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Inka Grings (r.) hat in 90 Länderspielen 62 Tore erzielt © getty

In WM-Gruppe A hofft Deutschland auf Platz eins. Inka Grings warnt vor den Französinnen. SPORT1 analysiert die deutschen Gegner.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

München - Inka Grings entscheidet sich im Gespräch mit SPORT1 sofort:

"Frankreich ist auf jeden Fall die schwerste Mannschaft in der Gruppe", sagt die Nationalspielerin mit Blick auf Deutschlands Rivalen in der Vorrundengruppe A.

Doch womöglich haben die DFB-Frauen bereits die Qualifikation für das Viertelfinale sicher, ehe sie gegen die starken Französinnen im letzten Gruppenspiel bestehen müssen.

Im Eröffnungsspiel am Sonntag (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) wartet zuerst Kanada, dann am 30. Juni Nigeria. (ZUR MELDUNG: Countdown bis zum ersten Rekord)

Grings Einschätzung: "Das ist eine sehr robuste Mannschaft. Die Kanadierinnen spielen sehr körperbetont."

Nigeria, die "Wundertüte"

Allerdings gibt die EM-Torschützenkönigin auch zu bedenken, dass das Team von Trainerin Carolina Morace das "System umgestellt" habe, nun weniger "mit langen Bällen" arbeite.

Zu Nigeria fällt Grings' Einschätzung abwartend aus: "Ehrlich gesagt, ist das für mich eine Wundertüte. Mal sind sie an einem Tag bärenstark, mal gilt das Gegenteil." (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

SPORT1 stellt die Teams der Gruppe A vor und nennt wichtige Fakten.

Deutschland

Größter Erfolg bislang: Weltmeister 2003 und 2007

Weltranglistenposition: 2

Das Team:

Silvia Neid hat bei der WM eine imposante Serie zu verteidigen: Die Bundestrainerin hat als Trainerin bei einer WM oder EM noch keine Partie verloren. 2007 wurde Neids Team ohne Gegentor Weltmeister. 419496(DIASHOW: Zwischenzeugnisse der deutschen Spielerinnen)

Die Testspiele in der Vorbereitung liefen ebenfalls nach Plan. Gegen Nordkorea (2:0), Italien (5:0), die Niederlande (5:0) und Nordkorea (3:0) gab es klare Siege.

Diese strahlende Bilanz ist aus Sicht von Neid "eigentlich too much", wie sie nach der WM-Generalprobe gegen Norwegen (Spielbericht) zugab.

"Der dritte Titel ist realistisch"

"Es ist noch nicht alles Gold, was glänzt", erklärt sie daher. Mit dem Torabschluss gegen die Skandinavierinnen in Hälfte eins war sie etwa nicht zufrieden, zudem gab es "individuelle Fehler" in der Abwehr.

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Natürlich glaubt sie dennoch an das große Ziel, den WM-Pokal. "Der dritte Titel ist realistisch", sagt Neid.

Die Offensive ist Deutschlands Prunkstück. Alexandra Popp traf fünfmal in vier Testpartien - und das als Joker.

Grings langsam in Schwung

Celia Okoyino da Mbabi brachte es auf drei Tore, die Edeltechnikerin übte damit ebenfalls Druck auf Inka Grings aus. Der Routinier (ein Tor in den Tests) kommt nach seiner Oberschenkelblessur erst langsam in Schwung.

Auch die Dreierreihe hinter der einzigen Sturmspitze im 4-2-3-1-System entspricht im Frauenfußball allerhöchstem Niveau: Kerstin Garefrekes wirbelt auf rechts, links streiten Melanie Behringer und Lira Bajramaj um einen Stammplatz.

Letzte WM für Prinz

Den hat Spielführerin und Rekordtorjägerin Birgit Prinz im Zentrum sicher. Für Prinz wird es die letzte WM, sie beendet danach ihre Karriere in der Nationalelf. Jetzt möchte sie ihre Garde zum Titel führen.

Entscheidend dafür, meint sie, sei es auch als Team "die beste Mannschaft" zu sein.

[kaltura id="0_ccy3ijdy" class="full_size" title="Deutschland l sst die Puppen tanzen "]

Kanada

Größter Erfolg bislang: WM-Vierter 2003

Weltranglisten-Position: 6

Das Team:

Die Kanadierinnen sind am Sonntag in Berlin gelandet und guter Dinge, eine erfolgreiche WM spielen zu können.

Das Team hat in diesem Jahr den Zypern-Cup gewonnen, zeichnet sich durch eine sehr zielstrebige Spielweise aus. Verantwortlich dafür ist Trainerin Morace, die ihre Arbeit mit viel Akribie und auch gegen Widerstände im Verband umsetzt.

Gegen Deutschland hat Kanada aber eine schwarze Bilanz, neunmal gegen das DFB-Team verloren. Der letzte Vergleich im September 2010 endete 0:5 aus Sicht der Kanadierinnen.

