vergrößernverkleinern
Fatmire Bajramaj wechselt nach der WM zum 1. FFC Frankfurt © getty

Die Supertechnikerin ist gegen Nigeria nur Joker, will das aber nutzen. Bundestrainerin Neid fürchtet "Knochen-Polierer".

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Es könnte ein Schützenfest werden vor 48.000 Fans in der pieckepackevollen WM-Arena in Frankfurt.

Zumindest gilt das vor dem Duell Deutschland gegen Nigeria (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) bei einem Blick auf die Papierform: Der amtierende Welt- und Europameister spielt gegen den Weltranglisten-27.

Schaffen die DFB-Frauen nach dem Erfolg über Kanada den zweiten Sieg, stehen sie dank Frankreichs 4:0 (1:0) gegen Kanada (Bericht) sicher im Viertelfinale (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Konditionelle Defizite bei Nigeria

Und schon bei der 0:1-Niederlage gegen Frankreich (Spielbericht) ließen die Westafrikanerinnen in der zweiten Halbzeit konditionell ziemlich nach.

Es dürfte der Zeitpunkt sein, in dem Bundestrainerin Silvia Neid Flügelflitzerin Lira Bajramaj zum Aufwärmen schickt.

Aus der Startelf ist Bajramaj raus, dabei wurde sie im Januar noch durch die engere Auswahl zur Weltfußballerin des Jahres geadelt.

"Ich bin froh, wenn ich reinkomme"

Und auch in der Bundesliga brillierte sie in einer starken Saison beim Meister Turbine Potsdam, doch danach fiel sie in eine Formkrise.

"Ich bin nicht enttäuscht, ich bin froh, wenn ich reinkomme", meint Bajramaj zu ihrer neuen Rolle. Und natürlich entscheide die Trainerin. Was soll die Mittelfeldspielerin auch anderes sagen.

[image id="b8bdb415-6375-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Ihren Kampfgeist hat die Dribblerin, die in guten Tagen jede Abwehr schwindlig spielen kann, nicht verloren: "Ich bin ein ehrgeiziger Typ, will von Anfang an spielen."

"Lira hat im Team ein Problem"

In der zweiten Halbzeit gegen Kanada hatte das deutsche Team gute Möglichkeiten, Bajramaj wurde aber mehr als einmal von ihren Mitspielerinnen auf der linken Seite nicht gesehen.

"Ich glaube, Lira hat im Moment in der Mannschaft ein Problem, das sich in den Wochen zuvor aufgebaut hat", schreibt dazu Bernd Schröder in seiner SPORT1-Kolumne.

Der Potsdamer Erfolgscoach kennt Bajramaj, die nun zum 1. FFC Frankfurt wechselt, aus der gemeinsamen Zeit bestens, weiß, wie es nun in ihr arbeitet. Schließlich wolle sich Lira in den wenigen Einsatzminuten präsentieren, agiere dann aber glücklos.

[kaltura id="0_cmtspom0" class="full_size" title=""Kein Spaziergang zum Titel""]

Dass mit der adretten Spielerin aktuell in zig Aktionen rund um die Heim-WM geworben wird, mindert den Druck natürlich auch nicht 370243(DIASHOW: Lira Bajramajs Karriere).

Neid fürchtet rabiate Gangart

Bundestrainerin Silvia Neid scheint indes ihre Startelf gefunden zu haben, dürfte wie gegen Kanada beginnen, also mit Melanie Behringer auf Bajramajs Position.

Vor der Physis des Gegners zeigt Neid Respekt, zumal dem Afrikameister noch die 0:8-Pleite aus dem bitterkalten November 2010 schmerzen dürfte.

"Die werden uns beim nächsten Mal die Knochen polieren", hatte Neid damals prophezeit. Jetzt ist Nigeria nach der Auftaktpleite zusätzlich im Zugzwang.

Obliers will deutsches Spiel durchkreuzen

"Wenn man die Deutschen ins Spiel kommen lässt, hat man schlechte Karten", kommentiert Thomas Obliers, technischer Berater Nigerias, im SPORT1-Interview. Die Nigerianerinnen dürften also frühzeitig attackieren, versuchen selbst das Kommando zu übernehmen (Thomas Obliers im SPORT1-Interview).

Trainerin Eucharia Uche meint sogar: "Wir haben keinen Druck, den haben die Deutschen." Vor kurzem hatte Uche noch für Wirbel gesorgt, als sie verkündete, lesbische Spieler aus ihrem Team verbannt zu haben (Bericht).

Spielerinnen im Fokus:

Celia Okoyino da Mbabi (Deutschland): Die 23-Jährige ist in starker Verfassung, traf gegen Kanada und machte in der Offensive mächtig Betrieb. Neid lobte daher: "Sie ist lauffreudig, torgefährlich, hat einen guten Schuss und ist zweikampfstark. Im Moment ist sie sehr wichtig für uns."

Im Spiel gegen Nigeria dürfte erneut besonders ihr Zusammenspiel mit der nicht mehr unumstrittenen Sturmlegende Birgit Prinz begutachtet werden (BERICHT: Wie lange währt die Prinz? Schutzfrist?).

Precious Dede (Nigeria): Auf Nigerias Torfrau dürfte einige Arbeit zukommen, doch die 31-Jährige gilt als die beste Keeperin Afrikas, hat auch mit hohen Bällen keine Probleme und zeigt gute Reflexe. Dede ist Nigerias Spielführerin und träumt von einer Schauspiel-Karriere nach ihrer Fußballer-Laufbahn.

Die Bilanz aus deutscher Sicht:

Bei allen bislang sechs Duellen ging die DFB-Auswahl als Sieger vom Platz, die Bilanz von 21:2 Toren ist deutlich.

Das sagen die Trainerinnen:

Silvia Neid (Deutschland): "Die Nigerianerinnen haben sich weiterentwickelt, stehen aber nach der Auftakt-Niederlage unter Zugzwang. Das macht unsere Aufgabe nicht leichter."

Eucharia Uche (Nigeria): "Die Stimmung ist normal, die Mannschaft ist bereit. Kein Team kann nicht geschlagen werden."

Die Aufstellungen:

Deutschland: Angerer - Bresonik, Krahn, Bartusiak, Peter - Laudehr, Kulig - Garefrekes, Okoyino da Mbabi, Behringer - Prinz.

Nigeria: Nigeria: Dede - Ikidi, Ohale, Ebi, Ukaonu - Michael, Chikwelu - Mbachu, Orji - Nkwocha - Oparanozie.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel