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Simone Laudehr (r., mit Alexandra Popp) spielt in der Bundesliga für Duisburg © imago

Simone Laudehr spricht im Interview über die rustikale Gangart Nigerias, die Gelb-Hypothek der Doppelsechs und das Frankreich-Spiel.

Von der Frauen-WM berichten Andreas Messmer und Mathias Frohnapfel

Frankfurt am Main - Die Wut hatte sich angestaut, Minute für Minute im Spiel gegen Nigeria (Bericht).

In der 54. Minute fand Simone Laudehr dann endlich das Ventil: Nachdem sie den Ball zum 1:0 in die Maschen gedroschen hatte, rutschte die Mittelfeldspielerin auf Knien über den Rasen und schrie sich unter dem Jubel ihrer Mitspielerinnen den Frust von der Seele. 424634(DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik)

Es war das entscheidende Tor gegen die Afrikanerinnen, die Erlösung in einem Duell, das an die Substanz ging. 424702(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Die Nigerianerinnen waren gegen die DFB-Frauen rustikal eingestiegen, hatten keinerlei Rücksicht auf die Gesundheit der Gegnerinnen genommen. "Solche Dinge", betonte Laudehr anschließend gegenüber SPORT1, "gehen überhaupt nicht."

Im Interview spricht die 24-Jährige über den mühsam erkämpften 1:0-Sieg , die Gelb-Hypothek der Doppelsechs und das Duell um den Gruppensieg gegen Frankreich.

Frage: Frau Laudehr, wie haben Sie die Begegnung erlebt?

Simone Laudehr: Es war ein schweres Spiel, es ging sehr auf die Knochen. Wir haben es nicht geschafft, öfter die Seiten zu wechseln, um die Mannschaftsverbunde des Gegners aufzureißen und dadurch Lücken zu schaffen.

Frage: Haben Sie erwartet, dass die Nigerianerinnen eine so grobe Gangart anschlagen? (REAKTIONEN: Stimmen zum Spiel)

Laudehr: Das wussten wir schon vorher. Es ist eine Mannschaft, die immer sehr hart spielt. Es waren einige Aktionen dabei, die nicht sehr fair waren wie beispielsweise das Foul an Melanie Behringer. Solche Sachen gehen überhaupt nicht. Wir haben aber gut dagegen gehalten und in einigen Szenen gezeigt, dass es so nicht weitergeht. Da haben wir auch selbst mal richtig dazwischengehauen.

Frage: Wie haben Sie die Szene erlebt, die zum Tor führte?

Laudehr: Es gab einen Tumult, der Ball lag dann plötzlich vor meinen Füßen. Ich stand sehr frei, konnte nochmals schauen, wo die Torhüterin steht. Als der Ball dann drin war, ist mir und allen anderen ein Stein vom Herzen gefallen.

Frage: Wäre "Ringkampf" im Nachhinein die bessere Bezeichnung für das Spiel?

Laudehr: Beide Mannschaften haben nicht locker gelassen und um jeden Ball gefightet. Es waren sehr hart umkämpfte 90 Minuten.

Frage: Das Team hat gezeigt, dass es auch kämpfen kann...

Laudehr: Natürlich, das nehmen wir als positiven Aspekt mit.

Frage: Es wirkte, als sei auch bei Ihnen und Ihren Mitspielerinnen irgendwann die Wut über die harte Spielweise Nigerias herausgebrochen. Stimmt diese Einschätzung?

Laudehr: Wenn einem der Gegner immer nur in die Füße tritt, will man auch mal richtig dagegenhalten. Wir sollten aber immer beim Fairplay bleiben. Die Wut habe ich dann über das Tor abgelassen. Das war die perfekte Antwort.

Frage: Kim Kulig hat Gelb gesehen, Sie selbst waren bereits vorbelastet. Ist es ein Nachteil, dass nun beide defensive Mitspielerinnen mit einer Gelb-Hypothek ins Spiel gegen Frankreich gehen?(DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Laudehr: Ich fand nicht, dass Kims Foul gelbwürdig war - genauso wenig wie bei mir im ersten Spiel. Wir werden nun aber nicht mit dem Hintergedanken ins Frankreichspiel gehen, dass wir vorbelastet sind. Gegen Nigeria bin ich trotz meiner Gelben Karte aggressiv in die Zweikämpfe gegangen und Kim wird das auch so handhaben. Da gibt es keine Bremse in unserem Verhalten.

Frage: Ist es vielleicht sogar gut für den Turnierverlauf, dass Sie sich bereits im zweiten Spiel richtig reinbeißen mussten und am Ende mit einem knappen Erfolg belohnt wurden?

Laudehr: Es ist wichtig, auch gegen einen solchen Gegner über die gesamte Spieldauer dran zu bleiben und in Phasen, in denen es nicht gut läuft, aufs Tor zu spielen.

Frage: Birgit Prinz wurde zum zweiten Mal hintereinander früh ausgewechselt. Sie wirkte ein wenig frustriert. Wie geht die Mannschaft damit um? 366780(DIASHOW: Deutschlands WM-Kader)

Laudehr: Wir sind ein Team. Natürlich bauen wir immer wieder Mitspielerinnen auf und lassen niemanden alleine.

Frage: Frankreich hat Kanada 4:0 geschlagen, Sie haben sich wesentlich schwerer getan gegen die Kanadierinnen. Nun geht es um den Gruppensieg. Wie gehen Sie ins Spiel?

Laudehr: Wir werden auch gegen Frankreich auf Sieg spielen. Wir sind kein Team, dass berechnet, was nun wäre, wenn wir Gruppenerster oder Gruppenzweiter werden.

Frage: Wie schätzen Sie Frankreich ein?

Laudehr: Es ist eine sehr aggressive Mannschaft. Sie haben viele individuell starke Spielerinnen. Und mit dem 4:0 haben sie eine Ansage gemacht.

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