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DB Schülerreporter Maximilian Zerfaß im Einsatz auf der Pressetribüne © getty

Der Umgang mit dem Klassenfeind: DB Schülerreporter Max Zerfaß hat bei USA vs. Nordkorea bezeichnende Szenen beobachtet.

Von DB Schülerreporter Maximilian Zerfaß

Dresden - Vorhang auf zur Pressekonferenz der anderen Art:

Es ist Dienstagabend, kurz nach halb neun. Vor wenigen Minuten haben die USA im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion einen Traumstart ins WM-Turnier hingelegt. Im Duell mit Klassenfeind Nordkorea gewannen die Schützlinge von Pia Sundhage 2:0.

Zuerst sind bei der PK aber die Verlierer an der Reihe. Die Medienvertreter drängen sich an den Wänden des engen Raumes, alle hoffen auf ein Ende des nordkoreanischen Schweigens.

Vom Blitz getroffen

Mit ausdrucksloser Mimik betritt Nordkoreas Coach Kim Kwang-Min das Podium.

Einen Grund für die Niederlage seiner Mannschaft findet der Trainer schnell: Kurz vor der WM sei es zu einem Unfall gekommen, bei dem einige Spielerinnen vom Blitz getroffen wurden. Ein Raunen erfüllt den Saal, manch einem Reporter erscheint die Geschichte doch sehr kurios.

Nach zehn Minuten ist der Auftritt zu Ende. Die Journalisten bedanken sich für Kabarett der Spitzenklasse.

Sundhage spricht vom Titel

Augenblicke später dann der zweite Akt: Bühne frei für das Team USA. Pia Sundhage betritt lächelnd das Podium.

Das Ergebnis habe sie nicht überrascht, erklärt die schwedische Trainerin der USA, immerhin habe hier der kommende Weltmeister gespielt. Dabei hatte ihre Mannschaft zumindest in Hälfte eins überhaupt nicht überzeugt. Amerikanisches Selbstbewusstsein nennt man das wohl.

Was Sundhage zur Blitz-Geschichte des gegnerischen Trainers meint? "Kein Kommentar!"

Buehler: "Es ist verwunderlich"

Bereits kurz nach Abpfiff des Spiels war deutlich geworden, wie seltsam das Verhältnis der Sportlerinnen aus den verfeindeten Ländern ist. Das respektvolle Abklatschen mit dem Kontrahenten gehört eigentlich zum Fußball wie die Butter zum Brot.

Doch keine der Nordkoreanerinnen ging hin, um den siegreichen Gegnerinnen die Hand zu schütteln. "Handshake? Daran erinnere ich mich nicht", sagte US-Stürmerin Lauren Cheney später ausweichend. Während die US-Girls nach dem Schlusspfiff strahlend Ehrenrunden drehten, verneigten sich die Koreanerinnen und verschwanden anschließend sofort in den Katakomben. US-Verteidigerin

Rachel Buehler war überrascht: "Es ist verwunderlich weil der Handshake eigentlich eine obligatorische Geste ist". Eine Geste, die passend zu diesem Aufeinandertreffen fehlte.

"Uns ist egal, wer über oder unter uns schläft"

Schon im Vorfeld der politisch wie sportlich brisanten Partie waren sich die Spielerinnen aus dem Weg gegangen - obwohl beide Teams im selben Hotel einquartiert waren.

Bei der Pressekonferenz brachte Abby Wambach die Sache auf den Punkt: "Uns ist es egal wer im Stock über oder unter uns im Hotel schläft. Das ist die WM und bei uns glauben alle an den Titel". Worte, die zeigen, welches Selbstverständnis das US-Team hat.

Gelebter Patriotismus

Aaron Heifetz gab diesem Selbstbewusstsein bereits während der Partie ein Gesicht. "Come on!", hallte es schon während der Partie im Minutentakt über die Pressetribüne. Jede Aktion auf dem Feld kommentierte er, streute auch manch unschönes Wort ein. Aaron war in seinem Element.

Heifetz ist der Pressechef der US-Mannschaft, er dokumentiert während der WM die Partien der US-Girls für die anschließende Pressekonferenz. Er lebt den amerikanischen Patriotismus, den manch einer für ein Vorurteil hält. "Als Amerikaner muss man einfach mit dem Team mit fiebern", meint er.

Während das US-Team nach dem Auftaktsieg im Siegestaumel schwelgte, hielt Nordkoreas Trainer sozialistischen Eifer dagegen: "Meine Spielerinnen", betonte Kim Kwang-Min, "werden in den nächsten Spielen mit Willen antworten, der größer ist als der von normalen Menschen."

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