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Uches Team liegt in der FIFA-Frauen-Weltrangliste auf Platz 27 © getty

Nach dem WM-Aus gegen Deutschland droht Nigerias Frauen-Fußball die Bedeutungslosigkeit. Die Besten spielen ohnehin im Ausland.

Abuja - Eine Woche lang war Frauenfußball Thema Nummer eins in Nigeria. In den Bars liefen Live-Übertragungen, vor den Bildschirmen fieberten verschiedene Volksgruppen mit, die Zeitungen berichteten ausführlich.

Eine seltene Wertschätzung für eine Sportart, die nach dem schnellen WM-Aus wieder in Abseits abzurutschen droht.

"Das 0:1 gegen die DFB-Elf hat im Land für große Enttäuschung gesorgt", sagt Redaktionsleiter Thomas Mösch von der "Deutschen Welle", die in West-Afrika täglich über die WM berichtet.(Bericht: Nigeria unterliegt Deutschland)

Mit der Begeisterung ist es wieder vorbei

"Kurzzeitig war das Interesse an Frauenfußball da. Damit ist es nun wohl vorbei", äußert Mösch, der mit seinen Sendungen in der Sprache Haussa ein Drittel der Bevölkerung Nigerias erreicht.

Besonders im Süden, etwa der Millionenstadt Port Harcourt im Nigerdelta, versammelten sich während der WM zahlreiche Menschen vor dem Radio und den TV-Geräten.

Mösch: "Dort gibt es die Kultur von Bars und öffentlichen Plätzen. Zudem ist die Stellung der Frau dort eine andere." Im islamisch geprägten Norden sehe das schon anders aus.

Medien ignorieren Tabuthemen

Auch Tabuthemen wie die homophoben Äußerungen von Nationaltrainerin Ngozi Uche packt die "Deutsche Welle" wegen ihrer großen Reichweite an.

"Von den Medien in Nigeria wurden die Aussagen weitgehend ignoriert. Wir sehen uns da in einer Vorreiterrolle", sagt Mösch, nachdem Uche im Zusammenhang mit Homosexualität von "dreckigen Praktiken" gesprochen hatte.

Die Zeitungen berichteten lieber vom sportlichen Abschneiden. Zumindest eine Woche lang.

Triumphzug auf Tiertransporter

Denn im schnellen WM-Aus sieht nicht nur Mösch die Gefahr, dass Frauenfußball in Nigeria wieder zur Nebensache verkommt.

Auch acht Titel bei neun Afrikameisterschaften haben den "Super Falcons" zu keiner großen Anerkennung verholfen.

So gab es nach dem Finale 2010 zwar einen Triumphzug für das Team - der fand jedoch auf einem notdürftig geschmückten Tiertransporter statt.

Zum Vergleich: Als 1994 die Männer Afrikameister wurden, wurde ein landesweiter Feiertag ausgerufen, Spieler und Funktionäre bekamen Häuser und Autos geschenkt.

Frauenfußball im Abseits

Auch Nigerias Frauenliga fristet den internationalen Erfolgen zum Trotz ein Schattendasein. Zuschauer verirren sich kaum in die kleinen Stadien mit den schlecht gepflegten Rasenflächen.

Feste Spieltage gibt es nur selten, Spielerinnen werden schlecht oder gar nicht bezahlt. Im islamischen Norden des Landes kommt hinzu, dass Fußballspielen für Mädchen nur verschleiert möglich ist. Auch Sponsoren fehlen, häufig muss die lokale Politik helfen.

Topspielerinnen wechseln nach Europa

Kein Wunder, dass kaum eine Nationalspielerin noch im eigenen Land die Schuhe schnürt. Der Großteil ist nach Schweden abgewandert.

Nur eine Frage der Zeit scheint es, bis auch das erst 18 Jahre alte Talent Ebere Orji nach Europa weiterzieht. Noch spielt die Angreiferin bei den Rivers Angels aus Lagos.

Ein wenig Werbung kann der Frauenfußball in Nigeria also gut gebrauchen. Zumindest während der WM wird die "Deutsche Welle" daher weiter ausführlich von jedem Spiel berichten.

"Wir wollen den Menschen in Nigeria die Augen öffnen, das Frauenfußball nichts Anrüchiges ist", sagt Mösch.

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