Sinclair führt Kanada an

Unbestrittene Anführerin der Mannschaft ist Christine Sinclair. Die beim US-Klub Western New York aktive Ausnahmestürmerin ist US-Meisterin und Rekord-Nationalspielerin ihres Landes.

Über große Erfahrung verfügen auch Defensivspielerin Diana Matheson und Rhian Wilkinson. Beide spielen in Norwegen beim Team Strömmen.

Die Qualifikation:

Im November krönte sich "Big Red" mit dem Sieg beim Qualifikationsturnier der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone zum zweiten Mal nach 1998 zum CONCACAF-Champion.

Das WM-Ticket hatten die Kanadierinnen bereits mit dem Einzug ins Endspiel in der Tasche.

Nigeria:

Größter Erfolg bislang: WM-Viertelfinale

Weltranglistenposition: 27

Das Team:

Ohne abschließendes Erfolgserlebnis geht Nigeria in die WM-Endrunde.

Gegen die Schweiz gab es nur ein 2:2, allerdings ließ Trainerin Eucharia Uche nur die zweite Mannschaft spielen.

Um so schwerer fällt eine Einschätzung des Afrikameisters, der allerdings nicht an der 0:8-Niederlage im letzten November gegen Deutschland gemessen werden sollte.

Obliers glaubt an das Team

Thomas Obliers ist überzeugt davon, dass sich Nigeria bei der WM ansprechend präsentieren wird. Der Ex-Trainer von Bundesligist Bad Neuenahr arbeitet seit April als technischer Berater in Nigerias Stab, leitet auch das Training.

"Das Team tritt als Mannschaft auf. Sie werden kämpfen bis zum Umfallen, um Erfolg zu haben", schildert im Gespräch mit SPORT1 eine Stärke Nigerias.

Bei der WM wird Nigeria nicht mehr mit Libero spielen, sondern mit Viererkette, was Obliers auch in den letzten Wochen im Trainingslager in Österreich einstudieren ließ.

Viertelfinale als Ziel

Das Viertelfinale zu erreichen, ist erklärtes Ziel, wobei Obliers zugibt: "Es wäre für Nigeria ein großer Erfolg, das zu schaffen."

Bei der U-20-WM schaffte Nigeria im Vorjahr den Sprung ins Finale und verlor erst gegen Deutschland.

Zu den auffälligsten Spielerinnen Nigerias gehört Perpetua Nkwocha. Die in Schweden aktive Angreiferin wurde zweimal (2004 und 2005) zu Afrikas Fußballerin des Jahres gewählt.

Die Qualifikation:

Bei der Afrikameisterschaft hat Nigeria mit dem Einzug ins Endspiel das WM-Ticket gelöst.

Die Kontinentalkrone setzte sich Nigeria mit einem 4:2 gegen Äquatorial-Guinea zum achten Mal auf.

Frankreich:

Weltranglisten-Position: 7

Größter Erfolg bislang: EM-Viertelfinale 2009

Das Team:

Der Respekt vor Frankreich ist im deutschen Team nicht nur bei Grings enorm, auch Prinz nennt die Französinnen "bissig und unangenehm zu spielen".

Den jüngsten Beweis französischer Klasse gab es im Champions-League-Finale zu begutachten. Olympique Lyon schlug im Mai den deutschen Meister Turbine Potsdam 2:0.

"Dieser Erfolg über ein deutsches Team hat gut getan. Er verleiht uns auch Rückenwind für die WM", sagte Abwehrchefin Laura Georges.

Zehn Lyon-Spielerinnen im Kader

Insgesamt stehen zehn Spielerinnen aus Lyon im Kader von Bruno Bini.

Der Coach leistet beste Arbeit, was sich auch in der mühelosen WM-Qualifikation zeigte. Und im Januar war Bini für die Wahl des Weltverbands FIFA zum Frauen-Trainer des Jahres nominiert.

Beim letzten Test vor der WM gelang Frankreich ein 7:0-Kantersieg über Belgien.

Youngster Delie im Sturm

Mit ihren 37 Jahren ist Rekord-Nationalspielerin Sandrine Soubeyrand die unumstrittene Führungskraft. Daneben geben Verteidigerin Sonia Bompastor und Mittelfeldspielerin Camille Abily den Ton an.

In der Offensive wirbeln Louisa Necib und Elodie Thomis. Jungstar Marie Laura Delie wurde im Frühjahr Torschützenkönigin beim Zypern-Cup.

Die Qualifikation:

Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2007 war die Enttäuschung bei den Französinnen riesig - umso größer fiel dann die Erleichterung über die souveräne Vorstellung auf dem Weg nach Deutschland aus.

Nach elf Siegen in zwölf Spielen, 53 Toren und nur zwei Gegentreffern hatten "Les Bleus" das Ticket für die Endrunde in der Tasche.

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