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Silvia Neid (h.) ist seit 2005 Deutschlands Bundestrainerin © getty

Die Bundestrainerin will die letzte Ansprache vor dem Auftakt einer Spielerin überlassen. Einen Vorwurf pariert sie locker.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Berlin- Das Olympiastadion ist schon in die warmen gelben und orangenen Töne der Frauen WM 2011 gehüllt, auf zwei gigantischen Monitoren leuchtet auf: "Welcome to Germany".

Doch anders als beim Eröffnungsspiel gegen Kanada (So., ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) war das Ploppen des Balles am Samstagabend noch bis zum Oberrang zu hören, als die DFB-Frauen in ihrem Abschlusstraining erstmals Originalatmosphäre schnupperten.

Bis auf die verletzte Ersatzspielerin Martina Müller sind alle Nationalspielerinnen bereit für den großen Moment, den Start der Heim-WM. Ihre WM, bei der sie vor 73.000 Zuschauern im pieckepackevollen Olympiastadion spielen werden (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Das Kribbeln beginnt

"Es fängt langsam an, im Bauch zu kribbeln", gestand Silvia Neid. Und die Bundestrainerin fügte an: "Wir wollen zeigen, wofür wir trainiert haben. Wir haben einen starken Gegner, freuen uns darauf."

Bei der Startaufstellung dürfte es kaum Überraschungen geben, Inka Grings wird im Angriff vor Alexandra Popp den Vorzug erhalten. Und auf der linken Mittelfeldposition hat Celia Okoyino da Mbabi wohl vor Lira Bajramaj und Melanie Behringer die Nase vorn (BERICHT: Mit VfB-Bettwäsche und Teamgeist gegen Kanada).

Seit April richtet das DFB-Team alles auf den Startschuss aus, hat vier Testspiele mit vier Siegen glanzvoll abgeschlossen, in gefühlten tausend Terminen wieder und wieder Werbung gemacht für die Frauen-WM.

Neid: "Mal geht es gar nicht"

Das Rampenlicht ist jetzt angeknipst und doch gibt es für einen Sieg zum Auftakt keine Garantie 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

Neid ist auf ein mögliches Geduldsspiel gegen den Weltranglisten-Sechsten eingestellt.

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"Man muss natürlich erstmal ein Tor machen, mal geht es schneller, mal langsamer, mal geht es gar nicht", stellte sie auf SPORT1-Nachfrage fest.

"Wir wissen aber was die Kanadierinnen bevorzugen, was ihre Stärken sind. Wir werden versuchen, ihnen unser Spiel aufzudrücken und dann hoffen, dass wir nach 90 Minuten drei Punkte haben."

Torschuss-Übung gegen die Nervosität

Es wäre der gewünschte Auftakt nach Maß in die Gruppe A mit den weiteren Rivalen Nigeria und Frankreich, die sich am Sonntag bereits ab 15 Uhr in Sinsheim gegenüberstehen.

Die Spielerinnen konnten ihr Adrenalin am Samstagabend in einer dynamischen Torschussübung abbauen, Neid beobachtet das mit verschränkten Armen.

[kaltura id="0_oyshsinu" class="full_size" title="Die Vorfreude steigt"]

Bei der Pressekonferenz zuvor hatte sie viel gelacht und auch auf den Vorwurf von Potsdams Trainer Bernd Schröder gelassen reagiert, sie habe zu wenige Spiele des deutschen Meisters vor Ort gesehen.

"Freut mich, dass Bernd mich vermisst"

"Es freut mich sehr, dass mich Bernd vermisst. Ich finde den Bernd lustig und amüsiere mich dauernd über seine Aussagen", sagte Neid, die auf eine andere Aussage Schröders konterte, sie wisse mittlerweile, dass die Mauer nicht mehr stehe.

Auf ein Geplänkel mit dem erfolgreichsten Frauenfußball-Vereinstrainer wollte sie sich nicht einlassen, zu sehr dominiert die nahe WM ihre Gedanken.

Stattdessen verriet sie, dass die letzte Ansprache vor der Partie nicht sie selbst, sondern eine Spielerin halten werde.

Einpeitscherin gesucht

"Ich weiß, wer das kann", meinte Neid mit spitzbübischem Lächeln auf die Frage zu der Einpeitscherin vor dem Spiel. Einen Namen nannte sie nicht.

Sie selbst will "entspannt auf der Bank" sitzen. Letztlich sei alles getan. "Da ist eine pure Freude, weil ich in meine Mannschaft viel Vertrauen habe."

Die Spielerinnen dürften indes mit reichlich Herzklopfen den Fußball-Tempel in Berlin betreten.

"Natürlich wird es uns an dem Tag auch mal eiskalt den Rücken runterlaufen", sagte Innenverteidigerin Saskia Bartusiak im SPORT1-Interview und ihre Teamkollegin Melanie Behringer gab schon vor Tagen zu Protokoll: "Es muss jetzt losgehen, sonst verzweifeln wir."

Sinclair schiebt Deutschland Druck zu

Natürlich ergeht es den Kanadierinnen ähnlich.

Trainerin Carolina Morace ist aber überzeugt, dass ihr Team ohne Probleme mit der Kulisse zurechtkommen werde.

Die Rollen sieht sie klar verteilt.

"Deutschland ist das beste Team der Welt. Wir sind nicht auf dem gleichen Level wie Deutschland, wir werden aber das nutzen, was wir haben", sagte sie am Samstagabend

Ausnahmestürmerin Christin Sinclair nimmt daher die Rolle des Underdogs nur zu gerne an. "Wir wissen, dass Deutschland das beste Team der Welt hat, sie sind Favorit ? auch fürs ganze Turnier. Der Druck liegt auf ihnen", meint sie.

"Natürlich wollen wir gerne was holen, das wäre toll für uns. Deutschland hat aber das ganze Stadion hinter sich." Die Kanadierinnen wiegen den Weltmeister nur zu gerne in Sicherheit, der letzte Vergleich im Herbst 2010 ging mit 5:0 klar an die DFB-Frauen.

Die übten am Samstagabend sogar Elfmeterschießen vor der versammelten internationalen Presse, doch das ist auf jeden Fall für Sonntag auszuschließen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Angerer (1. FFC Frankfurt/32 Jahre/98 Länderspiele) - Bresonik (FCR Duisburg/27/65), Krahn (FCR Duisburg/25/66), Bartusiak (1. FFC Frankfurt/28/41), Peter (Turbine Potsdam/23/51) - Laudehr (FCR Duisburg/24/41), Kulig (Hamburger SV/21/24) - Garefrekes (1. FFC Frankfurt/31/126), Prinz (1. FFC Frankfurt/33/212), Okoyino da Mbabi (SC Bad Neuenahr/22/55) - Grings (FCR Duisburg/32/90).

Kanada: McLeod - Gayle, Zurrer, Moscato, Wilkinson - Matheson, Kyle - Schmidt, Timko, Filigno - Sinclair.

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