Die DFB-Frauen genießen während der nahen WM besonderen Status. Dabei ist das Zusammenspiel mit den Medien etwas ungewöhnlich.

Drei Sachen, die ihr an Berlin gefallen? Nadine Angerer antwortet wie aus der Pistole geschossen: "Siegessäule, Bundestag und Wohnzimmer".

Na klar, das eigene Wohnzimmer. Nein, ein Cafe namens "Wohnzimmer", erklärt die Nationalkeeperin. "Da habe ich für mein Examen gelernt.?"

Dem Beobachter ist erneut bewusst: Die Nationalspielerinnen sind keineswegs Profis, sondern arbeiten semiprofessionell. Angerer zum Beispiel ist ausgebildete Physiotherapeutin, Birgit Prinz hat vor kurzem ihr Psychologie-Studium erfolgreich abgeschlossen.

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Lira Bajramaj und Simone Laudehr haben neben ihren Klubs die Bundeswehr als ihren zweiten Arbeitgeber, gehören zur Sportfördergruppe.

Aber in den nächsten vier Wochen der Heim-WM genießen die jungen Frauen Starstatus. Die Menschen winken dem orangefarbenen Teambus hinterher, zum ersten öffentlichen Training in Berlin kamen 1000 Fans und bejubelten gelungene Torschüsse.

Die Medien waren mit einem Dutzend Kamerateams dabei. Einem Team war die Stimmung aber wohl nicht sommermärchenhaft genug.

Eine Journalistin trieb die Fans zum Singen, Fahneschwenken und rhythmischen Klatschen an, so als ob in einer Minute das Eröffnungsspiel losgehen würde.

Dann sollte auch noch "Finale, oh, oh" gesungen werden - ohne dass schon ein einziges WM-Spiel absolviert ist. Ein Moment zum Fremdschämen.

Auch sonst beschnuppern sich die Reporter und Nationalspielerinnen noch. "Die Frage wurde ja noch nie gestellt", kommentiert Ariane Hingst voller Ironie während der Pressekonferenz.

Es ging darum, was Bundestrainerin Silvia Neid auszeichnet, die gerade ihren Vertrag bis 2016 verlängert hat. Im 1:1-Gespräch mag ein solcher Satz lustig wirken, bei zig zugeschalteten Kameras kann man darüber diskutieren.

Auch Mittelfeld-Routinier Hingst muss sich noch auf den zu erwartenden, kommenden Trubel einstellen. "Es ist bisschen komisch mit dem DFB-Bus dort unterwegs zu sein, wo ich sonst mit dem Rad lange fahre", berichtet die gebürtige Berlinerin.

Ansonsten fällt auf, dass die DFB-Frauen mit ebensoviel Freundlichkeit wie Natürlichkeit mit Journalisten und Fans umgehen. Anders als bei den Männern wirkt bei ihnen sogar das Autogrammeschreiben wie Vergnügen.

Und selbst Sonderwünsche werden berücksichtigt. Ein Drei-Käse-Hoch im Bayern-Trikot steht schüchtern etwas abseits. Alexandra Popp fragt ihn: "Willst du auch ein Autogramm?". Er schüttelt den Kopf und Popp geht schmunzelnd zum nächsten Pulk Autogrammjägern.

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