Dass Nigerias Trainerin bei der WM offen gegen homosexuelle Spielerinnen hetzen darf, wirft erneut ein schlechtes Licht auf die FIFA.

Jetzt hat Torsten Frings also doch noch ein Fleckchen gefunden, an dem er seine respektable Profi-Karriere einigermaßen unbelastet ausklingen lassen kann. Beim FC Toronto heuert der 34-Jährige Ex-Bremer, der sich die letzten 14 Jahre durch die Stadien der Bundesliga grummelte, bis 2013 an.

Vermittelt hat ihn ein Berater des kanadischen MLS-Klubs, der auch für immer mit der dunkelsten Stunde in Frings' Karriere verbunden ist: Jürgen Klinsmann.

Unter dem ehemaligen Bundestrainer war es, als Frings bei der Heim-WM 2006 wegen der Beteiligung an der Rangelei nach dem Viertelfinale gegen Argentinien für das Halbfinale gegen Italien gesperrt wurde.

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Machtlos musste er zuschauen, wie der Traum des DFB-Teams vom vierten WM-Titel zerplatzte - eine harte Strafe der FIFA für die Beteiligung an einem Rumgeschubse zwischen Frustrierten und Euphorisierten.

Doch bei Rudelbildung versteht die FIFA keinen Spaß. Der Weltverband der angeblichen Weltverbesserer betont gerne, oft und pathetisch die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs und appelliert an die Vorbildfunktion seiner Spieler.

Kommen die dieser nicht nach, drohen Sperren, ob es sich nun um Tätlichkeiten, wie bei Frings, oder um Schiedsrichter-Schelten von Trainern handelt.

So weit so gut. Doch das unwürdige Schauspiel, dass die Trainerin der nigerianischen Frauen-Nationalmannschaft, Eucharia Uche, momentan bei der WM in Deutschland aufführt, zeigt, dass die FIFA auf dem anderen Auge offensichtlich blind ist.

Ganz offen plauderte Uche über ihre Abneigung gegen homosexuelle Spielerinnen und verstieg sich zu der Formulierung: "Es gibt keine lesbischen Spielerinnen mehr in meinem Team. Ich kann diese dreckige Lebensweise nicht tolerieren." (BERICHT: Uche mit Voodoo gegen Homosexualität)

Die erste Reaktion der FIFA? Keine. Die zweite? Ein Statement, in dem die FIFA-Verantwortliche für Frauenfußball, Tatjana Hänni, erklärte, "dass es schön wäre, wenn man sich neutral ausdrückt." (NEWS: FIFA reagiert auf Uche-Äußerungen)

Sie wolle das Gespräch mit Uche suchen, so Hänni weiter, denn: "Die FIFA ist gegen jede Form von Diskriminierung." Andererseits sei es aber auch gut und richtig, dass jede Person eine eigene Meinung und jedes Land eigene Gesetze habe.

Bei dieser wachsweichen Formulierung sieht Eucharia Uche natürlich keinen Grund, irgendeine Form von Einsicht zu zeigen. "Jedes Land hat seine Gesetze und Gebräuche und deshalb weiß ich nicht, warum sich die Leute hier aufregen", sagt sie - und fordert damit genau jene Toleranz ein, die sie den homosexuellen (Ex-)Nationalspielerinnen in ihrem Kader verweigert.

Die FIFA darf Uches Aussagen nicht einfach so hinnehmen, wenn es ihr mit der Rolle als gesellschaftliche Instanz ernst ist. Bei der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung hat die Toleranz eine Grenze erreicht.

Vergleicht man das "Vergehen" eines Torsten Frings und die dafür ausgesprochene Strafe mit den Äußerungen einer Eucharia Uche, kann das Strafmaß eigentlich nur lauten, dass die FIFA der nigerianischen Trainerin die Akkreditierung für die WM entzieht.

Aber was will man von einem Weltverband erwarten, dessen Präsident Sepp Blatter auf einer offiziellen Pressekonferenz darüber sinniert, dass Frauen bitteschön nicht zu lange Fußball spielen sollten. Schließlich hätten sie "ab einem gewissen Alter in der Gesellschaft eine andere Funktion als Fußball spielen." Man brauche schließlich auch Fußballer-Nachwuchs.

Weibliche Gebärmaschinen sollen also die Zukunft der FIFA und Gesellschaft retten. Auf dem Gebiet der Gleichberechtigung hat die Altherren-Riege der FIFA in vielen Richtungen noch erheblichen Nachholbedarf.

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