In seiner SPORT1-Kolumne spricht Potsdams Meistercoach Bernd Schröder von einer leidenden Birgit Prinz und über "gefährliche Gedanken".

Hallo Fußball-Freunde,

schon vor der WM habe ich vor der hochgesteigerten Euphorie gewarnt: Wir müssen auch mal damit umgehen können, wenn ein Spiel wie beim 1:0-Sieg über Nigeria (Spielbericht) nicht so läuft.

Ich hatte das Gefühl, dass die Körpersprache im ganzen deutschen Team nicht gestimmt hat, einzige Ausnahme: Simone Laudehr 424634(DIASHOW: Die Einzelkritik).

Die Mannschaft hat nicht ins Spiel gefunden. Das war von Anfang so, nicht erst, als es etwas härter und unfairer wurde. Wir waren zu sehr mit uns selbst beschäftigt.

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Einige Führungsspieler waren nicht so präsent. Kim Kulig ist ja zum Beispiel sonst immer sehr aktiv, aber auch sie war zu sehr in sich verschlossen an diesem Tag.

Dadurch entsteht dann auch eine Eigendynamik. Das ist aus meiner Sicht typisch für den Frauenfußball, dass sich einige Spielerinnen dann anstecken lassen.

Die Nervosität war in der Summe sehr groß. Mich hat gewundert, dass das deutsche Team aus dieser Erstarrung nicht rausgekommen ist. Nach der Halbzeit hat sich nichts geändert. Ärgerlich ist, dass es viel zu wenige gute Torchancen gab.

Birgit Prinz war natürlich unglücklich über ihre Auswechslung und hat das auch gezeigt.

Aus meiner Sicht ist das Problem mit der Spielführerin bereits über einen längeren Zeitraum entstanden.

Hinzu kommt: Sie hat immer durchgespielt, egal ob bei Freundschaftsspielen oder großen Turnieren. Sie kann mit einer Auswechslung schlecht umgehen, zumal der Wechsel jetzt leistungsbedingt war.

Für Birgit Prinz lief es in Frankfurt sehr unglücklich.

Erstens spielte sie zu Hause, zweitens wollte sie eine starke Leistung bringen und drittens musste sie beim Stand von 0:0 vom Feld.

Man könnte annehmen, dass Bundestrainerin Silvia Neid kein Vertrauen mehr hatte, mit ihr das Spiel zu gewinnen. Solche Gedanken sind sehr gefährlich.

Mir fehlt insgesamt etwas die Sensibilität: Man hat nie den Weg auf die Bank für Birgit Prinz vorbereitet. Das ist ein ganz sensibler Bereich.

Im Moment, ich betone im Moment, hat es den Anschein, als ob uns Prinz auf der Position in der Sturmspitze nicht weiterhelfen kann. Sie leidet sehr drunter, dass sie die Erwartungen, auch die sie an sie sich selbst stellt, aktuell nicht erfüllen kann.

Im Turnier einen Wechsel vorzunehmen, halte ich aber auch für riskant, wie ich bereits nach dem Kanada-Spiel gesagt habe.

Die Probleme der Bundestrainerin sind jetzt größer denn je. Neben dem Problem Lira Bajramaj könnte jetzt Birgit Prinz für sich selbst und die Mannschaft ein Problem werden.

Gegen Frankreich kann das deutsche Team jetzt aber befreit aufspielen, da beide Mannschaften schon im Viertelfinale spielen.

Die Französinnen haben eine technisch gute Mannschaft, es dürfte auch deshalb ein gutes Spiel werden. Und ich sage ganz klar: Wenn man Angst hat, gegen Frankreich zu verlieren, obwohl man schon eine Runde weiter ist, hat man seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Euer Bernd Schröder

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