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Kerstin Garefrekes erzielt bereits in der zehnten Minute das 1:0 für das DFB-Team © getty

Die DFB-Frauen beherrschen Kanada über 80 Minuten, Garefrekes und Celia Okoyino da Mbabi treffen. Kanadas Star erzielt den Anschluss.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Berlin - Die Mission Titelhattrick ist erfolgreich gestartet: Deutschland hat im Eröffnungsspiel der Frauen-WM Kanada mit 2:1 besiegt und damit in der Gruppe A einen perfekten Auftakt hingelegt.

Zuvor hatte bereits Frankreich in Sinsheim Nigeria mit 1:0 geschlagen (Spielbericht).

Die Tore für die DFB-Frauen erzielten Kerstin Garefrekes (10.) und Celia Okoyino da Mbabi (42.), für Kanada traf Christine Sinclair (82.). (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Silvia Neid war erleichtert, hatte aber auch einige Kritikpunkte anzumerken. "Ich bin sehr froh über den Erfolg. Ich denke, wir sind in der ersten Halbzeit nur schwer ins Spiel gekommen, weil wir zu wenig kombiniert haben", sagte die Bundestrainerin.

"In der zweiten Halbzeit haben wir gut angefangen, hatten viele Chancen, haben aber vergessen, das Tor zu machen. Dann wird es natürlich gefährlich, wenn hinten ein Tor fällt", so Neid weiter.

Merkel glaubt an das Finale

"Besser hätte die WM kaum beginnen können", meinte DFB-Präsident Theo Zwanziger, "ein volles Olympiastadion, eine tolle Kulisse, ein gutes Spiel und ein Sieg unserer Nationalmannschaft - was will man mehr als DFB-Präsident?"

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war begeistert: "Gegen einen starken Gegner hat die deutsche Mannschaft sehr gut und sehr motiviert gespielt. Da war richtig Leben im Spiel. Ich traue der deutschen Mannschaft eine ganze Menge zu und drücke die Daumen, dass sie ins Finale kommt.

Vor ausverkauftem Haus im Berliner Olympiastadion eröffnete Bundespräsident Christian Wulff den "FIFA Women's World Cup 2011" und dankte allen Helfern und insbesondere OK-Präsidentin Steffi Jones für ihre tolle Vorarbeit.

Okoyino da Mbabi in der Spitze

Jones wurde von den 73.680 Zuschauern mit herzlichem Applaus begrüßt, Pfiffe für FIFA-Präsident Sepp Blatter wegen des Korruptions-Skandals blieben indes aus, auch weil der Schweizer nicht namentlich begrüßt wurde.

Bundestrainerin Silvia Neid überraschte mit ihrer Aufstellung, statt EM-Torschützenkönigin Inka Grings spielte Celia Okoyino da Mbabi in der Sturmspitze.

Die offensive Dreierreihe im 4-2-3-1-System bildeten Melanie Behringer und Kerstin Garefrekes auf den Flügel, Birgit Prinz nahm die zentrale Position ein.

Sinclair mit der ersten Chance

Es entwickelte sich gleich ein offener Schlagabtauch - mit Vorteilen für das deutsche Team.

Doch Keeperin Nadine Angerer bekam in der ersten Hälfte bereits so viel zu tun wie in allen vier Testspielen zusammen. 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

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Die Kanadierinnen hatten auch die erste große Chance, aber Starspielerin Christine Sinclair hatte im Strafraum nicht die nötigen Nerven und setzte den Ball übers deutsche Tor (6.).

Deutschland mit Vorteilen

In diesem Moment wirkten die DFB-Frauen noch etwas nervös, machten das aber bald wett. Nach einer schönen Flanke von Babett Peter köpfte Garefrekes Deutschland zur Führung (10).

Ihre unmittelbar zuvor vergebene Großchance aus kurzer Distanz war vergessen.

Jetzt lief das deutsche Spiel, doch die folgenden Möglichkeiten blieben ungenutzt: Behringer wurde gerade so an der Strafraumkante nach Prinz-Vorlage (12.) geblockt, ein Volleyschuss von Annike Krahn flog übers Tor und ein Kopfball von Kim Kulig (32.) landete knapp neben dem Pfosten.

Nasenbeinbruch bei Sinclair

Doch nicht nur Kanadas Abwehrreihe war im Dauereinsatz, auch die deutsche Viererkette wurde ernsthaft getestet und sah dabei nicht immer gut aus. Vor allem Krahn und Bresonik hatten ihre liebe Mühe mit der schnellen Sinclair.

Bei einer Abwehraktion von Peter wurde Sinclair von deren Ellenbogen unbeabsichtigt im Gesicht getroffen und zog sich einen Nasenbeinbruch zu.

"Der Arzt hat gesagt, sie soll raus. Aber sie wollte nicht. Nun muss sie ins Krankenhaus. Vielleicht kann sie im nächsten Spiel mit einer Maske auflaufen", sagte die kanadische Trainerin Carolina Morace.

Garefrekes scheitert doppelt

Eiskalt vollstreckte kurz vor der Pause Okoyino da Mbabi (42.), die nach einem klugen Pass von Garefrekes enorm viel Platz hatte. Kanadas Abwehr war in dieser Szene freundlicherweise viel zu weit aufgerückt.

Mit dem 2:0 ging es auch in die Pause, aus der Deutschland angriffslustig zurück kam.

Garefrekes hatte gleich zu Beginn zweimal das 3:0 auf dem Fuß, scheiterte aber jeweils mit zu wenig beherzten Versuchen (51., 55.).

Popp nur an die Latte

Auf die Einwechslung von Alexandra Popp für Birgit Prinz (56.) antwortete das Publikum mit einem Raunen und großer Erwartung. Die 20-Jährige hatte schließlich in den vier Testspielen mit fünf Toren brilliert.

Und die Duisburgerin führte sich gleich mit einem Paukenschlag ein: Ihr Geschoss aus 18 Metern streifte die Oberkante der Latte (62.).

Neid wechselte in der Offensive weiter, brachte nun Grings für da Mbabi. Die musste von der Bank mitansehen, wie ihre Teamkollegin Garefrekes eine Tausendprozentige ausließ.

Aus sieben Metern daneben

Aus sieben Metern schaffte die Frankfurterin es, den Ball nach Popp-Vorarbeit über, statt ins leere Tor zu feuern. Trotz der vergebenen Chance war es aber eine starke Partie der Flügelflitzerin.

Nun durfte Publikumsliebling Lira Bajramaj versuchen, das deutsche Spiel weiter anzukurbeln. Der Lockenkopf ersetzte Melanie Behringer (70.).

Als alles entschieden schien, schlug Sinclair zu. Aus 18 Metern verwandelte sie wunderschön einen Freistoß direkt in den Winkel (82). Die DFB-Frauen ärgerten sich jetzt doppelt, so leichtfertig mit ihren Möglichkeiten umgegangen zu sein.

Zurrer vergibt Ausgleich

Bei einem Fernschuss von Laudehr, der an die Latte krachte, fehlte zudem das Glück (77.).

Und Kanada hatte sogar noch die Chance zum Ausgleich, Emily Zurrer konnte frei im Fallen den Ball aber nicht kontrollieren (86.). Deutschland musste noch mal richtig bangen.

Am Ende blieb es aber bei dem verdienten Auftakterfolg für die DFB-Frauen.

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