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Alexandra Popp kam in den beiden bisherigen WM-Spielen der DFB-Elf von der Bank © imago

Alexandra Popp drängt in die Startelf. Bei SPORT1 spricht sie über die Frankreich-Partie, den WM-Wirbel und ein No-Go.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Düsseldorf - Alexandra Popp traut sich viel zu, sogar aus gut 35 Metern aufs Tor zu zielen.

Nun ja, das Schüsschen im Spiel gegen Nigeria war keine allzu gute Idee (424702DIASHOW: Bilder des Spiels), andererseits eine der wenigen wirklich schlechten Szene der Vollblutstürmerin in den letzten Partien.

In den vier Testspielen machte sie fünf Buden - als Joker. Und im WM-Eröffnungsspiel gegen Kanada lief nach Popps Einwechslung das Offensivspiel auf einmal.

Die 20-Jährige ist die Jüngste im Kader des Frauen-Nationalteams und aktuell eine der schärfsten Konkurrentinnen von Rekordnationalspielerin Birgit Prinz. Denn die Spielführerin hat keine Stammplatzgarantie mehr (BERICHT: Keine Garantie für Prinz).

Im SPORT1-Interview schildert Popp die Aussichten im Gruppenendspiel gegen Frankreich (Di, ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) und erklärt, wie sehr der Hype um die Heim-WM das Team trotz des bereits erreichten Viertelfinals beeinflusst.

Ehrlich gesteht die U-20-Weltmeisterin auch gelegentliche Abstimmungsschwierigkeiten mit einer Sturmkollegin ein.

SPORT1: Frau Popp, Deutschland erschien gegen Nigeria zeitweise recht nervös. Inwiefern ist das Team aus Ihrer Sicht beeindruckt von dem großen Trubel, der rund um die Frauen-WM herrscht?

Alexandra Popp: Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass die Resonanz so groß sein würde. Unsere Form wird bestimmt nicht durch die Zuschauer negativ beeinflusst. Sie beflügeln uns auf jeden Fall.

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SPORT1: Wie groß ist aus Ihrer Sicht der Druck?

Popp: Natürlich ist der da. Jeder erwartet von uns den Weltmeister-Titel. Wir wissen, was wir können und dass wir schwer zu schlagen sind, wenn wir unsere Leistung abrufen. Wir sind aber alle Menschen, das Unterbewusstsein spielt auch bei uns eine Rolle.

SPORT1: Gab es eventuell zu viele Medien- und Werbetermine rund um die WM?

Popp: Grundsätzlich wird darauf geachtet, dass die Anfragen im Team verteilt werden. Ich habe selbst gesagt, wenn ich eine Pause gebraucht habe. Körperlich merkt man das, bei den Terminen ist man immer hochkonzentriert, das ist auch anstrengend.

SPORT1: Sie haben nach dem Nordkorea-Testspiel zugegeben, dass Sie wegen des Startelf-Debüts sehr nervös waren. Ist diese Aufregung mittlerweile kleiner geworden?

Popp: Nervös bin ich immer, auch wenn ich eingewechselt werde. Ich denke aber, dass sich das ein bisschen gelegt hat. Ich freue mich, wenn ich jetzt die Einsatzzeiten bekomme.

[kaltura id="0_oq81biz4" class="full_size" title=" Hoffen auf besseren Fu ball "]

SPORT1: Fühlen Sie sich denn bereit und fit für die erste Elf?

Popp: Ich war noch nie so fit wie im Moment. Wenn die Trainerin sagt: "Alex, spiel von Anfang an", dann mach ich das auch gern. Natürlich traue ich mir das zu, stelle aber keine Ansprüche.

SPORT1: In der zweiten Halbzeit gegen Nigeria kam Inka Grings ins Spiel. Wie klappte das Zusammenspiel mit Ihrer Duisburger Vereinskollegin?

Popp: Inka und ich kennen uns schon länger, haben jedoch nicht so oft vorne in der Spitze zusammen gespielt. Ich habe in der vergangenen Saison in Duisburg ja zunächst in der Abwehr gespielt und erst zum Ende der Runde mit Inka vorne. Deswegen ist es doch klar, dass es manchmal noch Abstimmungsschwierigkeiten gibt. Inka lässt zum Beispiel den Ball gerne mal durch die Beine laufen, das checke ich in dem Moment nicht immer (lacht).

SPORT1: Das Viertelfinale ist erreicht, gegen Frankreich geht es "nur" um den Gruppensieg. Wird es somit leichter als gegen Nigeria?

Popp: Frankreich geht weniger auf die Frau, sondern auf den Ball. Das war ja gegen Nigeria eher Rugby oder Ringen! Ich gehe davon aus, dass uns die Französinnen eher liegen, weil sie mitspielen wollen. Ich denke nicht, dass sie sich hinten reinstellen werden. So werden die Räume offener und es könnte ein attraktives Spiel werden.

SPORT1: Wie ist Ihr Eindruck von Bundestrainerin Neid? Ist sie nervöser als sonst?

Popp: Nein und sie muss auch nicht nach jedem Spiel das Gleiche sagen. Das Offensivspiel war bei den bisherigen zwei WM-Spielen das Manko, das wissen wir auch. Wir wissen, woran wir arbeiten müssen.

SPORT1: Lira Barjamaj und Birgit Prinz können mit ihrer sportlichen Situation nicht zufrieden sein. Wie erleben Sie die beiden im Team?

Popp: Man merkt, dass die eine oder andere Spielerin ein bisschen bedrückt ist, aber dafür sind wir ein Team und helfen ihnen, aus dem kleinen Loch herauszukommen.

SPORT1: Was macht man da konkret?

Popp: Die Leute wissen ja selbst, was sie können. Wir bauen sie eben auf, wir machen dann mal Witze, ein paar Sprüche, um sie zum Lachen und auf andere Gedanken zu bringen.

SPORT1: Können Sie sich eigentlich eine Startelf ohne Birgit Prinz vorstellen?

Popp: Das weiß ich nicht. Es ist eine schwierige Situation, ich würde jetzt nicht gerne Trainerin sein wollen. Ich lasse es auf mich zukommen, man wird sehen, welche Elf in Mönchengladbach auf dem Platz steht.

SPORT1: Wie erging es Ihnen persönlich, als Sie mal in einem Tief steckten?

Popp: Ich bin ja noch nicht so lange dabei, aber nach der U20-WM habe ich das schon gespürt. Es war eine große Belastung, zwei Jahre quasi ohne Pause Fußball zu spielen. Das ist für den Körper schon sehr anstrengend. Man fühlt sich dann so, als ob man gar nicht mehr spielen könnte.

SPORT1: Als Werbegesicht sind Sie aktuell sehr gefragt. Wofür würden Sie nicht werben?

Popp: Im Moment ist mir das sehr nebensächlich, jetzt geht es um die WM. Ich würde aber, wenn Sie mich so fragen, nicht für Zigaretten werben.

SPORT1: Sie haben früher als einziges Mädchen mit dem Schalker Nachwuchs trainiert. Gibt es noch Kontakt zu Joel Matip?

Popp: Ja, er hat mir vor der WM über Facebook viel Glück gewünscht.

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