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Stürmerin Abby Wambach spielt seit 2003 für die US-amerikanische Nationalmannschaft © getty

Im brisanten Duell zwischen Nordkorea und USA prallen Welten aufeinander. US-Coach Sundhage gibt sich betont gelassen.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

Dresden - Das Duell zwischen Nordkorea und den USA birgt neben politischer auch sportliche Brisanz:

Am Mittwochabend (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) stehen sich bei der Frauen-WM der unberechenbare Geheimtipp und der Mitfavorit auf den Titel gegenüber.

Gegensätzlicher könnte das Vorrunden-Duell in der Gruppe C nicht sein:

Auf der einen Seite die Nordkoreanerinnen aus der totalitären Diktatur, die sich im Vorfeld abschotten, auf der anderen Seite die schillernden US-Girls aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die offen vom Turniersieg sprechen.

Es prallen zwei Welten aufeinander - und besonders die Asiatinnen bemühen sich bislang nicht, mit dem Klischee zu brechen.

"Sie geben sich geheimnisvoll"

Wie in Quarantäne bereiten sich die Nordkoreanerinnen auf den ersten Einsatz vor. Termine abseits des Sportplatzes ignorierten sie brüsk, trainierten unter Ausschluss der Öffentlichkeit, bewacht von einer privaten Sicherheitsfirma.

"Sie geben sich gerne geheimnisvoll", meint Abby Wambach, Sturmstar der USA. Nordkoreas Coach Kim Kwan Min verteidigt das öffentlichkeitsscheue Auftreten. "Konzentration wird bei dieser Endrunde noch eine entscheidende Rolle spielen", sagt er.

Diszipliniertes Kollektiv gegen Starensemble

Auch in taktischer Hinsicht wird das Aufeinandertreffen ein Kampf der Systeme: Bei den Asiatinnen steht das Kollektiv im Vordergrund.

Als äußerst diszipliniert und laufstark gilt das junge Team. Neben einer ausgefeilten Defensivstrategie setzt Trainer Kim Kwan Min auf überfallartiges Konterspiel.

Bei den Amerikanerinnen sollen es hingegen die Stars richten, allen voran Wambach.

Die 31-jährige gilt als eine der besten Offensivspielerinnen der Welt. In 157 Länderspielen traf sie 118 Mal. Gegen die klein gewachsenen Gegnerinnen könnte besonders ihre Kopfballstärke zur Geltung kommen.

Neben Wambach stehen die dribbelstarke Flügelspielerin Heather O'Reilly sowie die Defensivstrateginnen Ali Krieger und Christie Rampone im Blickpunkt.

Krieger war bis März für Frankfurt aktiv, die 36-jährige Kapitänin Rampone ist die einzige, die beim letzten WM-Sieg der USA 1999 bereits dabei war.

"Nervös? Ja, aber auf positive Weise"

Damit es nach zwölf Jahren Durststrecke endlich mit dem dritten Titelgewinn klappt, hat Trainerin Pia Sundhage dem Team in den vergangen Jahren ein europäischeres Spielkorsett verpasst, das auf Ballbesitz und variablem Passspiel beruht.

Die vergangen Monate verliefen allerdings alles andere als wunschgemäß für die Weltranglisten-Ersten aus den USA (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Seit November musste die erfolgsverwöhnte Truppe drei Niederlagen einstecken. Im letzten Test unterlagen die Amerikanerinnen Norwegen mit 1:3.

Trainerin Sundhage gibt sich trotz der verpatzten Vorbereitung betont optimistisch: "Das Team ist bereit, ich mache mir keine Sorgen", sagt die 51-Jährige Schwedin. Zwar sei sie nervös, "aber auf positive Weise".

Yong Yun ist zuversichtlich

Schwer einzuschätzen ist auch der Leistungsstand von Gegner Nordkorea.

Der dreimalige Asienmeister unterlag Deutschland mit 0:2, anschließend putzten die Asiatinnen bei einem geheimen Test in Halle die englische Auswahl mit 3:0. Spielmacherin Yong Yun, gibt sich zuversichtlich.

"Wir sind zu einer starken Einheit zusammengewachsen und sehr optimistisch, weil wir gut vorbereitet sind", erklärte die 24-jährige Kapitänin.

Viertes Duell bei einer WM

Es ist das vierte Mal, dass die beiden Länder bei einer Vorrunde der Frauen-WM aufeinandertreffen. Zweimal siegten die USA mit 3:0, einmal trennten sich die Teams 2:2. Auch dieser Tage in Dresden standen sich die Spielerinnen schon gegenüber: Denn beide Teams residieren im gleichen Hotel.

Näher gekommen sind sich die Rivalen trotzdem nicht. "Wir wissen fast nichts über sie", räumt Wambach ein.

Das wird sich am Dienstagabend ändern - spätestens beim obligatorischen Handshake nach dem Abpfiff durch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus.

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