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SPORT1-Redakteur Mathias Frohnapfel (l.) traf Steffi Jones in Frankfurt © getty

OK-Präsidentin Steffi Jones spricht bei SPORT1 über die Erwartungen an die WM, Fanmeilen und Deutschland-Fähnchen an den Autos.

Von Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Steffi Jones hat sich für die WM ein großes Ziel gesetzt:

Bei 22 Spielen will die Präsidentin des Organisationskomitees vor Ort sein und jede Mannschaft mindestens einmal live sehen.

"Eine Hubschrauber-Jones wird es nicht geben", berichtet die OK-Chefin lachend, die anders als Franz Beckenbauer 2006 vor allem mit Bahn, Flieger und Auto unterwegs sein wird.

Die ehemalige Nationalspielerin freut sich auf die WM-Stimmung und ist überzeugt, dass der Funke auch auf das Land überspringt (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Vor dem WM-Eröffnungsspiel am Sonntag geht Jones im SPORT1-Interview unter anderem auf den Vergleich mit der Männer-WM 2006 ein und spricht über Fan-Meilen und die Vermarktung des Frauen-Fußballs.

SPORT1: Frau Jones, kurz vor WM-Start sieht man noch keine Deutschland-Fähnchen an den Autos. Was glauben Sie, kommen die noch während des Turniers?

Steffi Jones: Ich denke letztendlich kommt das erst, wenn das erste Spiel stattgefunden hat und unsere Mannschaft da hoffentlich mit einem Sieg rausgeht. Dann wird auch die Euphorie starten. Ich habe übrigens schon meine Fähnchen da, von vielen anderen weiß ich das auch.

SPORT1: Wird das Turnier denn wieder ein Sommermärchen?

Jones: Aus meiner Sicht wäre es schade, wenn wir sagen, wir wollen die WM von 2006 kopieren. Die Frauen-WM soll eigenständig dastehen, danach ihren eigenen Slogan haben. Wenn der dann auch Sommermärchen heißt, ist das okay, aber wir sollten uns das nicht von vorneherein so vorstellen 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

SPORT1: Vor fünf Jahren gab es Fan-Meilen mit großer Partystimmung. Wie wird das diesmal ablaufen?

Jones: Auch bei der Frauen-WM gibt es Fan-Meilen wie zum Beispiel in Frankfurt. Von der Größenordnung war die WM 2006 natürlich etwas anderes. Der Unterschied ist, es spielen Frauen und wir haben eine andere Fan-Gruppe, wir wollen die gleiche Stimmung und Atmosphäre. Das sind unsere Wünsche.

SPORT1: Werden die Menschen die Fan-Meilen annehmen?

Jones: Die Städte wollten die Fan-Meilen und sind vorbereitet. Ich wünsche mir, dass diese dann auch von den Fans angenommen werden.

SPORT1: Noch merkt man im Land aber ehrlich gesagt noch nicht so viel von einer WM-Vorfreude.

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Jones: Wir wollen, dass die Faszination innerhalb der WM wächst. Und jeder kann zur Stimmung beitragen, miterleben, wer Weltmeister wird.

SPORT1: Die Männer mussten sich über die Stimmung vor der WM nicht so viele Sorgen machen, oder?

Jones: Man sollte mal wertschätzen, was der Frauenfußball bis heute geleistet hat. Man darf den Frauenfußball nicht mit dem Männerfußball vergleichen. Das sind andere Maßstäbe.

SPORT1: Die WM soll ja auch eine Hilfestellung für die Frauen-Bundesliga sein. Wie kann man dafür langfristig noch mehr Zuschauer animieren?

Jones: Die WM kann ein Meilenstein sein. Wir haben sehr viel angestoßen zusätzlich zu den bestehenden Strukturen. Wir haben schon 17.000 Mädchen, die neu mit dem Fußball angefangen haben. Die Frauen-Bundesliga setzt sich Ziele. Nach der WM müssen wir schauen, wo wir noch ansetzen können.

SPORT1: Das heißt konkret?

Jones: Die Vereine sind angehalten, selbst rauszugehen und für den Frauenfußball zu werben. Das habe ich als Spielerin auch gemacht, das hat uns medial mehr Aufmerksamkeit beschert. Ich bin in die Redaktionen und in die Schulen. Für die Kinder ist es immer toll, wenn eine Spielerin kommt und sagt: ?Ich spiele Bundesliga.? Wenn die Spielerin sich mit den Kindern befasst, hat sie schon ihre Herzen gewonnen.

SPORT1: Könnte die USA in dieser Beziehung ein Vorbild für die deutsche Bundesliga sein?

Jones: Der Vergleich zu Deutschland ist schwierig. Was sie dort haben, funktioniert, was wir hier haben auch. Eine Erste oder Zweite Liga aufzuziehen wie bei uns, ist schwierig wegen der weiten Entfernungen. Es gibt in den USA die Highschool und die Profiliga. Wir haben in Deutschland sehr stabile Strukturen und bauen die Schritt für Schritt weiter auf.

SPORT1: Und wie geht es für Sie persönlich nach der WM weiter?

Jones: Danach werde ich Direktorin der Frauen-Abteilung im DFB, die dann losgelöst wird. Das ist eine tolle Aufgabe, da fällt auch die Frauen-Bundesliga darunter. Ich werde aber erstmal vier Wochen in Urlaub fahren. Danach werde ich noch mehr operativ arbeiten, weniger repräsentativ als jetzt.

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