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Silvia Neid (rechts, mit Birgit Prinz) ist seit 2005 Bundestrainerin © getty

Bundestrainerin Neid findet trotz des 2:1 zum WM-Start gegen Kanada einige Kritikpunkte. Da Mbabi hat doppelt Grund zum Feiern.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Berlin - Spielerin der Partie oder größtmöglicher Tollpatsch?

Für Kerstin Garefrekes war der Grat beim 2:1-Sieg im WM-Eröffnungsspiel gegen Kanada (Spielbericht) ziemlich schmal.

Sie hatte das erste deutsche WM-Tor geköpft, das 2:0 von Celia Okoyino da Mbabi klug vorbereitet (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Fehlschuss a la Gomez

Alles gut, wenn da nicht dieser vermaledeite Fehlschuss beim Stand von 2:0 gewesen wäre. Aus sieben Metern feuerte sie quasi in der direkten Nachfolge von Mario Gomez und Frank Mill über das leere Tor.

"Ja, Scheiße nicht gut", kommentierte die Frankfurterin die Szene nachher in der Mixed Zone des Berliner Olympiastadions. Einen großen Kopf wollte sich die Matchwinnerin aber nicht machen.

"Im ersten Spiel kann aber noch nicht alles perfekt laufen", meinte die schlaksige Mittelfeldspielerin und machte sich und den Teamkolleginnen Mut.

Die waren ebenso bereits bei der Analyse und Fehlersuche angenommen.

Deutliche Worte von Prinz

Denn um ein Haar hätten die DFB-Frauen vor 73.680 Zuschauern in der Endphase noch die Führung komplett verspielt, die zig vergebenen Konterchancen taten da weh.

"Wir haben uns am Anfang nicht so arg glücklich angestellt, die Räume waren zu groß, die Kanadierinnen hatten viel zu viel Raum und Zeit", stellte Birgit Prinz auf SPORT1-Nachfrage schonungslos fest.

"Die Abwehr stand zu tief, das Mittelfeld hing in der Luft und wir haben dadurch keine Bälle gewonnen", kritisierte die Spielführerin weiter. Sich selbst nahm die deutsche Rekordnationalspielerin nicht aus.

Sie sei schlecht ins Spiel gekommen, daher "nicht so zufrieden", mäkelte sie und schaute dabei wie eine Eiskunstläuferin nach einer verpatzten Kür.

Grings und Bajramaj überzeugen nicht

Dabei hatte Prinz viel gekämpft, immer wieder Räume für ihre Mitspielerinnen frei geschoben.

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Doch Silvia Neid hatte ihre Spielführerin bereits nach 56 Minuten vom Feld geholt und Alexandra Popp gebracht.

Und der quirlige Jungspund hatte ebenso wie Simone Laudehr Pech bei einem Lattentreffer.

Später schraubte Neid weiter an der Offensive, gab Inka Grings und Lira Bajramaj Einsatzminuten.

Die erste zu eigensinnig, die zweite bisweilen zu ungenau, konnten sich beide nicht für die Startelf aufdrängen 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

Neid sieht Schwachstellen

Die Bundestrainerin hatte sich den Auftakt gegen Kanada ganz anders vorgestellt.

Sie sprach von einem "verrückten Spiel" und das ist aus der Sicht von Neid, die nur zu gerne alles bis ins letzte Detail plant, schon eine ziemliche Rüge.

Die Cheftrainerin beklagte "viel zu viele hohe Bälle" und "zu viele neutrale Bälle". Anders ausgedrückt: Neid vermisste die spielerische Linie und war genervt vom Loch zwischen Viererkette und Mittelfeld, das manchmal fast so weit zu klaffen schien wie das Marathontor im Olympiastadion.

[kaltura id="0_8tnd71y7" class="full_size" title=" Oooh wie ist das sch n "]

"Froh über drei Punkte"

Die große Bühne WM-Eröffnungsspiel nutzte die Mannschaft trotz engagierten Spiels nur zum Teil, daran änderte auch die Anwesenheit von Bundespräsident Christian Wulf und Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie allerlei Fußballprominenz nichts.

"In der zweiten Halbzeit haben wir angefangen zu kombinieren und Fußball zu spielen und machen kein Tor", befand Neid. "Zum Schluss war es ganz knapp. Wir sind froh, dass wir die drei Punkte haben."

Die erhoffte Klettertour zum dritten WM-Titel in Folge wird keinesfalls so leicht wie die vier gewonnenen Testspiele. Immerhin ist mit den robusten Kanadierinnen der erste Felsbrock aus dem Weg geräumt.

Nasenbruch bei Torschützin Sinclair

"Wir haben in der zweiten Hälfte Charakter gezeigt", meinte Kanadas Trainerin Carolina Morace und ärgerte sich über die gebrochene Nase von Torschützin Christine Sinclair.

Die 28-Jährige hatte sich in einem Luftkampf mit Babette Peter verletzt, musste nach der Partie zur Untersuchung ins Krankenhaus.

Ernste Gesichter statt Partystimmung, das galt am späten Sonntagabend für die "Big Red" wie für das DFB-Team.

Okoyino da Mbabi zahlt Vertrauen zurück

Nur Torschützin Celia Okoyino da Mbabi hatte sichtlich gute Laune, als sie mit großen Kopfhörern auf den Schultern bei den Reportern anhielt.

Den Vorzug vor Inka Grings im Sturmzentrum erhalten zu haben ließ sie vor Glück strahlen und sie betonte gegenüber SPORT1: "Im nächsten Spiel wollen wir souveräner auftreten und schönes Kombinationsspiel zeigen."

So soll auch ein Sieg über Nigeria in Frankfurt (Do., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) glücken, das Zwischenziel Viertelfinale wäre in Gruppe A zum Greifen nah.

"Gediegene Feier" bei Kaffee und Kuchen

Okoyino da Mbabi darf indes schon am Montag ein bisschen den Moment genießen, die Angreiferin wird 23.

"Wir feiern wie immer sehr gediegen, es gibt ein Ständchen und Kuchen", meinte sie mit einem Schmunzeln. "Der Rest muss nach der WM passieren."

Auf die ganz große Fete hoffen die DFB-Frauen sowieso am 17. Juli, dem Tag des WM-Endspiels. Bis dahin dürfte genug Arbeit bleiben.

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