacht haben.

SPORT1: Gab es nach dem Titel 2007 in der Fanpost auch Liebesbriefe und Heiratsanträge?

Laudehr: Da war alles dabei. Das war ganz lustig, man grinst darüber, dann ist es auch wieder okay.

SPORT1: Glauben Sie, dass eine Frauenfußballerin demnächst von Ihrem Sport wird leben können?

Laudehr: Ja, warum nicht?366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

SPORT1: Können sich die Frauen dann wie die Männer eine anderweitige Ausbildung sparen?

Laudehr: Es gibt warnende Beispiele. Man sieht es immer wieder, dass Spieler glauben, sie schaffen es nach ganz oben. Auf einmal ist aber alles vorbei. Dann stehen sie ohne alles da, haben keine Ausbildung. Das ist viel zu gefährlich. Für Frauen ist es eine Selbstverständlichkeit, neben dem Fußball eine Ausbildung oder ein Studium zu machen. Sie würden sich auch um eine Ausbildung kümmern, selbst wenn sie irgendwann mal gut vom Fußball leben könnten.

SPORT1: Könnten Sie sich vorstellen wie andere deutsche Spielerinnen irgendwann mal im Ausland zu spielen? In den USA zum Beispiel oder in Schweden?

Laudehr: Ja, ich würde schon gerne mal diese Erfahrung sammeln, eine neue Kultur, Sprache und Menschen kennenzulernen: USA, Frankreich, Schweden - das würde mir gefallen. Es kann aber noch so viel passieren, ich will mich jetzt nicht festlegen.

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