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Fatime "Lira" Bajramaj erzielte in 47 Länderspielen acht Tore © getty

Lira Bajramaj droht im WM-Eröffnungsspiel die Bank. Silvia Neid spricht von "viel Wirbel", Bajramaj gesteht eine Schwächephase.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Berlin - "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" ist ein Buch von Milan Kundera, das federleicht anmutet, aber letztlich seine Helden von einer Sinn- und Liebeskrise in die nächste jagt.

Gerade den auserkorenen Publikumsliebling Lira Bajramaj setzt jetzt Silvia Neid damit in Verbindung (370243DIASHOW: "Lira" sucht das Glück).

"Ihr fehlt im Moment diese Leichtigkeit des Seins", sagte die Bundestrainerin dem "kicker".

"Es gab sehr viel Wirbel um sie, das hat sie alles sehr, sehr nachdenklich gemacht."

Lira überall

Tatsächlich muss man drei Tage vor Start der Frauen-WM fast eher nach den Publikationen suchen, in denen der Lockenkopf nicht vertreten ist. In der Fernsehzeitschrift genauso wie im Fitnessmagazin, im Fernsehen, Radio und Internet überall: Bajramaj.

Und die Kampagne eines Sportschuhherstellers nähert sich gerade erst ihrem Höhepunkt. Es soll ganz klar Bajramajs WM werden und das nicht nur aus Sicht der modebewussten Edeltechnikerin, sondern auch ihrer Werbepartner und Berater.

Im Eröffnungsspiel gegen Kanada (So., ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) wird sie indes aller Wahrscheinlichkeit nicht in der Startelf stehen, nachdem ihre Leistungen in den Testspielen deutlich unter ihrem Potenzial lagen.

"Leichtfüßigkeit hat gefehlt"

"Es stimmt, dass mir die Leichtfüßigkeit in den letzten Wochen gefehlt hat", gesteht die Flügelflitzerin auf SPORT1-Nachfrage. "Ich denke aber, ich bin jetzt wieder da, wo ich sein will und werde mich von Tag zu Tag reinsteigern und mein Bestes geben." Letztlich entscheide aber die Trainerin.

Zu schön liest sich Bajramajs Geschichte - wie gemacht für die Öffentlichkeit: Als sie vier Jahre alt ist, flieht sie mit der Familie aus dem Krisengebiet Kosovo nach Deutschland.

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Am Anfang wird sie als Fremde gehänselt, holt sich im Fußball den Respekt und selbst ihr Vater, der ihr das Kicken erst verbietet, ist eines Tages bekehrt. Und als seine Tochter Nationalspielerin und 2007 Weltmeisterin wird, imponiert das Papa Bajramaj ungemein (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Vater als "größter Fan und Kritiker"

"Mein Vater ist mein größter Fan und Kritiker", erzählt die Tochter jetzt. "Er redet einen Tag nicht mit mir, wenn ich nicht die Leistung bringe, die er sich erwartet."

Zuletzt dürfte der Vater öfter geschwiegen haben. Nur einmal stand die 23-Jährige während der Testspiele in der Startelf, ihre Dribblings wirkten verzagt, manche Pässe waren vor allem eins: Alibi.

[kaltura id="0_oyshsinu" class="full_size" title="Die Vorfreude steigt"]

Dabei kann es Bajramaj ja. Nicht umsonst war sie in Zürich im Januar eine von drei Spielerinnen, die in der Endauswahl zur Weltfußballerin standen.

Und wer sie beispielsweise im Winter beim Potsdamer 4:2-Erfolg im DFB-Pokal über den FC Bayern hat wirbeln sehen, könnte meinen, im Moment laufe eine andere Spielerin über den Platz.

Fußball noch der Mittelpunkt?

"Es fällt ihr durch das ganze Drumherum unheimlich schwer, sich auf den Fußball zu konzentrieren", sagt auch Potsdams Trainer Bernd Schröder zu SPORT1.

Bajramaj holte mit den "Torbienen" zwei Meistertitel und 2010 die Champions League, geht jetzt zum 1. FFC Frankfurt, gilt damit als bestbezahlte deutsche Fußballerin.

Ihre künftige Frankfurter Teamkollegin Melanie Behringer hatte vor kurzem gesagt, es komme eben nicht darauf an, wer am meisten in den Medien vertreten sei.

Okoyino da Mbabi als lachende Dritte

Den Konkurrenzkampf mit Bajramaj um die Position auf der linken Außenseite sieht Behringer schon als entschieden an - allerdings für Celia Okoyino da Mbabi 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

"Celia hat zuletzt auch im Training immer im A-Team gespielt", sagte Behringer am Donnerstag. "Sie hat im Moment vielleicht die Nase vorn."

Bajramaj scheint die Aussicht, gegen Kanada erstmal auf der Bank zu sitzen, beinahe zu entspannen. Mit einem lässigen "Tschüss!" und "Dankeschön!" verlässt sie in Berlin das Podium der Pressekonferenz, um kurz darauf als Reporterin in Erscheinung zu treten.

Duell mit dem Mikro

"Wir lange braucht ihr morgens, um euch fertig zu machen? Kim du zum Beispiel", will Beauty-Fan Bajramaj von Kim Kulig wissen.

"Nicht so lange wie du", feuert die Blondine zurück. Bajramajs mit Engelslächeln vorgetragene Replik: "Du lügst!"

Große Gelächter in der "Mercedes Welt" am Salzufer. Bajramaj hat wieder die Menge für sich gewonnen.

"Mich stört es nicht in den Medien zu sein, ich mache damit ja auch Werbung für den Frauenfußball. Ich habe dadurch auch nicht den Fußball vernachlässigt", findet die Ausnahmespielerin. Ab Sonntag will sie den Beweis dafür antreten.

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