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Brasilien mit Marta (r.) gewann bei Olympia 2008 gegen Norwegen mit 2:1 © getty

In Gruppe D gelten zwei Teams aus Europa und Südamerika als Favoriten. Eine Mannschaft aus Afrika ist Außenseiter.

München - Zwei Mitfavoriten und ein Exot:

So präsentiert sich die Gruppe D, in der Brasilien und Norwegen die größten Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale eingeräumt werden (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Die Skandinavierinnen haben sich durch einen 3:1-Sieg über die USA am Montag das nötige Selbstvertrauen geholt. Dass Norwegen, trotz der Leistung beim 0:3 im Test gegeneinander, selbst für den Titelfavoriten Deutschland gefährlich werden kann, weiß Babett Peter aus eigener Erfahrung.

"Es ist schwer, sie zu besiegen, wenn sie sich in der Gruppe durchsetzen und diesen Schub mitnehmen", sagte die Nationalverteidigerin bei SPORT1. "Das hat man auch bei der EM 2009 gesehen, als wir im Halbfinale kurz vor einer Niederlage gegen Norwegen standen."

Exoten aus Afrika

Stärkste Gegnerinnen des Teams von Trainerin Eli Landsem sind die Brasilianerinnen um Superstar Marta. Nach der Final-Niederlage vor vier Jahren gegen Deutschland will die Auswahl aus Südamerika endlich den ersten WM-Titel feiern.

Für die Afrikanerinnen aus Äquatorial-Guinea ist bereits die Qualifikation für die WM ein riesiger Erfolg. Die Auswahl des kleinen Landes aus dem Westen des Kontinents stürmte bei der Afrika-Meisterschaft 2010 bis ins Finale. Die Teilnahme an der Endrunde war damit gesichert.

In Gruppe D gilt die Nummer 61 der Weltrangliste als krasser Außenseiter. Selbst den Australierinnen dürfte Äquatorial-Guinea unterlegen sein.

SPORT1 stellt die Teams der Gruppe D vor und nennt wichtige Fakten.

Brasilien:

Größter Erfolg bislang: Vizeweltmeister 2007

Weltranglistenposition: 3

Das Team:

Die Brasilianerinnen gehören seit langem zur Weltspitze des Frauenfußballs, doch ein großer Titel fehlt nach wie vor in ihrer Sammlung.

Ob bei der WM 2007 gegen Deutschland oder bei den Olympischen Spielen 2004 und 2008 gegen die USA, die Selecao musste in Endspielen immer knappe, bittere Niederlagen einstecken.

Der Star des Teams ist Stürmerin Marta. Die Weltfußballerin steht derzeit in den USA bei Western New York in Buffalo unter Vertrag.

[kaltura id="0_oyshsinu" class="full_size" title="Deutschland lässt die "Puppen tanzen""]

In den zahlreichen Trainingslagern daheim machte das Team die erhofften Fortschritte. Auch die torgefährliche Cristiane, früher bei Turbine Potsdam und beim VfL Wolfsburg, hat nach überstandenem Schulterbruch noch rechtzeitig den Sprung in den Kader geschafft.

Von Maurine, die wie Marta bei Western New York spielt, erwarten die Brasilianer den großen Durchbruch bei der WM. (Gruppe A: Frankreich ist Deutschlands härtester Rivale)

"Wir werden sehr konzentriert zu Werke gehen, weil es unser Traum ist, hier das Finale gegen die Gastgeberinnen zu bestreiten. Bei allem Respekt hätten wir gern eine Revanche", erklärte Trainer Kleiton Lima.

"Brasilien hat die besten Einzelkönnerinnen. Wenn sie es schaffen, sich als Team zu positionieren, dann wird es sehr schwer sie zu schlagen", warnt DFB-Spielführerin Birgit Prinz bei SPORT1 vor den Südamerikanerinnen.

Die Qualifikation:

Seit 1991 ist Brasilien bei jeder WM vertreten. 2007 scheiterten die Samba-Kickerinnen erst im Finale an Deutschland (0:2).

Zur WM 2011 reist der Weltranglistendritte als Südamerikameister. Souverän sicherte sich das Team von Lima in der Finalrunde den Sieg bei der Copa Americana vor dem WM-Debütanten Kolumbien - auch dank des schier unersättlichen Torhungers von Marta, die neunmal traf.

Norwegen:

Größter Erfolg bislang: Weltmeister 1995

Weltranglistenposition: 9

Das Team:

Noch nie fand eine WM- oder EM-Endrunde ohne die Skandinavierinnen statt.

Doch in der jüngeren Vergangenheit wurde die Historie von internen Querelen überschattet. Höhepunkt war der Rücktritt von fünf Spielerinnen im Oktober 2008, weil sie nicht mehr unter dem umstrittenen Ex-Trainer Bjarne Berntsen spielen wollten.

Nach dem Rücktritt von Leistungsträgerin Solveig Gulbrandsen wird Stürmerin Lise Klaveness in dem erfahrenen Team für Tore sorgen müssen, im zentralen Mittelfeld zieht Ingvild Stensland, die zuletzt am Rücken operiert wurde, die Fäden.

