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Nia Künzer schoss das entscheidende Tor im WM-Finale 2003 © getty

Gegen Nigeria muss die deutsche Defensive einiges besser machen als im Eröffnungsspiel. Nia Künzer analysiert die Viererkette.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Ihr Golden Goal gegen Schweden im WM-Finale 2003 hat Nia Künzer berühmt gemacht.

Doch die Verteidigerin sammelte auch mit dem 1. FFC Frankfurt zig Trophäen, wurde siebenmal deutsche Meisterin und gewann dreimal den UEFA-Cup, ehe sie 2008 ihre Karriere beendete.

Die frühere Defensivspezialistin vertraut der deutschen Viererkette trotz einiger Schwächen beim 2:1-Sieg gegen Kanada. (Nachbericht)

Die nächste Härteprobe wartet gegen die physisch extrem starken und wie Bundestrainer Silvia Neid sagt "pfeilschnellen" Nigerianerinnen in Frankfurt (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Das Potenzial ist da, "Weltmeister zu werden"

"Ich glaube, dass die Mannschaft und auch die Abwehr das Potenzial haben, Weltmeister zu werden", sagt Künzer im Gespräch mit SPORT1. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Bei Innenverteidigerin Annike Krahn sieht sie aber Steigerungspotenzial.

"Ich habe in den Vorbereitungsspielen gesagt, Annike macht für mich nicht den sichersten Eindruck, aber ich kenne sie, sie kämpft sich in jedes Turnier rein", erklärt Künzer.

Kämpfernatur Krahn gefordert

In den vier siegreichen Testspielen blieb die deutsche Abwehr zwar ohne Gegentreffer, war aber nur selten in Gefahr. Gegen den Weltranglisten-Sechsten Kanada sah das zeitweise anders aus.

Künzer ist aber überzeugt, dass Krahn "über ihre kämpferische Leistung einiges rausholen" kann. Allerdings habe die Duisburgerin, die im vergangenen August einen Kreuzbandriss erlitt, im Spielaufbau weiterhin Schwächen.

Die Viererkette steht

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Änderungen in der Abwehrformation erwartet die frühere Nationalspielerin dennoch nicht. "Wenn die Bundestrainerin sich für die Viererkette entscheidet, wird sie dabei bleiben, wenn keine Katastrophen passieren", meint Künzer.

Aus eigener Erfahrung weiß die 31-Jährige, dass eine Defensivreihe im Verlauf eines Turniers immer besser zusammenwachse.

Viel Zeit bleibt den deutschen Abwehrspielerinnen allerdings nicht, spätestens im letzten Gruppenspiel gegen die starken Französinnen sollte vor dem eigenen Strafraum Zement angerührt werden.

Und schon gegen den Weltranglisten-27. Nigeria müssen die ersten Makel beseitigt werden. (Nigerias technischer Berater Thomas Obliers im SPORT1-Interview)

[kaltura id="0_cmtspom0" class="full_size" title=" Kein Spaziergang zum Titel "]

Bartusiak hofft auf Unterstützung

"Wir wollen nicht mehr so tief stehen", gibt sich Saskia Bartusiak auf SPORT1-Nachfrage selbstkritisch. "Es ist richtig, dass tendenziell die Abstände zwischen Viererkette und Mittelfeld zu groß wurden und wir nicht mehr richtig in die Zweikämpfe reinkamen", fügt sie hinzu.

Letztlich hätten die Kanadierinnen zu viel Raum gehabt, um das Spiel zu machen.

Und Bartusiak formuliert zugleich eine Hilfsanforderung an das Duo im defensiven Mittelfeld Simone Laudehr und Kim Kulig: "Wir wollen als Mannschaft enger zusammen stehen und uns in den Situationen gegenseitig helfen."

Gegen den Vorwurf, dass es bisweilen am sicheren Spielaufbau aus der Abwehrzentrale hapere, wehrt sie sich.

"Was heißt: Auf mir lastet der Druck? Wir sind alle in der Viererkette für den Spielaufbau zuständig", sagt die Frankfurterin. 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Neid: Ein großes Loch im Mittelfeld

Bundestrainerin Neid sieht ebenfalls die ganze Mannschaft gefordert.

"Wir hatten ein großes Loch im Mittelfeld, die Mannschaft war nicht kompakt genug. Wir haben zudem zu schnell die Bälle verloren und mussten oft hinterherrennen", lautete ihre Analyse.

Ein positiver Effekt?

Und Außenverteidigerin Linda Bresonik ist über die aufkommende Diskussion um die Abwehrarbeit gar nicht mal verärgert, schließlich schärfe das die Sinne.

"Vorbereitungsspiele sind Vorbereitungsspiele. Endlich hat man gesehen, dass die WM kein Spaziergang wird, wie es vorher immer hieß", meint sie.

Torhüterin Nadine Angerer lässt so oder so nichts auf ihre Vorderleute kommen. "Wir haben eine clevere Abwehr und wissen, was wir besser machen können", formuliert sie positiv.

In Frankfurt muss diese Lernfähigkeit zum ersten Mal demonstriert werden.

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