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Kim Kulig und Co. bekamen von den Nigerianierinnen auf die Socken © getty

Das Frauen-Nationalteam quält sich ins WM-Viertelfinale. Die Schiedsrichterin bekommt Schelte, Birgit Prinz ist stinksauer.

Vom Frauen-Nationalteam berichten Mathias Frohnapfel und Andreas Messmer

Frankfurt/Main - Die gerahmte Urkunde trug Pressesprecher Niels Barnhofer für sie voraus. Quasi wie einen Banner. "Player of the match" stand darauf und Annike Krahn hatte sich die Auszeichnung redlich verdient.

Beim hart umkämpften 1:0-Sieg über Nigeria (Spielbericht) war die deutsche Nationalspielerin mit Furor in die Zweikämpfe gegangen, hatte sich regelrecht ins Spiel hineingebissen.

Richtig zufrieden war die Innenverteidigerin trotz des vorzeitig erreichten Viertelfinals und der Auszeichnung als Spielerin des Spiels dennoch nicht (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Das ein oder andere hier hatte nichts mehr mit Fußball zu tun, sondern mit Ringkampf", wetterte sie am späten Donnerstagabend in Richtung der nigerianischen Gegenspielerinnen.

Bänderdehnung bei Behringer

Die hatten ihren erkennbaren Vorsatz, das deutsche Spiel zu zerstören, allzu oft ziemlich rustikal in die Tat umgesetzt. "Es liegt an der Schiedsrichterin das zu unterbinden, aber wir haben letztlich 1:0 gewonnen", meinte Krahn, die in voller Montur im Stadionbauch die Fragen beantwortete.

Tatsächlich ließ Referee Cha Sung Mi (Südkorea) viel zu viele Aktionen laufen, selbst als Melanie Behringer nach einem überharten Zweikampf vom Feld musste, änderte sie ihre Linie nicht.

Behringer musste noch während der Partie ins Krankenhaus, die Mittelfeldspielerin zog sich eine Bänderdehnung im Sprunggelenk zu (424702DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Da gibt es noch Steigerungsbedarf"

Die deutschen Nationalspielerinnen wussten aber, dass sie sich die schwächste erste Halbzeit in diesem Jahr selbst zuzuschreiben hatten. "Wir haben nicht alles abgerufen, was wir können. Da gibt es noch Steigerungsbedarf", stellte Krahn selbstkritisch fest.

Silvia Neid sah das zwangsläufig genauso. "Im Spiel nach vorne haben wir noch viel zu tun", kommentierte die Bundestrainerin. Folgerichtig entschied ein Treffer von Simone Laudehr mitten aus dem Strafraumgewühl heraus die Partie.

Fast schon hellseherisch hatte Neid nach dem 8:0-Testspielsieg über Nigeria im November 2010 gesagt: "Die werden uns beim nächsten Mal die Knochen polieren". Das tat der Afrikameister zumeist auch ungestraft.

"Sie hat uns etwas verpfiffen"

"Die Schiedsrichterin hat das Spiel etwas verpfiffen", schimpfte Neid, die sich gemeinhin mit Kommentaren zur Leistung der Unparteiischen fein zurückhält. Auch Kim Kulig dürfte auf Facebook gewiss die Schiedsrichterin aus Südkoreaner bei einer Freundschaftsanfrage nicht bestätigen.

Besonders die Verwarnung fuchste die Mittelfeldspielerin. "Ich ärger mich schon, das war mein erstes Foul und die Schiedsrichterin zieht gleich Gelb!", sagte sie im Gespräch mit SPORT1. "Aber was will man machen, das muss man so hinnehmen. Mich bringt das auch nicht aus der Ruhe."

Allerdings nehmen jetzt sowohl sie als auch Laudehr, die bereits gegen Kanada verwarnt wurde, die Gelbe Karte mit ins Frankreich-Spiel. Ein weiteres Mal Gelb und sie wären fürs Viertelfinale gesperrt.

Endspiel um Platz 1

Eine richtige Erklärung für das ziemlich unkoordinierte deutsche Auftreten hatte die Mittelfeld-Abräumerin nicht, die 21-Jährige betonte stattdessen in ihrer ersten Analyse das "zweikampfbetonte Spiel".

Die wütenden Reaktionen der 48.817 Zuschauer in der Frankfurter WM-Arena erhöhten die Betriebstemperatur mit jedem Foulspiel auf dem Rasen zusätzlich.

In der Gruppe A kommt es nun am Dienstag zum Endspiel um Gruppenplatz 1, auf dem aktuell Frankreich steht. Die Französinnen haben ebenfalls beide Partien gegen Kanada und Nigeria gewonnen, aber das bessere Torverhältnis.

"Von mir aus können die Journalisten jetzt gerne Frankreich als Favoriten bezeichnen", sagte Kulig und schickte gleich eine Kampfansage an das Team von Bruno Bini hinterher: "Das Viertelfinale war unser erstes Ziel, jetzt wollen wir Gruppenerster werden."

Laudehr überzeugt, Prinz enttäuscht

Damit dies gelingt, ist auch Simone Laudehr als Dirigentin im Mittelfeld gefragt. Die Duisburger Spielerin wurde nach ihrem Siegtreffer von einer wilden Jubel-Kombo auf dem Platz gefeiert und berichtete, dass ihr "ein Stein" vom Herzen gefallen sei (Interview mit Simone Laudehr).

Laudehr regte sich aber nicht nur über die rustikalen Rivalinnen auf, sondern gab zu: "Wir haben auch mal selbst richtig dazwischengehauen." Birgit Prinz hatte dazu allerdings wenig Gelegenheit.

Wie schon gegen Kanada wirkte die Spielführerin trotz allen Rackerns bisweilen wie ein Fremdkörper. Und als sie in der 50. Minute gegen Inka Grings ausgewechselt wurde, warf sie die Kapitänsbinde Linda Bresonik vor die Füße 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader).

Eine bezeichnende Geste. Im Stadionbauch marschierte Prinz erst an den meisten Journalisten vorbei, ehe sie sich doch zu einem Statement durchrang.

"Glücklich war ich nicht, aber das ist man auch nicht, wenn man nach 50 Minuten ausgewechselt wird", sagte sie. "Wir haben relativ wenig Fußball gespielt und uns wenige Torchancen erarbeitet. Das fand ich enttäuschend."

Wie das gesamte Team muss auch die Rekordnationalspielerin sich gegen Frankreich enorm steigern, damit der Gruppensieg nicht Wunschvorstellung bleibt.

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