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Marta Vieira da Silva hat bereits 78 Tore im brasilianischen Nationaltrikot erzielt © getty

Ein umstrittenes Tor nimmt der Martas Gala gegen Norwegen den Glanz - die Torjägerin sorgt auch neben dem Platz für Überraschungen.

Wolfsburg - Als die Teamkolleginnen mit Trommeln und Rasseln ihre Samba-Party feierten, baumelte die Triangel unbenutzt in Martas Hand.

Die Weltfußballerin stand nach ihrem Schummel-Tor bei den Journalisten und war in Erklärungsnot.

Beim 3:0 (1:0) der Brasilianerinnen gegen Norwegen hatte Marta mit zwei Treffern und einer Vorlage gezeigt, warum sie als beste Spielerin der Welt gilt - doch ihr Foul vor dem ersten Tor nahm der Gala viel vom Glanz.

Die 25-Jährige wurde die erste "Buhfrau" der WM.

Pfiffe gegen Superstar

"Ich habe nicht Foul gespielt, sie ist einfach gestolpert", kommentierte die Brasilianerin die strittige Szene in der 22. Minute.

Eine mehr als verwunderliche Aussage, denn im Zweikampf mit der norwegischen Verteidigerin Nora Helstad Berge hatte Marta ihre Gegnerin eindeutig von hinten geschubst.

Marta erzielte die Führung, wurde von den Zuschauern in Wolfsburg aber bei jeder weiteren Aktion ausgepfiffen.

Ehrfurcht statt Abneigung

Das war ihr aber schlicht egal.

Mit ihrer einzigartigen Technik, ihrem Spielverständnis und ihrer Schnelligkeit bereitete sie das 2: 0 durch Rosana (46.) vor, den Endstand erzielte sie wieder selbst (48.) - die vorzeitige Qualifikation des Olympiazweiten für das Viertelfinale war perfekt.

Und die Abneigung des Publikum verwandelte sich in Ehrfurcht (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Alle profitieren von ihr"

Es schien, als hätte die Brasilianerin die Zuschauer so beeindruckt, dass diese nicht mehr wagten, die außergewöhnliche Leistung weiter mit Pfiffen zu quittieren.

"Zum Glück kann sich die Mannschaft auf Marta verlassen", sagte Trainer Kleiton Lima: "Alle profitieren von ihr."

Der brasilianische Coach stimmte kurz darauf ein ganzes Loblied auf seinen Superstar an.

Bodenständiges Sprachentalent

Bodenständig, bescheiden, eine von vielen sei die Ausnahmekönnerin, die natürlich vom Weltverband FIFA zur Spielerin des Spiels gekürt wurde.

"Sie hat keine Privilegien bei uns im Team. Und sie lehnt Privilegien auch ab. Sie hat ein gutes Verhältnis zu allen - und deshalb ist sie auch so brillant", erklärte der 37-Jährige.

So diskussionswürdig Martas Verhalten auf dem auch Platz war, wirklich widersprechen konnte man Lima nach dem Spiel nicht SERVICE: Der WM-Tabellenrechner.

Freundlich, zuvorkommend und immer wieder ihre Mannschaftskolleginnen lobend zeigte sich Marta abseits des Platzes. Jede Frage beantwortete sie - auch fließend auf Norwegisch.

Offzielle verbieten Trikottausch

"Ich muss auf dem Boden bleiben, um gut spielen zu können. Also bleibe ich auf dem Boden", sagte Marta: "Ich versuche, mich auf die Arbeit zu konzentrieren, um immer besser zu werden."

Und zumindest bisher hat die Brasilianerin als Einzige der vor der WM hochgelobten Stars gehalten, was ihre Vorleistungen versprachen.

Ob Birgit Prinz, die US-Amerikanerin Abby Wambach oder die Schwedin Lotta Schelin - keine dieser Spielerinnen hat auch nur halbwegs einem Spiel so den Stempel aufgedrückt, wie es Marta gegen die Norwegerinnen gelang.

"Es war einfach nicht möglich, sie zu stoppen", konstatierte auch Norwegens Trainerin Eli Landsem. Das gelang dann auch nur der brasilianischen Delegation.

Gleich mehrere Norwegerinnen hatten Marta nach ihrem Trikot gefragt, doch die Offiziellen hatten der Mannschaft den Tausch verboten.

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