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Jubel und Verzweiflung: Rachel Buehler erzielt das 2:0 für die USA © getty

Gegen Nordkorea tun sich die Amerikanerinnen lange schwer, bis Cheney den Bann bricht. Buehler macht den Sack zu.

Von der Frauen-WM berichtet Andreas Messmer

Dresden - Mitfavorit USA hat einen Traumstart ins WM-Turnier der Frauen hingelegt.

Mit 2:0 (0:0) besiegte das Team von Trainerin Pia Sundhage in Dresden die als Geheimtipp gehandelte Nationalmannschaft Nordkoreas nach einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit.

Lauren Cheney netzte in der 54. Minute zur Führung ein, Rachel Buehler sorgte in der 76. Minute für die Vorentscheidung. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Durch den Erfolg im sportlich und politisch brisanten Duell gegen die Asiatinnen setzten sich die US-Girls punktgleich mit den Schwedinnen, die bereits am Nachmittag Kolumbien 1:0 besiegt hatten (Spielbericht), an die Spitze der Gruppe C.

Min-Kwang macht Blitzeinschlag für Niederlage verantwortlich

"Wir haben einen guten Start hingelegt. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, dass die Mannschaft gestärkt aus der Kabine kam", sagte US-Trainerin Pia Sundhage.

Nordkoreas Nationaltrainer Kim Min-Kwang erstaunte dagegen die versammelten Journalistennicht schlecht.

Ein Blitzeinschlag während der Vorbereitung auf die Frauenfußball-WM sei Ursache für die Niederlage gegen den politischen Erzfeind gewesen, erklärte der Coach: "Vor unserem Abflug hat es einen Unfall gegeben. Bei einem Testspiel am 8. Juni ist auf dem Platz ein Blitz eingeschlagen. Dabei haben sich einige Spielerinnen verletzt."

"Ärzte waren der Meinung, die Frauen sollten nicht spielen"

Seinem Team habe daher gegen die USA am Ende die Kraft gefehlt, so Kim Min-Kwang weiter: "Die betroffenen Spielerinnen mussten in ein Krankenaus gebracht werden. Die Ärzte waren der Meinung, dass diese Frauen nicht in Deutschland spielen sollten. Sie haben es doch getan", sagte der Coach zu dem Einbruch nach der Pause.

Sundhage zeigte sich von der Nachricht überrascht. "Davon hören wir das erste Mal", sagte die Schwedin.

[kaltura id="0_cmtspom0" class="full_size" title="Kein Spaziergang zum Titel"]

USA beginnen engagiert

Bei hochsommerlichen Temperaturen im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion sahen die 21.859 Zuschauer zu Beginn eine zerfahrene Partie.

Die favorisierten US-Amerikanerinnen begannen engagiert, leisteten sich aber viele Fehler im Aufbauspiel. Die Asiatinnen beschränkten sich anfangs auf Defensivarbeit und gelegentliche Konter über die agile Un Sim Ra auf dem rechten Flügel.

Nach zehn Minuten tauchten die US-Stars erstmals gefährlich vor dem Tor von Myong Hui Hong auf. Christie Rampone drosch einen Freistoß aus dem linken Halbfeld in den Strafraum, Carli Lloyd drückte den Ball per Kopf aufs Tor, doch Keeperin Hong war auf dem Posten.

Knapp zwei Minuten später knallte Lauren Cheney den Ball aus 20 Metern mittig aufs Tor, wieder blieb Hong Siegerin. In der 22. Minute scheiterte die US-Mittelfeldspielerin erneut mit einem satten Schuss vom rechten Strafraumeck.

Nordkorea dreht vor der Pause auf

Es dauerte bis zur 35. Minute, ehe Nordkorea zur ersten guten Möglichkeit kam: Die US-Amerikanerinnen vertändelten im eigenen Strafraum leichtfertig den Ball, Su Gyong Kim zog von rechts aus spitzem Winkel ab. Doch US-Keeperin Hope Solo lenkte den Ball gerade noch um den Pfosten.

In der Folge gaben die Nordkoreanerinnen ihre Defensivtaktik auf und deckten die Geschwindigkeitsdefizite der US-Viererkette mit schnellen Vorstößen über die Flügel gnadenlos auf. Besonders Le Peilbet und und Buehler hatten ihre liebe Mühe mit den flinken Gegnerinnen.

Un Sin Ra zirkelte den Ball in der 42. Minute knapp am linken Kreuzeck vorbei. Yun Mi Jo scheiterte nur eine Minute später aus kurzer Distanz an Hope.

Cheney trifft zur Führung

Die US-Spielerinnen kamen besser geordnet aus der Halbzeit und erspielten sich eine ganze Reihe guter Möglichkeiten. Erst zielte Cheney aus rund 17 Metern zu ungenau (47.), anschließend setzten Shannon Box und Abby Wambach bei ihren Abschlüssen zu hoch an.

In der 54. erlöste dann Cheney ihr Team: Wambach dribbelte sich klasse auf links frei, flankte butterweich an den Fünfer und Cheney köpfte die Kugel unbedrängt gegen die Laufrichtung von Hong ins lange Eck.

Ri trifft die Latte

Die US-Girls hatten die Arme kaum wieder vom Torjubel gesenkt, da sorgte Ye Gyong Ri für die nächste Schrecksekunde auf den mit tausenden USA-Fans gefüllten Rängen. Aus gut 20 Metern zimmerte die Nordkoreanerin den Ball an die Querlatte (55.). In der Folge bestimmten aber wieder die USA das Geschehen.

In der 64. Minute verpasste Wambach nach einem Stellungsfehler von Jong per Kopf den zweiten US-Treffer, weil Hong den Ball mit einem Reflex noch an die Querlatte lenkte. In der 73. Minute schlänzte Rodriguez den Ball nur hauchzart am linken Winkel vorbei.

Buehler mit der Entscheidung

Besser machte es Buehler vier Minuten später: Die Verteidigerin nutzte die Verwirrung in der gegnerischen Abwehr und versenkte den Ball links unten im Toreck - die Entscheidung.

Die USA können nach dem Auftakterfolg bereits am Samstagabend gegen Kolumbien den Viertelfinaleinzug perfekt machen.

Nordkorea tritt bereits am Samstagnachmittag gegen Schweden an und steht unter Zugzwang.

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