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Birgit Prinz (r.) spielt seit 2002 beim FFC Frankfurt und traf für ihren Klub 155-mal © getty

Frankfurts Trainer Kahlert nimmt bei SPORT1 zur Prinz-Debatte Stellung. Er sieht die Stürmerin als Spitze "nicht gut aufgehoben".

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Düsseldorf - Sven Kahlert wählt seine Worte mit Bedacht, seine Meinung ist dennoch klar herauszuhören.

Birgit Prinz spielt aus seiner Sicht im Moment nicht auf der idealen Position im Frauen-Nationalteam.

Der Trainer des 1. FFC Frankfurt macht das im Gespräch mit SPORT1 deutlich.

Auch zur Wahl von Prinz' Sturmpartnerin positioniert er sich.

Seit Herbst 2009 ist Kahlert Cheftrainer der Rekordnationalspielerin im Verein, kennt ihre Stärke und Spielweise bestens. Als erste Sturmspitze sieht Kahlert die Weltfußballerin der Jahre 2003 bis 2005 nicht optimal platziert.

"In den letzten Jahren hat sie bei uns in Frankfurt und in der Nationalelf als hängende Spitze gespielt. Natürlich schleichen sich da Mechanismen ein. Auf der neuen Position ist sie im Moment nicht gut aufgehoben", erklärt der 40-Jährige vor dem Spiel gegen Frankreich (Di., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Und er fügt an: "Die Bundestrainerin ist aber näher dran und stellt nach den Trainingseindrücken und aufgrund der Mitspielerinnen auf."

Diskussion immer heißer

Nach der Auswechslung im zweiten Gruppenspiel gegen Nigeria reagierte Prinz extrem genervt, pfefferte Linda Bresonik sogar die Kapitänsbinde vor die Füße. (424634DIASHOW: Die Einzelkritik gegen Nigeria)

Seitdem ist die Diskussion um Prinz' Rolle im Team wie ein loderndes Feuer entfacht. Und das Trainerteam um Silvia Neid und Co-Trainerin Uli Ballweg hält sich mit klaren Aussagen zurück.

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"Das müssen wir noch schauen", kommentierte Neid die Frage, ob Prinz weiterhin in der Startelf stehen werde und Ballweg ließ am Sonntag nur wissen: "Alles ist möglich" und man befinde sich in "einer Phase der Entscheidungsfindung".

Abstimmungsprobleme im Sturm?

Kahlert ist derweil überzeugt, dass seine 33-jährige Top-Spielerin professionell mit der Situation umgehen werde. "Sie wird sich nicht hängen lassen. Sie wird jetzt auch im Training versuchen, zu marschieren und sich zu zeigen", ist er überzeugt.

Und der Frankfurter Coach gibt einen Fingerzeig, wie aus seiner Sicht auch eine Lösung aussehen könnte.

"Ich habe das Gefühl, dass die Abstimmung zwischen Birgit und Celia nicht so gut funktioniert wie vielleicht mit Birgit und Inka. Sie sind unterschiedliche Spielertypen, aber sehr gut eingespielt."

[kaltura id="0_oq81biz4" class="full_size" title=" Hoffen auf besseren Fu ball "]

Grings in die Startelf?

Denkt man diese Überlegung zu Ende, würde sie für die Frankreich-Partie bedeuten, dass Inka Grings als erste Sturmspitze vor Birgit Prinz spielen könnte. Celia Okoyino da Mbabi könnte im Endspiel um den Gruppensieg die Flügelposition der angeschlagenen Melanie Behringer einnehmen.

Prinz im Team zu lassen oder die verdiente, aber formschwache Spielerin auf die Ersatzbank zu setzen, diese Streitfrage hat mittlerweile beinahe Ballacksche Dimensionen erreicht.

Natürlich ist auch die Meinung des Frauenfußball-Förderers und DFB-Präsidenten Theo Zwanziger gefragt, der sagt: "Ich bin absolut sicher, dass sie, wenn sie fit ist und sich fit fühlt, der Mannschaft auf dem Weg zum Endspiel helfen kann."

Netzer appelliert an Neid

Und auch Günter Netzer beleuchtet für die "Bild am Sonntag" ausführlich den Härtefall Prinz und verweist bewusst auf den ausgemusterten DFB-Kapitän Michael Ballack.

"Birgit Prinz kann ebenso wenig wie Ballack trotz nachlassender Leistung nur aufgrund vergangener Erfolge einen Anspruch auf einen Stammplatz in der Mannschaft beanspruchen", befindet der frühere Weltklasse-Spieler.

"Neid muss jetzt Akzeptanz und Einsicht von Prinz einfordern, wenn sie zu Beginn nur noch auf der Bank sitzt."

Grings: Alles schießt sich auf Prinz ein

Im Team erhält Prinz aktuell öffentlich die maximale Unterstützung - auch von EM-Torschützenkönigin Grings.

"Birgit ist bei uns einfach 'die' Spielerin", sagte sie dem "Tagesspiegel". "Und wenn es mal nicht läuft, weiß sie auch, dass sie natürlich die erste Person ist, auf die man sich einschießt."

Als Fakt steht aber, dass Prinz 2011 noch kein Länderspiel-Tor erzielt hat und in den vergangenen zehn Spielen ausgewechselt wurde. Die studierte Psychologin selbst äußert sich derzeit nicht öffentlich.

Noch keine Entscheidung

"Wir reagieren auf Spielverläufe, ob jetzt mit Birgit oder anderen Spielerinnen", meinte Co-Trainerin Ballweg zum heiß diskutierten Thema.

Ob die Frauenfußball-Legende eine Pause bekomme, um mit "freiem Kopf" ins Viertelfinale zu gehen, ließ sie unbeantwortet. "Ich sage es zum dritten Mal. Wir sind in einer Entscheidungsfindung".

Ausgang ungewiss.

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