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Sepp Blatter (r.) wurde 1998 als Nachfolger von Joao Havelange FIFA-Präsident © getty

Auch bei der Frauen-WM verfolgt den FIFA-Präsidenten das Thema Korruption. Er windet sich, die OK-Chefin springt ihm zur Seite.

Berlin - Die Bodyguards von Joseph S. Blatter waren diesmal weiblich und taten ihren Job.

WM-OK-Präsidentin Steffi Jones und FIFA-Sprecherin Segolene Valentin bauten passend zur Frauen-WM förmlich einen Schutzschild für den umstrittenen FIFA-Boss auf.

Sie verhinderten beim ersten offiziellen Auftritt des Weltverbands-Chefs am Samstag in Berlin, dass der Schweizer mit Fragen nach dem jüngsten FIFA-Korruptionsskandal behelligt wurde.

Wieder einmal wandte die FIFA bei kritischen Themen die Taktik der drei Affen an: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen!

Blatter: Frauen-WM ein "Meilenstein"

Am Ende wurde die Pressekonferenz sogar kurzerhand abgebrochen. "Hier macht Blatter die Flatter", titelte der "Kölner Express" am Sonntag.

Es sollte halt nur um die WM gehen, den "Meilenstein" in der Entwicklung des Frauenfußballs, wie Blatter immer wieder betonte. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Der Skandal des Weltverbandes um Manipulation, Bestechung und Betrug wurde mit aller Macht in den Hintergrund gedrängt und sollte die erdrückend positive Stimmung vor dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Kanada am Sonntag in Berlin nicht verderben.

Dass Blatter dafür gar nicht selbst sorgen musste, sondern Steffi Jones den anwesenden Medienvertretern das Wort abschnitt, war alles andere als ein Ruhmesblatt.

Keine kritischen Fragen erwünscht

Die Frage an den Thailänder Worawi Makudi, Vorsitzender der FIFA-Frauenfußball-Kommission, ob er als Mitglied der FIFA-Exekutive bestochen worden sei, konnten nur noch die wenigsten bis zum Ende vernehmen - rigoros wurde das Medienmeeting von FIFA-Sprecherin Valentin sofort beendet.

Erst im Anschluss gab der FIFA-Boss umringt von Journalisten eine dürre Wasserstandmeldung ab.

"Die Ethikkommission arbeitet daran und wird im Laufe des Monats Juli zu einer Entscheidung kommen", sagte Blatter umringt von zahlreichen Medienvertretern, die sich sofort um ihn scharten: "Sie wissen, dass einer zurückgetreten ist und deswegen nicht mehr beleuchtet werden kann."

WM verschafft Blatter Luft

Der Frauenfußball ist, zumindest für den Moment, Blatters liebstes Kind und könnte wohl zu keinem günstigeren Zeitpunkt mit dem Eröffnungsspiel vor rund 74.000 Zuschauern in Berlin einen ersten Höhepunkt finden.

[kaltura id="0_oyshsinu" class="full_size" title="Die Vorfreude steigt"]

Endlich wieder positive Schlagzeilen für die FIFA und vor allem für Blatter selbst.

Dass er dabei ausgepfiffen werden könnte, glaubt Blatter nicht. "Wenn ich ausgepfiffen werde, wäre es mehr ein Affront gegen den Bundespräsidenten als gegen mich", erklärte der Schweizer.

Außerdem hat er ja noch Steffi Jones. Die OK-Präsidentin versprach, "persönlich alles dafür tun, dass es keine Pfiffe geben wird".

Zwanziger distanziert sich von WM-Vergabe

DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte schon zu Beginn der Vorbereitung des deutschen Teams in Berlin davor gewarnt, dass die deutschen Fans den FIFA-Präsidenten nicht allzu wohlwollend empfangen werden.

Außerdem distanzierte sich der DFB-Chef von den verworrenen Vorkommnissen rund um die WM-Vergaben 2018 nach Russland und 2022 nach Katar und will sich für eine schnelle Aufklärung des Skandals einsetzen.

Für Joseph Blatter spielte das keine Rolle: "Es wird morgen noch ein Gespräch mit Herrn Zwanziger geben. Von einer Distanzierung von der FIFA oder dem FIFA-Präsidenten habe ich absolut nichts gehört."

"Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen"

Zumindest in den kommenden drei Wochen kann sich Blatter im Glanz der WM sonnen, für die er sich zu Beginn nicht unbedingt so stark eingesetzt hat wie zuletzt.

"Als ich 1995 gesagt habe, dass die Zukunft des Fußballs weiblich ist, habe ich das selbst nicht geglaubt. Nun bin ich überzeugt, dass wir tollen Fußball und hervorragende Schiedsrichter-Leistungen sehen werden", sagte der Mann aus dem Wallis:

"Die WM ist für die Zukunft wegweisend, und der Frauenfußball kann seinen Teil dazu beitragen, dass in jeder Kultur Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen herrscht."

Erhöhung der Prämien möglich

Blatter räumte allerdings ein, dass die WM-Prämien des Weltverbandes noch zu niedrig sind.

"Ich bin selbst überrascht, dass es nur sechs Millionen Dollar sind. Und wenn ich sehe, was der Dollar im Vergleich zu den Schweizer Franken noch wert ist, sollten wir da etwas drauflegen", äußerte der Schweizer.

Der Frauen-Weltmeister erhält 1,075 Millionen Euro von der FIFA, die als Neuerung bei der Endrunde die beste junge Spielerin unter 20 Jahren auszeichnen wird.

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