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Der brasilianischen Nationalmannschaft blieb der WM-Titel bisher verwehrt © getty

Nach dem Auftaktsieg gegen Australien feiert die Weltfußballerin mit Trommelwirbel. Ihr Trainer überrascht mit einer Vorliebe.

Von der Frauen-WM berichten Mathias Frohnapfel und Andreas Messmer

Mönchengladbach - Die Reporter im Stadionbauch des Borussia-Parks hatte Marta schneller um die Finger gewickelt als zuvor ihre Gegenspielerinnen aus Australien.

Tanzend, singend und mit einer kleinen Timba-Trommel war sie mit ihren Mitspielerinnen in die Mixed-Zone eingezogen und pries gleich die deutschen WM-Gastgeber.

"Es ist ein sehr schönes Stadion mit einer tollen Atmosphäre", sagte Brasiliens Superstar nach dem 1:0-Auftaktsieg (Spielbericht). Und die Weltfußballerin gab zu: "Das war harte Arbeit und auch ein glücklicher Sieg".

Ohne Glanz und Gloria hatten die Canarinhas gegen den Asien-Meister gewonnen und ein weiteres Mal gezeigt, wie abhängig ihr Spiel von der Spitzentechnikerin auf dem linken Flügel ist.

Vor allem die robuste Gangart der Australierinnen machte Martas Team zu schaffen und die eigene Abwehr wirkte nicht immer perfekt justiert.

Ballmagnet als Vorbereiterin

Die "Aussies" hatten sich ihrerseits auf Brasiliens Ausnahmetalent eingestellt, so dass Coach Tom Sermanni nach der Partie gar eigens betont: "Wir haben effektiv gegen Marta verteidigt."

Doch ganz zu stoppen war der 1,62 Meter große Ballmagnet nicht, so leichtfüßig und gewandt spazierte Marta in manchen Szenen mit dem Ball über die Außenseite. Wunderschön bereitete die Torschützenkönigin der vergangenen beiden olympischen Fußballturniere zwei Großchancen vor der Pause vor.

Den Siegtreffer erzielte aber Rosana (54.), nachdem kurz zuvor Marta am Tor vorbei geköpft hatte.

Alles dreht sich um "Pele im Rock"

Dass daraufhin einmal nicht sie, sondern eine Teamkollegin zur "Spielerin des Spiels" ernannt wurde, dürfte Marta als wohltuend empfunden haben.

Denn Brasilien ist in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem Marta, die in ihrer Heimat ehrfürchtig "Pele im Rock" genannt wird (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

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Immer im Blickpunkt zu stehen und hofiert zu werden, dieses Gefühl kennt Marta seit Jahren. Kaum ein Marketingtermin vergeht bei Martas aktuellem Klub Western New York Flash in der US-Profiliga WPS ohne das charmante Lächeln der 25-Jährigen.

"Wir sind zu elft auf dem Platz"

"Es ist sehr schön, dass mir so viel Anerkennung geschenkt wird, aber wir sind zu elft auf dem Platz", kommentierte Marta in Mönchengladbach die Dauerberichterstattung und setzte einen frommen Wunsch hinzu.

Sie hoffe, "dass auch die anderen zehn Mitspielerinnen dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommen und glänzen können."

Dabei scheint die Öffentlichkeit genauer über die aktuelle Farbe von Martas Fußnägeln (blau) informiert zu sein als über Brasiliens Abwehrsystem (tatsächlich noch mit Libera und zwei Vorstopperinnen).

"Nicht zu wild feiern"

Auf Portugiesisch beantwortete Marta geduldig alle Fragen, die ein Dolmetscher flink übersetzte.

Nach dem Auftaktsieg in der Gruppe D darf laut Marta durchaus gefeiert werden, "aber nicht zu wild. Denn wir haben gegen Norwegen schon das nächste schwere Spiel vor uns."

[kaltura id="0_cmtspom0" class="full_size" title="Kein Spaziergang zum Titel"]

Schon vor dem Match hatten sich die Brasilianerinnen wie eine Party-Combo trommelnd und tanzend eingestimmt.

"Zweiter Platz zählt nicht viel"

Klares Ziel ist für Marta nach der Finalniederlage 2007, als sie obendrein noch einen Elfmeter gegen Deutschland verschoss, der WM-Pokal.

"In Brasilien zählt der zweite Platz leider nicht viel, deshalb hoffe ich, dass wir diesmal Weltmeister werden", sagte die Stürmerin schon vor dem Turnier.

Sollten Brasilien und Deutschland jeweils Gruppenerster werden, können sie erst im Finale aufeinander treffen.

Lieber ohne Viererkette

Brasiliens Trainer Kleiton Lima überraschte indes mit der Begründung, warum er - ganz Freund der alten Fußballschule - auf eine Viererkette verzichte.

"Es ist schwierig gute Außenverteidigerinnen zu finden, die schnell nach vorne und hinten arbeiten." Daher sei im 3-4-3-System mit Libera das eigene Tor so besser abgesichert.

Auf SPORT1-Nachfrage zog er auch eine erste Bilanz, nachdem in allen Gruppen nun der erste Spieltag absolviert ist.

"Der Frauenfußball hat sich enorm entwickelt, die Unterschiede zwischen den Team sind kleiner geworden, deshalb fallen auch weniger Tore", sage er und fügte mit einem Lächeln an: "Es ist glamourös, wie die WM in Deutschland organisiert ist. Man merkt, die Deutschen lieben den Frauenfußball."

Alle sollen für Marta spielen

Die weibliche Selecao spielte in Mönchengladbach vor 27.258 Zuschauer, in Brasilien existiert nicht einmal eine landesweite Frauenliga.

Und natürlich beantwortete Lima auch die Frage nach der Abhängigkeit von Marta. "Wir wissen, dass wir mit Marta eine Waffe haben, die kein anderes Team hat. Wir werden alles tun, um sie zu nutzen."

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