Potsdams Meistercoach Bernd Schröder analysiert in seiner SPORT1-Kolumne den Kanada-Sieg und glaubt Neid in der Zwickmühle.

Hallo Fußball-Freunde,

ich habe gegen Kanada zum Turnierauftakt ein schweres Spiel erwartet und so kam es auch.

Allerdings hat man gesehen, dass der Gegner nicht das Format hatte, unser Spiel ernsthaft zu gefährden. Das deutsche Team hat sich im Gegenteil selbst das Leben schwer gemacht.

Wenn Kanadas Trainerin Carolina Morace jetzt sagt, sie hätten ein Unentschieden verdient gehabt, frage ich mich, welches Spiel sie gesehen hat!

Unsere Spielerinnen waren individuell deutlich besser. Sie hätten nur den Sack zumachen müssen.

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In der zweiten Halbzeit haben sie jedoch leider die Möglichkeiten nicht genutzt. Ganz klar: Nach Chancen und Spielanteilen hätte Deutschland mit fünf Toren Unterschied gewinnen können.

Nach den Wechseln folgte ein Bruch.

Alexandra Popp hatte zwei gute Aktionen, sie ist jederzeit in der Lage das Spiel auf sich zu ziehen. An Inka Grings und Lira Bajramaj ist die Partie aber vorbeigelaufen.

Wenn eine Inka Grings nicht in der Startelf steht, wird das ein Problem für die Mannschaft, sie selbst und die Bundestrainerin. Die EM-Torschützenkönigin hat den Anspruch von Anfang an zu spielen. Sie will sich als Joker daher besonders einbringen und startet Einzelaktionen.

Lira Bajramaj stand nach ihrer Einwechslung in einigen Situationen frei, bekam den Ball aber nicht. Es ist hypothetisch darüber zu spekulieren, ob das nun Absicht der Mitspielerinnen war oder nicht.

Ich glaube, Lira hat im Moment in der Mannschaft ein Problem, das sich in den Wochen zuvor aufgebaut hat. Natürlich möchte Lira in den Situationen, wenn sie den Ball hat, sich ins rechte Licht rücken, doch das gelingt dann meist nicht.

Und man muss ehrlich sein: Auch an Birgit Prinz ist das Spiel oft vorbeigelaufen. Ich respektiere sie sehr, doch sie hat unserem Spiel nicht die Impulse gegeben, sie war in zwei, drei Situationen zu langsam, um in den freien Raum zu starten.

Wenn Silvia Neid jetzt aber Prinz aus der Startelf nehmen würde, würde sie ein Denkmal beschädigen und ihr auch nicht helfen. Der Gesamtharmonie würde es meiner Meinung nicht gut tun, wenn sie nicht von Anfang dabei wäre. Fußballerisch ist Prinz allerdings selbst bestimmt nicht zufrieden.

Celia Okoyino da Mbabi hat indes ihre Chancen auf die Startelf weiter verbessert. Sie hat den Vorteil, dass sie auf vielfältige Weise in die Mannschaft passt, links und rechts und auch im Sturmzentrum spielen kann.

Silvia Neid hat ja versprochen, demnächst ein Spiel beim deutschen Meister in Potsdam vor Ort zu sehen. Sie erwartet von mir ja immer bisschen Ironie und Spaß: Also sage ich, meine Hoffnung, dass die Bundestrainerin nach Potsdam kommt, ist wesentlich gestiegen, seit sie ihren Vertrag bis 2016 verlängert hat.

Zum Abschluss noch ein paar Sätze zu unserem nächsten Gruppengegner Nigeria.

Du kannst gegen Nigeria 3:0 oder 4:0 gewinnen, aber auch verlieren. Die Spielerinnen sind unberechenbar, das betrifft auch die Abwehr. Ihre Defensive ist schlecht organisiert.

Dagegen ist unsere Innenverteidigung auch nicht fehlerfrei, das hat man gegen Kanada gesehen.

Wir müssen also verhindern, dass Nigeria in unsere zentrale Zone kommt.

Doch es wird womöglich leichter als gegen Kanada. Denn Nigeria versucht Fußball zu spielen, das kommt uns zu gute.

Euer Bernd Schröder

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