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Kim Kulig spielt in der kommenden Saison für den 1. FFC Frankfurt © getty

Kulig ist glücklich über ihre Entscheidung für den Fußball. Bei SPORT1 spricht sie über den Sieg gegen Kanada und das Feintuning.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Berlin/Frankfurt - Sie hat es auch mit Einzelsportarten probiert.

Und das nicht ohne Erfolge: Im Vierkampf hielt Kim Kulig Kreisrekorde, wurde zudem 1999 bei der deutschen BMX-Meisterschaft in ihrer Altersklasse Vierte.

Doch die heutige Nationalspielerin, die aus der Nähe von Tübingen stammt, konnte mit dem ständigen Gegeneinander nichts anfangen.

"Ich habe gemerkt, in Einzelsportarten musst du über Leichen gehen", sagte die 21-Jährige vor kurzem bei der Präsentation einer neuen Image-Kampagne für den Frauenfußball.

"Dafür bin ich aber nicht der Typ".

Im Mannschaftssport Fußball kann sie nun ihre Stärken als Teamplayerin zeigen, auf der Doppelsechs lenkt sie bei der Heim-WM gemeinsam mit Simone Laudehr das deutsche Spiel.

Rackerndes Energiebündel

"Sie ist ein Leadertyp und sich ihrer Verantwortung bewusst", sagt Siegfried Dietrich im Gespräch mit SPORT1. Der Manager des 1. FFC Frankfurt ist zugleich ihr Berater, hat die Nationalspielerin für die kommende Saison vom HSV nach Frankfurt gelotst.

"Sie hat in Hamburg eigenständig gelebt hat und gelernt sich durchzubeißen", erklärt Dietrich weiter.

Auf dem Feld ist die smarte Blondine ein echtes Energiebündel, rackert, dirigiert und schießt wie beim Testspielsieg über Nordkorea auch mal voller Selbstbewusstsein einen Elfmeter.

Kulig ist bereits Weltmeisterin

Mit der U 20 wurde sie 2010 bereits Weltmeister, das soll jetzt auch mit der A-Nationalmannschaft glücken.

Der Schwierigkeitsgrad wächst aber, wie man beim 2:1-Auftaktspiel (Spielbericht) gesehen hat, als die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld nicht immer gepasst haben (BERICHT:Lange Mängelliste nach "verrücktem Spiel" ).

Im SPORT1-Interview spricht Kulig über die Probleme gegen Kanada, das teaminterne Feintuning und die nächste Aufgabe gegen Nigeria (423056DIASHOW: Das deutsche Team in der Einzelkritik).

SPORT1: Frau Kulig, Deutschland hat das Eröffnungsspiel gegen Kanada knapp gewonnen. Warum klappte es beim WM-Auftakt nicht so leicht wie in den erfolgreichen Testspielen zuvor?

[image id="538b2db8-636c-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Kim Kulig: Wir sind ganz schwer ins Spiel gekommen, können mit dem Sieg zufrieden sein, das war das Wichtigste. Wir werden das Match jetzt analysieren und dann gesagt bekommen, was wir falsch gemacht haben (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

SPORT1: Die Kanadierinnen waren sehr robust. Lief es auch deshalb nicht so gut wie erhofft?

Kulig: Wir wussten ja, dass sie sehr zweikampfstark sind. Wir wollten in die Zweikämpfe kommen, haben das am Anfang aber nicht ganz geschafft, das war unser Problem.

SPORT1: Sie müssen auf der Doppelsechs viel dirigieren, wie schwer war das in der hektischen Schlussphase?

Kulig: Jeder weiß, was er auf dem Platz zu tun hat. Das Spiel war richtig schwer, die Kanadierinnen haben eine echt starke Mannschaft, das hat man gesehen. Zum Glück haben wir zwei Tore geschossen und die nur eins.

[kaltura id="0_cmtspom0" class="full_size" title="Kein Spaziergang zum Titel"]

SPORT1: Im defensiven Mittelfeld fällt Ihre gute Zusammenarbeit mit Simone Laudehr auf.

Kulig: Ich versteh mich mit Simon (Laudehrs englischer Spitzname, Anm. d. Red) richtig gut, das sieht man auch auf dem Platz. Wir wissen immer genau, was der andere macht. Ich bin ganz froh, dass ich neben ihr spielen kann. Ich bin auch froh, dass Ariane Hingst da ist, von der man sich auch noch Einiges abschauen kann. Überall gibt es Konkurrenzkampf, aber wir wissen, dass die Mannschaft im Vordergrund steht.

SPORT1: Sie sind ja mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Was haben Sie dabei - auch fürs Teamwork - gelernt?

Kulig: Ich habe viel gelernt und vor allem, dass ich nicht immer meinen Kopf durchsetzen konnte. Es gibt auch andere Menschen, die andere Wünsche, Interessen oder Bedürfnisse haben. Das hat mich auf jeden Fall als Mensch geprägt.

SPORT1: Auf der Sechserposition muss man oft mit Risikobereitschaft dazwischen gehen. Haben Sie das früher als BMX-Fahrerin schon trainiert?

Kulig: Nun gerade auf der Position muss man schon mit vollem Einsatz bei der Sache sein. Es ist eine sehr wichtige Position. Das ist mir und Simon bewusst, wir wollen immer 100 Prozent geben, viele, viele Zweikämpfe gewinnen. Das ist unsere Aufgabe.

SPORT1: Wie erging es eigentlich dem Team in Berlin vor dieser Kulisse? Gab es bei dieser Lautstärke Probleme mit den Kommandos?

Kulig: Es war ein bombastisches Gefühl, wir haben uns auf dem Platz schon verständigen können, manchmal reicht ja auch ein Blickkontakt oder ein paar Zeichen.

SPORT1: Nach dem ersten Gruppenspieltag ist Deutschland Erster Wie sehen Sie die Ausgangsposition im Rennen ums Viertelfinale?

Kulig: Die Ausgangsposition ist wohl gut, wenn wir Erster sind (lacht) 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

SPORT1: Im vergangenen Jahr gab es ein 5:0 im Test gegen Kanada, ein 8:0 über Nigeria. Wird es jetzt also demnach gegen Nigeria etwas leichter?

Kulig: Die beiden Testspiele kann man gleich mal streichen, denn Tests und WM sind zwei ganz unterschiedliche Sachen. Alle Mannschaften in unserer Gruppe sind sehr stark, das gilt auch für Nigeria. Wir müssen alles geben, ohne totalen Einsatz geht es nicht.

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