vergrößernverkleinern
Die WM 2011 ist die erste Frauen- Weltmeisterschaft in Deutschland © getty

Handballer und Eishockey-Cracks haben es vorgemacht: Der Heimvorteil kann ein enormer Push sein. Doch er birgt auch Gefahren.

München - Auf der Hitliste von Silvia Neid steht der Faktor Heimvorteil ganz weit oben.

"Wenn es mit den drei Titeln in Folge klappen sollte, dann können wir es nur hier in Deutschland schaffen", sagte die Trainerin der Frauenfußball-Nationalmannschaft, "für uns ist es toll, dass wir im eigenen Land spielen dürfen."

73.000 Zuschauer beim Eröffnungsspiel gegen Kanada in Berlin (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) sorgen für Gänsehaut. Doch ist das wirklich ein Sieggarant?

Die Sportgeschichte lehrt: Der Heimvorteil kann, muss aber nicht entscheiden - im schlimmsten Fall zerbricht das Team gar am Druck.

"Viele reden vom Heimnachteil, weil man unter der Lupe und die Erwartungshaltung sehr hoch ist", äußerte Uwe Krupp, Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in diesem Jahr in der Slowakei.

Eishockey-Cracks überzeugen auf Schalke

2010 hatten die deutschen Eishockey-Asse einen rauschenden Auftritt mit Platz vier bei der Heim-WM, schlugen im Eröffnungsspiel auf Schalke die USA vor 77.803 Zuschauern.

"Es bedarf einer sehr guten Planung, um diese Erwartungshaltung zu managen. Es geht dabei darum, alle auf die gleiche Wellenlänge zu bringen. Und mit allen meine ich das komplette Umfeld der Mannschaft, die Betreuer, die Offiziellen, die Medienvertreter. Darauf haben wir sehr großen Wert gelegt", mahnte Krupp. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Drei Jahre zuvor endete die Heim-WM der deutschen Handballer mit dem Wintermärchen von Köln. Der Weg dorthin war aber kein leichter: "Da herrschte schon ein besonderer Druck, den auch die Mannschaft gespürt hat und unter dem wir vielleicht am Anfang auch etwas gelitten haben", sagte Bundestrainer Heiner Brand, "wir sind davon nicht richtig frei geworden."

[kaltura id="0_oyshsinu" class="full_size" title="Die Vorfreude steigt"]

Handballer mühen sich

Mühsam das 27:22 gegen Brasilien, ernüchternd das 25:27 gegen Polen. In der Zwischenrunde wuchs das Team aber in die Erwartungen hin, der heimische Hexenkessel war in den engen Spielen mitentscheiden. "Von da an ging vieles von alleine, und wir wurden auch von der Begeisterung der Leute getragen", betonte Brand.

Ein halbes Jahr nach den Handballern hatten die deutschen Hockey-Herren in Mönchengladbach ihr Heimspiel. "Der Druck durch die Erwartungshaltung und Begeisterung der Zuschauer war für unsere Leistung nur förderlich", meinte der Münchner Christopher Zeller 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

Eigens war ein neues Hockeystadion errichtet worden, die deutschen Fans liefen ein Jahr nach dem Sommermärchen der Fußballer zur Hochform auf. Zeller: "Wir wurden von den Fans getragen, am Ende sogar bis zum Titel. Wenn 16.000 Leute im Stadion abgehen, dann springt der Funke auf die Spieler über. Wir alle werden das niemals vergessen."

1974: Schwerer Start mit süßem Ende

Deutschlands Fußballer hingegen mussten auf dem Weg zum Heimtitel 1974 eine empfindliche Niederlage hinnehmen.

Das 0:1 in Hamburg im deutsch-deutschen Duell gegen die DDR quittierten Medien und Öffentlichkeit mit Hohn und Spott, waren erst versöhnt, als das Endspiel in München mit dem Titelgewinn durch das 2:1 gegen die Niederlande endete.

Dass Heimrecht nicht unbedingt eine Erfolgsgarantie ist, bekam die Nationalmannschaft gleich zweimal zu spüren: Sowohl bei der EM 1988 als auch beim Sommermärchen 2006 gab es statt dem Titel bittere Halbfinal-Pleiten

Das darf und soll den favorisierten Frauen nicht passieren: "Wir wollen Weltmeister werden. Die Öffentlichkeit erwartet das sowieso", sagt Torjägerin Birgit Prinz.

Jedoch: Den Frauen-Titel im eigenen Land holten bislang einzig die USA vor zwölf Jahren.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel