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Die ungarische Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal pfeift seit 2002 international © getty

Durch Gaal geraten die Unparteiischen bei der WM immer mehr zur Zielscheibe der Kritiker. Die FIFA meint das Problem zu kennen.

Köln - Blackout, Lachnummer, Tomaten-Anfall: Die ungarische Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal hat ihre Zunft bei der Frauen-WM in Verruf gebracht und eine Qualitätsdiskussion ausgelöst.

"Unglaublich. Solche Fehler dürfen nicht passieren. Das kann man nicht verstehen", kritisierte die "ZDF"-Expertin und ehemalige Weltklassetorhüterin Silke Rottenberg.

Ihre frühere Mitspielerin Nia Künzer sagte in der "ARD": "Es gibt sehr große Diskrepanzen bei den Schiedsrichterinnen, deshalb sind auch diese Leistungsschwankungen zu erklären."

Gemeint war die 16. Minute zwischen Australien und Äquatorial-Guinea (3:2) (Bericht), in der sich Unglaubliches abgespielt hatte.

Klares Handspiel ohne Folgen

Die Australierin Leena Khamis hatte den Ball an den linken Pfosten geschossen, von wo aus er in Richtung Bruna abprallte.

Die Verteidigerin nahm ihn reflexartig in beide Hände und hielt ihn ein, zwei Sekunden fest, ehe sie den Ball fallen ließ. Während das ganze Stadion auf den Elfmeterpfiff wartete, ließ Gaal weiterspielen.

Die Szene zieht eine umfassende Debatte über die Leistungen der WM-Schiedsrichterinnen nach sich.

Bibiana Steinhaus ragt heraus

Hellmut Krug, Schiedrichter-Beauftragter der Deutschen Fußball Liga und ehemaliger FIFA-Referee, sagte:

"Die Schiedsrichterinnen verfügen zwar sicher über Erfahrung, entscheidend ist aber auch, auf welchem Niveau sie national gefordert werden. Es ist kein Zufall, dass Bibiana Steinhaus bei den Frauen herausragt, denn sie pfeift in der Zweiten Bundesliga, der nach Zuschauerinteresse fünftstärksten Liga in Europa."

Der Weltverband FIFA sah sich nach dem Spiel genötigt, eine Erklärung abzugeben (423460DIASHOW: Die Fans der Frauen-WM).

"Wir haben mit der Schiedsrichterin gesprochen. Sie sagt, dass es ihr sehr leid tut, dass sie das klare Handspiel nicht gesehen hat", teilte Karen Espelund, die für das Spiel zuständige FIFA-Offizielle, mit.

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Sermanni mit Tobsuchtsanfall

Weder die beiden deutschen Assistentinnen Katrin Rafalski und Marina Wozniak noch die deutsche Vorzeige-Schiedsrichterin Steinhaus als vierte Offizielle griffen ein.

Steinhaus musste an der Seitenlinie Australiens Trainer Tom Sermanni beruhigen, dessen Tobsuchtsanfall nachzuvollziehen war.

Nachdem die Matildas gewonnen hatten, gab sich der Coach generös: "So etwas passiert, da muss man einfach weitermachen."

Südkoreanerin in der Kritik

Bereits am Donnerstag hatte die Leistung von Cha Sung Mi beim Spiel Deutschland gegen Nigeria (1:0) (Bericht) für Kopfschütteln gesorgt.

Die Südkoreanerin hatte viele harte Attacken der Afrikanerinnen durchgehen lassen und musste sich reichlich Kritik gefallen lassen (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Am Sonntag profitierte zudem die Brasilianerin Marta von einer krassen Fehlentscheidung der erfahrenen US-Amerikanerin Kari Seitz. Der WM-Superstar hatte vor dem 1:0 Nora Holstad Berge plump weggeschubst (Bericht).

Problem der Kontinentalquote

Krug wies darauf hin, dass die Schiedsrichter-Diskussion auch bei jedem Männerturnier an der Tagesordnung sei.

"Auch bei den Männern gibt es aus ähnlichen Gründen diese Leistungsdiskrepanzen", sagte der frühere DFB-Schiedsrichterchef, der in diesem Zusammenhang an die WM in Südafrika mit dem Phantomtor in Bloemfontein erinnerte.

Dass Schiedsrichter/innen aus kleineren Verbänden unter Berücksichtigung der Kontinentalquoten nominiert werden, sei ein grundsätzliches Problem.

Kleinere Auswahl als bei Männern

Bei der Frauen-WM häufen sich aber die Fehler. Das könnte damit zu tun haben, dass der Weltverband bei den Männern aus 3100 Kandidaten wählen kann, bei den Frauen aber nur aus rund 600 Schiedsrichterinnen, wie die "FAZ" berichtete.

Dass bei einer Frauen-WM nur Frauen pfeifen, ist nicht vorgeschriebem, aber seit 1999 ein ungeschriebenes Gesetz.

Vor dem Turnierstart in Deutschland waren die Verantwortlichen hinsichtlich der Schiedsrichterinnen noch optimistisch gewesen.

"Wir haben hier eine der besten Gruppen, die es je gegeben hat", sagte die Kanadierin Sonia Denoncourt, bei der FIFA zuständig für das Schiedsrichterwesen der Frauen.

Kurz vor der WM wurde beschlossen, die Schiedsrichter-Gespanne neu zu mischen. Der Schuss ging nach hinten los.

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