Für Leni Larsen Kaurin und Isabell Herlovsen ist die WM ein besonderes Erlebnis: Kaurin (VfL Wolfsburg) spielt seit 2007 in Deutschland. Herlovsen, Tochter des früheren Profis Kai Erik Herlovsen, wurde in Mönchengladbach geboren. Ein gerissenes Kreuzband bringt die Ex-Wolfsburgerin Melissa Wiik um die WM.

"Wir haben zum Beispiel gegen Deutschen lange bewiesen, dass wir mit ihnen mithalten können. In den letzten 20 Minuten der Partie waren sie zwar eine Klasse besser, aber die ersten 70 Minuten waren sehr positiv und lassen uns mit gutem Gewissen ins Turnier starten", sagt Spielführerin Stensland.

Qualifikation:

Norwegen qualifizierte sich nach sieben Siegen und einem Unentschieden in der Gruppenphase im abschließenden Playoff-Duell mit Siegen gegen die Ukraine (1:0, 2:0).

Auch die Skandinavierinnen nahmen bisher an jeder Endrunde teil und kamen mindestens bis ins Viertelfinale.

Australien:

Größter Erfolg bislang: Viertelfinale 2007

Weltranglistenposition: 11

Das Team:

Seit dem Wechsel vom ozeanischen in den asiatischen Kontinentalverband haben die "Matildas" einen weiteren Sprung vollzogen und mit dem Gewinn der Asienmeisterschaft im Mai dieses Jahres für Aufsehen gesorgt. Im Finale setzten sich die weiblichen Socceroos gegen Titelverteidiger Südkorea 5:4 im Elfmeterschießen durch.

(Gruppe B: Hope's Lions fordern Japans Favoritinnen)

Bundestrainerin Silvia Neid und das deutsche Nationalteam durften sich Ende Oktober 2010 von den Fortschritten in Down Under überzeugen: Beim Länderspiel in Wolfsburg kam die DFB-Auswahl gegen die aus einer kompakten Abwehr agierende Mannschaft nach 0:1-Rückstand mit hohem Aufwand zu einem 2:1.

Besonders in der Offensive hätten die Australierinnen torgefährliche Spielerinnen zu bieten gehabt. Doch Kathryn Gill, Asiens Fußballerin des Jahres, erlitt im Frühjahr einen Kreuzbandriss und fällt aus.

Und die bei Washington Freedom in den USA aktive Lisa De Vanna sorgte zuletzt mit privaten Eskapaden für Unruhe. Nachdem De Vanna vorübergehend aus dem Kader geworfen worden war, wurde sie aber wieder aufgenommen - auf Intervention der Mitspielerinnen.

Qualifikation:

Ihr Ticket für die WM in Deutschland hatten sie als erste Mannschaft nach dem gesetzten Gastgeber Deutschland zwar bereits mit der Finalteilnahme gebucht, das Erfolgserlebnis unterstrich aber den Aufwärtstrend beim Team von Trainer Tom Sermanni.

Bereits bei der WM 2007 hatte Australien überrascht, als das Team im Viertelfinale den späteren Finalisten Brasilien an den Rande einer Niederlage brachte.

Äquatorial-Guinea

Größter Erfolg bislang: Afrika-Meister 2008

Weltranglistenposition: 61

Das Team:

Das Team aus dem Land mit nicht einmal 700.000 Einwohnern, in dem es nur eine Frauen-Liga gibt, gilt nach wie vor als große Unbekannte.

Der kongolesische Trainer Paul Mpila wurde trotz der erfolgreichen Qualifikation durch den Brasilianer Marcello Frigello ersetzt und zum Assistenten degradiert. (Vorschau Gruppe C: Dauerbrenner-Duell und Asia-Athletik)

Ob bei den Afrikanerinnen immer alles mit rechten Dingen zugeht, weiß niemand genau. Es gab und gibt Gerüchte, wonach nicht alle Spielerinnen Frauen seien. Beweisen konnte dies aber niemand. Spielführerin Genoveva Anonma, die im zur neuen Saison vom Bundesligisten USV Jena zum deutschen Meister Turbine Potsdam wechselt, bestreitet die Vorwürfe nachdrücklich.

Allerdings wurden zwei der Spielerinnen, hinter deren Geschlecht ein Fragezeichen stand, nicht in den WM-Kader berufen.

Anonma ("Wir sind hier mit einem neuen Team, um zu lernen") gehört zu den Leistungsträgerinnen in einem recht robusten Team. Zweite Legionärin ist Jade Boho. Sie spielt beim spanischen Meister Rayo Vallecano. Viele Spielerinnen sind vereinslos, manche auch kurzfristig eingebürgert.

Qualifikation:

Der Afrika-Meister von 2008 konnte seinen Titel zwar nicht bestätigen, aber Rang zwei in der Qualifikation reichte der "Nzalong Nacional" zur ersten WM-Teilnahme.

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