vergrößernverkleinern
Silvia Neid im Gespräch mit SPORT1-Redakteur Mathias Frohnapfel © getty

Sie habe den "schönsten Job". Im SPORT1-Interview spricht Silvia Neid über Birgit Prinz und verrät, was sie auf die Palme bringt.

Von Mathias Frohnapfel

Berlin - Es war ein Sahnetag für Silvia Neid.

Auf die Bekanntgabe ihrer Vertragsverlängerung bis 2016 (Bericht: "Silvia Sorglos" neckt den Frauenversteher) folgten Komplimente von allen Seiten für die Bundestrainerin.

"Fantastische Arbeit" bescheinigte ihr Routinier Inka Grings und Celia Okoyino da Mbabi meinte lässig: "Never change a winning team. Sie hat alles richtig gemacht." 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Treffender als die 22-Jährige könnte man es kaum ausdrücken, zumindest was Neids Statistik bei Weltmeisterschaften und Europameisterschaften anbetrifft: Unter ihrer Regie hat das Team dabei noch kein Spiel verloren (Bericht: Countdown zum ersten Rekord).

Ein Zeichen des Vertrauens

"Ich habe 'Ja' gesagt, musste nicht lange überlegen. Ich habe den schönsten Job als Bundestrainerin", freute sich Neid und fügte hinzu: "Es ist ein Zeichen, dass man mir und der Mannschaft vertraut. Ein größeres Lob kann man von seinem Arbeitgeber nicht bekommen."

Teammanagerin Doris Fitschen erkennt in der vorzeitigen Vertragsverlängerung daher auch eine "Anerkennung und einen Vertrauensbeweis".

Dabei steht der Cheftrainerin die schwierigste Aufgabe noch bevor: Bei der Heim-WM sind die Erwartungen an den zweifachen Weltmeister riesig, die glänzende Testspielbilanz von vier Siegen tut ein übriges (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Doch die 47-Jährige akzeptiert keine Nachlässigkeiten und keine vorschnelle Lobhudelei.

Im SPORT1-Interview spricht sie unter anderem über ihre Ziele, den Spielstil und Kanada, den Gegner im Eröffnungsspiel (So., ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER).

SPORT1: Frau Neid, als amtierender Welt- und Europameister werden Sie mit Deutschland bei der WM attraktiven Fußball zeigen wollen. Wie würden Sie den beschreiben?

[kaltura id="0_gt6wnixt" class="full_size" title="Verl ngertes 2016"]

Neid: Wir können uns nicht hinten reinstellen und hoffen, dass das Spiel zu null bleibt und wir irgendwann treffen. Wir wollen aus einem sehr guten Mittelfeld-Pressing spielen. Wenn wir den Ball erobern, und der Gegner nicht sortiert ist, haben wir die beste Chance, Tore zu schießen. Wir wollen auch ein sehr gutes Flügelspiel haben und natürlich unberechenbar im Angriffsspiel sein.

SPORT1: Was passiert, wenn diese Spielidee mal nicht umgesetzt werden kann?

Neid: Uns ist klar, dass man nicht immer nur schön und erfolgreich spielen kann. Wir müssen auch mal den Mut haben, einen neutralen Ball nach vorne zu spielen und dann wieder nachzuschieben.

SPORT1: Das 4-2-3-1-System gefällt Ihnen seit langem. Fühlen Sie sich damit am wohlsten?

Neid: Ich bevorzuge es, weil man innerhalb des Systems sehr flexibel agieren und reagieren kann. Man kann sich schnell zurückziehen über die Außen, dann ist es defensiver oder man kann eine offensivere Variante wählen. Auch die Zehn kann offensiver oder defensiver agieren - je nach Bedarf.

SPORT1: Wie schätzen Sie Kanada, den Gegner im Eröffnungsspiel, ein? Ist Kanada womöglich der schwerste Rivale in der Gruppe?

Neid: Das weiß ich nicht. Wir gehen aber von Spiel zu Spiel, deshalb ist das Eröffnungsspiel im Moment das schwerste. Kanada hat in den vergangenen Monaten hervorragende Ergebnisse erzielt unter anderem auch gegen England gewonnen.

SPORT1: Was macht die Kanadierinnen gefährlich?

Neid: Sie sind variabel in ihrem System und können ihre Pressing-Zone sehr gut verschieben. Sie sind sehr darauf bedacht, nach der Balleroberung mit weiten Bällen nach vorne zu spielen, da sie schnelle Angriffsspielerinnen haben. Es wird sehr schwer, die weiten Bälle unter Kontrolle zu bekommen, ohne dass Christine Sinclair in Ballbesitz kommt. Sie ist unheimlich gefährlich.

SPORT1: Sie wirken trotz der nahen WM entspannt - auch im Training. Wann sind Sie denn mal so richtig sauer?

Neid: Was mich so richtig sauer macht? Das ist, wenn wir arrogant spielen, wenn wir so tun, als ob wir viel besser wären als die andere Mannschaft. Ich will, dass wir den Gegner respektieren und das Beste geben über die gesamte Länge eines Spiels.

SPORT1: Und was ärgert Sie noch?

Neid: Wenn die Spielerinnen unkonzentriert sind in entscheidenden Situationen oder wenn sie lasche Bälle spielen, von denen man weiß, dass die zu Gegentoren führen können. Ich werde aber nicht so sauer, dass ich sie anschreie, sondern sage schon vorher: 'Leute, so etwas will ich hier nicht haben.'

SPORT1: Birgit Prinz ist eine der Leitfiguren in Ihrem Team. Sie kennen sie schon sehr lange, was zeichnet die Stürmerin aus?

Neid: Über ihre Qualitäten müssen wir nicht reden. Wenn jemand 17 Jahre in der Nationalmannschaft spielt, sagt das schon alles. Ich weiß nicht, ob das nochmal jemand schafft. Das ist genial. Es zeigt, wie gut sie mit ihrem Körper umgegangen ist.

SPORT1: Was erwarten Sie von ihr während der WM?

Neid: Ich hoffe, dass sie eine sehr gute WM spielt, dann wird sie auch der Mannschaft sehr viel helfen. Sie hat ein absolutes Standing im Team und wird nach wie vor bei uns gebraucht. Wir werden sie vermissen, wenn sie nach der WM aufhört.

SPORT1: Und als Spielführerin, welche Rolle erfüllt Prinz da?

Neid: Ich erwarte, dass sie meine rechte Hand auf dem Platz ist, wie sie es auch bei den Turnieren vorher war.

SPORT1: Was machen Sie eigentlich, wenn es mit dem großen Traum, dem WM-Titel, klappen sollte?

Neid: Ich werde mich sehr, sehr freuen und dann in den Urlaub fahren.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel