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Schülerreporter Max Zerfaß hat das Spiel zwischen England und Neuseeland beobachtet © getty

DB Schülerreporter Max Zerfaß sprach mit Verantwortlichen aus England und Neuseeland über den Nachwuchs-Effekt der Frauen-WM.

Von DB Schülerreporter Maximilian Zerfaß

Dresden - Verrückte Welt in der sächsischen Landeshauptstadt.

Soeben haben die favorisierten Engländerinnen die Außenseiter aus Neuseeland nach hartem Kampf 2:1 in die Knie gezwungen. Doch es sind nicht die "Three Lionesses", die auf dem Grün des Dresdener Rudolf-Harbig-Stadions ihren Sieg zelebrieren, es ist der Tanz der "Kiwis", der die Zuschauer begeistert.

Rechts, links, Sidestep. Die Hände gehen in die Höhe. Das Publikum klatscht euphorisch den Rhythmus.

Fußball auf der Weltbühne

Neuseeland bleibt weiter ohne Punkt bei einer WM und doch haben die sympathischen Mädels schon vor dem abschließenden Spiel gegen Mexiko gewonnen. Sie haben wertvolle Erfahrungen gesammelt und vor allem Werbung für den Frauenfußball gemacht.

Die neuseeländische Mittelfeldspielerin Ali Riley ist überzeugt, dass die WM in Deutschland für einen Schub in der Entwicklung des Frauenfußballs sorgen wird, auch in Neuseeland. "Wir zeigen den jungen Mädchen zu Hause, dass es möglich ist, seine Träume zu verwirklichen und Fußball auf dieser Weltbühne zu spielen", sagt die 24-Jährige und lächelt. Verlierer sehen anders aus.

Turnier mit Strahlkraft

Deutschland ist schon einen Schritt weiter. Die Spiele bei der WM locken viele Sympathisanten an, egal ob groß oder klein. Die Spielerinnen avancieren zu Stars, die Vermarktung ist professionell, das Medieninteresse enorm.

Die WM überzeugt mit perfekter Organisation und einer Professionalität, die zuvor im Frauenfußball undenkbar war. Die neuen Dimensionen beeinflussen die Entwicklung des Frauenfußballs positiv - nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt.

Davon profitieren auch "kleinen" Nationen, die längst keine kleinen mehr sind. Nicht zufällig lief Vizeeuropameister England um Superstar Kelly Smith gegen Außenseiter Neuseeland lange Zeit einem Rückstand hinterher. Erst spät drehte Jessica Clarke die Partie zu Gunsten der Briten, bei denen die Substanz am Ende einfach größer war. Die Begegnung zeigt, dass die Leistungsdichte größer geworden ist, auch wenn am Ende die Favoritinnen doch noch jubelten.

Im Schatten des Männerfußballs

Und das verdientermaßen, weil sie die besseren Einzelspielerinnen in ihren Reihen haben. Immerhin hat auch die weibliche Fraktion aus dem Mutterland des Fußballs in den vergangenen Jahren eine große Entwicklung vollzogen. Mittlerweile jagen in England über 1,3 Millionen Frauen und Mädchen dem runden Leder hinterher. Zum Vergleich: In Deutschland sind es rund eine Million. Ein vorzeitiges Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft wäre nicht nur eine große Enttäuschung gewesen, sondern auch ein Rückschlag in der Entwicklung des Frauenfußballs made in England.

Denn obwohl der englische Fußballverband viel in den weiblichen Nachwuchs investiert ist es kein Geheimnis, dass der englische Frauenfußball im Schatten der Männer steht. Die britischen Medien liefern dafür ein gutes Exempel.

Nur der vom Staat geförderte Nachrichtensender "BBC" berichtet ausführlich von der WM, die großen Zeitungen befassen sich dagegen lieber mit Transfergerüchten aus der Premier League.

Inspiration für junge Mädchen

Auf der Medientribüne in Dresden sucht der englische Pressesprecher Glenn Lavery nach Erklärungen. Zwar sei das mediale Interesse größer als normal, "aber die Aufmerksamkeit für die WM ist bei uns nicht so groß, wie in Deutschland", meint Lavery. "Ich hoffe, dass die WM auch einen positiven Einfluss auf die Berichterstattung in England hat." Er ist zuversichtlich, dass der Frauenfußball durch die Endrunde in Deutschland noch mehr ins Rampenlicht rückt.

Die WM zeigt, dass der Frauenfußball sich global zu einer Marke entwickelt. Ob in Neuseeland oder Mitteleuropa, der Slogan der WM: "20Elf von seiner schönsten Seite" elektrisiert.

Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Hope Powell Trainerin der Engländerinnen ist sich sicher: "Durch unseren Erfolg werden viele junge Mädchen vom Fußball inspiriert." Frau mit Ball - ein Trend, der mehr ist als ein Lückenfüller fürs Sommerloch.

Weitere Informationen findet Ihr unter www.db-schuelerreporter.de.

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