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Alexandra Popp läuft in der Bundesliga für den FCR Duisburg auf © imago

Nach den glanzvollen Testspielen fahndet das DFB-Team bei der WM weiter nach seiner Bestform. Popp und Angerer nennen Ansatzpunkte.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Düsseldorf - Sie sehen aus wie deutsche Nationalspielerinnen, tragen die gleichen Trikots und klatschen sich vor den Partien genauso ab wie noch vor einigen Wochen.

Doch auf seltsame Weise scheinen Kim Kulig, Birgit Prinz und ihre Teamkolleginnen im Moment wie verwandelt. (EINWURF: Die Kurve zeigt nach unten)

Schon in der Schlussphase beim 2:1-Sieg gegen Kanada war die Nervosität enorm, beim 1:0 über Nigeria erschien sie beinahe wie Deutschlands größter Gegner. (NACHBERICHT: Ärger über "Ringkampf" und Referee)

Die spielerische Linie und das so hübsch anzusehende Flachpassspiel aus den Testspielsiegen gegen Italien, Niederlande und Norwegen scheint einer anderen Zeit anzugehören. Gut, dass für Motivationszwecke noch Videomaterial vorhanden ist.

"Es war nicht so federleicht"

"Es war nicht so federleicht wie in den Spielen davor. Vielleicht ist die Belastung doch zu groß gewesen, weil man unbedingt in die nächste Runde einziehen wollte", sagte Bundestrainerin Silvia Neid. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Wir waren zu sehr mit uns selbst beschäftigt, haben es uns sehr schwer gemacht", analysiert Erfolgstrainer Bernd Schröder in seiner SPORT1-Kolumne. (Schröder-Kolumne: Neids Probleme sind größer denn je)

Kahlert: "Team wird sich steigern"

Sven Kahlert, Trainer des Pokalsiegers 1. FFC Frankfurt, sagte zum Thema gegenüber SPORT1: "Der Druck hat sicher eine Rolle gespielt. In den Vorbereitungsspielen ging es eben vor allem um die Plätze im Team, jetzt aber um WM-Punkte. Ich bin aber sicher, dass sich das Team finden und steigern wird."

Der Viertelfinaleinzug ist geschafft, das größte psychologische Hemmnis sollte damit verschwunden sein.

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"Wir sind selbstkritisch, wissen, dass es nicht optimal gelaufen ist", meinte Kim Kulig mit etwas Abstand zur Partie in Frankfurt. An der intensiven Stimmung in der ausverkauften WM-Arena und den "Menschenmassen" hat es aus Kuligs Sicht nicht gelegen, eher an "Unkonzentriertheiten".

Kulig soll im defensiven Mittelfeld eigentlich das Spiel lenken, beruhigen und schneller machen, je nach Bedarf. Meistens gelingt ihr das, gegen Nigeria schien sie überfordert. Ihre Partnerin auf der Doppelsechs Simone Laudehr war in besserer Verfassung, konnte aber allein nicht den Negativtrend stoppen.

Mangel bei Passqualität

Denn Kerstin Garefrekes, die erneute eine sehr gute Chance ausließ, hatte nicht ihren besten Tag, genauso wenig wie Birgit Prinz.

Im Spielverlauf kam der Ausfall von Melanie Behringer (Bänderdehnung) hinzu und die eingewechselte Alexandra Popp spielte bisweilen überhastet.

[kaltura id="0_oq81biz4" class="full_size" title="Hoffen auf besseren Fu ball"]

"Die Passqualität war nicht so super", gibt das Sturmtalent zu. (424634DIASHOW: Die DFB-Frauen in der Einzelkritik)

Angerer: "Müssen cleverer sein"

Nadine Angerer nennt auf SPORT1-Rückfrage Ansatzpunkte zum schwachen Kombinationsspiel:

"Natürlich ist das schwer, wenn bei der Ballannahme so aggressiv zur Sache gegangen wird. Wir müssen aber cleverer sein, uns durchsetzen und uns mehr bewegen." (424702DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Unterstützung für Prinz

Wie alle anderen Spielerinnen schützt auch die Keeperin die glücklose Birgit Prinz. Man werde ihr helfen und Prinz werde schon wieder aus der Krise finden, so ist der Tenor bei Angerer, Popp, Laudehr unisono.

Andererseits gerieten gute Aktionen auch bei Prinz ins Stocken, die in der für sie ungewohnten Rolle als vorderste Sturmspitze und nicht als hängende Spitze agierte.

Gruppenendspiel gegen Frankreich

Angerer ist indes zuversichtlich, dass es gegen Frankreich besser laufen wird. Zumal der Weltmeister in der Partie gegen den Gruppenersten (Di., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) nicht zwangsläufig Favorit ist.

"Sie haben 4:0 gegen Kanada gewonnen", sagt Angerer anerkennend, um dann hinzuzufügen: "Sie liegen uns aber, auch sie wollen Kombinationsspiel, es wird ein hart umkämpftes Spiel."

Wer weiß, vielleicht stecken am Ende wieder die deutschen Nationalspielerinnen aus den Testspielen in den Trikots.

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