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Michael Fuchs (mit Nadine Angerer) wurde 2009 mit den DFB-Frauen Europameister © getty

Die Kumpels nennen ihn "Weltmeisterin". Bei SPORT1 spricht der Torwarttrainer des DFB-Teams über Angerer und die Mädchen-Suche.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Düsseldorf - Im Schlepptau hat er drei junge Frauen und die 2000 Trainingskiebitze in Meerbusch begrüßen auch ihn am Samstagabend klatschend.

Vielleicht ist Michael Fuchs so etwas wie der heimliche Star der Frauen-Nationalmannschaft, schließlich steht auch dank des Torwarttrainers ziemlich oft die Null am Ende eines deutschen Spiels.

Und dass im Torwart-Land Deutschland keine lästigen Debatten über patzende Torfrauen geführt werden müssen, liegt auch an ihm und seiner Zusammenarbeit mit Nadine Angerer.

"Sie ist als Mensch kein alltäglicher Typ, nicht immer super organisiert", charakterisiert er im Gespräch mit SPORT1 Deutschlands Nummer 1 außerhalb des Platzes.

"Natze ist eine Ausnahmetorhüterin"

Als Keeperin lobt er sie indes so uneingeschränkt, dass die 31-Jährige wohl rote Backen bekommen würde, wenn sie all diese Kompliment hören würde.

"Natze ist eine Ausnahmetorhüterin. Sie hat eine Ausnahmestellung - auch als Teil der Mannschaft", sagt Fuchs, der anerkennt, dass die Frankfurterin "alles für ihren Job" tut.

"Sie hat kein Nervenflattern. Sie hat eine gute Fangsicherheit, liest das Spiel gut und spielt sehr gut mit."

Diese Konzentration in Kahnscher Dimension gehe so weit, dass Angerer am Tag nach dem Spiel auch physisch total kaputt sei, selbst wenn sie nur vier Bälle halten musste.

Gemeinsam tüfteln sie immer wieder neue Übungen aus - auch jetzt während der WM.

Das Duo passt. Der durchaus eigenwilligen Angerer gefällt, dass "Mix" auf Stimmungen eingehe, aber trotzdem stets gewissenhaft arbeite. "Er lässt nicht locker, bis eine Sache passt."

Köpke hatte das Sagen

Und das Beste für Angerer ist, dass der ausgebildete Englisch- und Sportlehrer immer einen "lockeren Spruch" parat habe.

Dennoch bleibt Fuchs selbstredend immer der Chef. Und wenn der 41-Jährige etwas zu kritisieren hat, macht er das nie in gestelzten Worten, sondern frei heraus. Das ist auch dem Freigeist Angerer, die gerne und hörbar ihre Meinung sagt, so am liebsten.

Außerdem: Fuchs erging es früher nicht anders. Mit 30 wurde der frühere Keeper der Amateure des 1. FC Nürnberg Torwart-Trainer von Andi Köpke.

Das heißt, Köpke war in diesem Duo derjenige, der den Ton angab und schon mal im Training raunzte: "Solche Surfbretter. Wo der den Ball wieder hinhaut!"

"Ich wäre auch Weltmeisterin geworden"

Das erste halbe Jahr war für den Novizen hart, "doch dann haben wir uns wirklich gut verstanden". Bundestorwarttrainer Köpke hat ihn dann 2007 dem DFB und Silvia Neid empfohlen.

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"Er passt fachlich zu uns", sagte Neid damals und behielt eindrucksvoll Recht.

2007 schnappte sich das Frauen-Nationalteam den WM-Pokal und Angerer blieb ohne Gegentor. Ein Rekord wohl für die Ewigkeit. Der Franke ist noch heute stolz darauf und berichtet mit lachenden Augen von den Reaktionen im Bekanntenkreis: "Die meisten meiner Kumpels sagen, ich wäre auch Weltmeisterin geworden."

Nur Stutenbissigkeit light

Auf dem Platz wirkt der hoch aufgeschossene Fuchs neben Nadine Angerer, Ursula Holl und Almut Schult wie ein Leuchtturm. Selbst Schult, die größte der drei Torfrauen, misst nur 1,80 Meter.

Und wie geht man mit drei jungen Frauen um, die alle vor Ehrgeiz brennen?

Fuchs zögert nicht mit seiner Antwort, es komme auf den Menschen an, nicht auf Mann oder Frau.

Die Geschichten von Torhütern, die sich untereinander bekriegen, sind legendär. Nachfragen bitte an Jens Lehmann und Manuel Almunia. Fuchs hat solche Grabenkämpfe auch schon im Nationalteam erlebt - es war aber bloß Stutenbissigkeit light.

Gutes Einfühlungsvermögen

2007 ist er mit Nadine Angerer und ihrer damaligen Konkurrentin Silke Rottenberg zum Training gefahren und hat gemerkt, dass da ständig Gegrummel war.

"Auf dem Platz ging das weiter. Dann habe ich gesagt: Ihr zwei lauft euch jetzt erst mal ein und wenn ihr soweit seid und euch geeinigt habt, fang ich mit euch an zu trainieren." Es hat geklappt, die Köpfe waren wieder frei.

Inhaltliche Unterschiede zwischen Männer- und Frauentraining macht Fuchs kaum aus, allerdings würden öfter hohe Bälle trainiert, weil die Frauen nunmal etwas kleiner seien.

[kaltura id="0_oq81biz4" class="full_size" title=" Hoffen auf besseren Fu ball "]

"Wo sind die die großen Mädchen?"

Beim DFB ist er neben dem Training der Nationalkeeperinnen auch für die Sichtung zuständig und kann eine brennende Frage noch nicht schlüssig beantworten: "Wohin verschwinden die großen Mädchen?"

Meist seien andere Sportarten wie Basketball und Volleyball für großgewachsene Frauen interessanter, weshalb es kaum richtig großgewachsene Torwartfrauen gebe.

"Die Torwartposition ist im Frauenfußball noch nicht so populär, das wollen wir ändern", lautete daher sein Ziel.

Aktuell will er jetzt mithelfen, dass Deutschland bei der Heim-WM den großen Triumphzug bis ins Finale schafft. An Torhüterin Angerer, die im Turnier bisher gute Leistungen zeigte, soll es nicht scheitern.

Die Kumpels dürfen ihren "Mix" dann auch gerne wieder "Weltmeisterin" nennen.

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