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Babett Peter (l.) stand in beiden bisherigen WM-Spielen in der Startelf © getty

Ihren Spitznamen trägt Babett Peter nicht grundlos, in der Defensive ist sie die Beständigste. Ihre Geschichte lässt aufhorchen.

Von der Frauen-WM berichten Andreas Messmer und Mathias Frohnapfel

Düsseldorf - Babett Peter lässt ist nicht leicht zu stoppen, das hat sie im Spiel gegen Nigeria eindrucksvoll bewiesen.

Mit gestrecktem Bein trat die Nigerianerin Rita Chikwelu die deutsche Nationalverteidigerin nach gut 40 Minuten um. Peter lag mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen, doch die koreanische Schiedsrichterin Sung-Mi Cha ließ weiterlaufen.

"Das war ein heftiges Foul", sagte Peter später im Gespräch mit SPORT1. "Ich verstehe auch die Schiedsrichterin nicht, die eigentlich die Spielerin schützen soll, das aber mehrmals versäumt hat." (NACHBERICHT: Ärger über "Ringkampf" und Referee)

Die 23-Jährige ließ sich nach der rustikalen Attacke aber nicht auswechseln. Sie biss auf die Zähne und hielt durch, bis der zweite Sieg perfekt war.

Im Stile eines Philipp Lahm

Aufgeben ist nicht ihr Ding, sie ist eine Kämpfernatur, geht mit Einsatz und Willen voran. Vom Typ her ist sie mit Philipp Lahm in der Männer-Nationalelf vergleichbar - nicht nur was Position und Statur betrifft.

Wie Lahm ist auch die 1,71 Meter kleine Außenverteidigerin kein Lautsprecher auf dem Rasen. Als "ruhig, schüchtern und zurückhaltend" bezeichnet sie sich selbst. Und trotzdem ist sie nicht mehr wegzudenken aus dem DFB-Team.

Und wie der Bayern-Kapitän sagt sie klar ihre Meinung, wenn eine Partie - so wie gegen Nigeria - nicht gut lief. "Wir haben nicht in die Räume gespielt und hatten leichte Fehlpässe, da müssen wir noch hart an uns arbeiten." (EINWURF: Die Kurve zeigt nach unten)

"Wollen uns Selbstvertrauen holen"

Im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) soll der Gruppensieg perfekt gemacht werden, vor allem müsse das Team aber anfangen, "besseren Fußball" zu spielen. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Wir wollen uns Selbstvertrauen holen gegen Frankreich", formuliert Peter.

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Frauenfußball verändert sich

Bereits 2007 stand Babett Peter im WM-Kader, sah aber nur von der Bank zu, wie sich ihre Mitspielerinnen zum Titel kombinierten. Bei der jetzigen Endrunde ist sie gesetzt. In der Viererkette war sie bislang die Beständigste. (424634DIASHOW: Die DFB-Frauen in der Einzelkritik)

Beim Auftaktsieg gegen Kanada glänzte die Außenverteidigerin mit der Vorarbeit zum 1:0 durch Kerstin Garefrekes. Im körperbetonten Spiel gegen Nigeria warf sie sich tapfer in die Zweikämpfe und imponierte durch ihre Leidensfähigkeit.

"Frauenfußball ist sehr athletisch geworden", sagt Peter, "die Spiele sind enger als vor vier Jahren, das ist für den Zuschauer sehr interessant und für die WM sehr gut."

[kaltura id="0_oq81biz4" class="full_size" title="Hoffen auf besseren Fu ball"]

Ihr selbst kommt der Trend entgegen. Da sie gerne ihren Körper stählt, hat sie sich bei den Kolleginnen den Spitznamen "Hulk" eingehandelt, nach dem Kraftprotz aus dem gleichnamigen Marvel-Comic.

"Über den Sport habe ich mir Selbstbewusstsein geholt"

Sich durchzubeißen und gegen Widerstände kämpfen, das hat Peter bereits in jungen Jahren gelernt.

Seit ihrer Kindheit leidet sie unter der Nervenkrankheit Fazialisparese, die eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur hervorruft. Als Kind habe sie deshalb schon den einen oder anderen dummen Kommentar abgekriegt, erzählt sie.

Geholfen hat ihr der Sport: "Darüber habe ich mir mein Selbstbewusstsein geholt", berichtet die Verteidigerin immer wieder gern. "Der Fußball hat mir unglaublich in meiner Entwicklung als Persönlichkeit geholfen."

Erstes Länderspiel mit 17

Ihr Ehrgeiz ermöglichte ihr später als Jugendliche einen Aufstieg wie aus dem Bilderbuch. Mit 15 Jahren zog sie aus ihrem Heimatort im sächsischen Oschatz ins Sportgymnasium nach Leipzig.

Nach ihrem Wechsel zu Lokomotive gelang ihr der Sprung in die Junioren-Nationalelf. 2006 wagte sie den Wechsel zu Turbine Potsdam. Und bereits mit 17 Jahren debütierte sie dann im Team von Silvia Neid.

Trophäen am Fließband

Seitdem gewann die Sportsoldatin im Eiltempo alles, was es zu gewinnen gibt: Meisterschaft, Pokal und Champions-League-Sieg fuhr sie mit ihrem Klub Turbine Potsdam ein. Dazu kommen ein Europa- und ein Weltmeistertitel mit der DFB-Elf. 53 Länderspiele hat sie bereits auf dem Buckel.

Privat mag sie es ruhiger. Sie studiert Sportmanagement an der Hochschule in Potsdam, verbringt gerne Zeit mit ihrem Hund und liest sehr viel. Hier bevorzugt sie es eher nervenaufreibend: "Am liebsten lese ich Thriller", sagt sie.

Im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich dürfte sie sich wohl trotzdem etwas weniger Spannung und Nervenkitzel wünschen, als es gegen Nigeria der Fall war.

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