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Birgit Prinz (l.) und Bundestrainerin Silvia Neid während des Trainings am Montag © getty

Bundestrainerin Silvia Neid heizt vor dem Gruppen-Endspiel gegen Frankreich die Debatte um die Stürmerin weiter an.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Mönchengladbach - Handgestoppte 31:45 Minuten plauderten Bundestrainerin Silvia Neid und Kerstin Garefrekes am Montagabend über das Gruppenendspiel gegen Frankreich (Di., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Nur mit einem Sieg im Borussia-Park können die DFB-Frauen den punktgleichen Französinnen noch Platz eins abjagen und damit im Viertelfinale auf einen vermeintlich leichteren Gegner treffen.

Neid scherzte, sagte "Hallo Mutti", als ein vereinsamtes Handy klingelte, oder lobte einen Münchner Reporter "für eine total lieb gestellte Frage".

Und doch ging es auch bei dieser so wohlfeil formulierten Auskunftsbitte um das Thema, das derzeit am schwersten auf den DFB-Frauen lastet.

Spielt Birgit Prinz oder bleibt die Ausnahmefußballerin nach ihren zuletzt mäßigen Leistungen draußen?

Entscheidung ist gefallen

"Ich habe mich schon entschieden", sagte Neid und blickte in angespannte Reporter-Gesichter.

"Ich hatte gute Gespräche mit Birgit, wir sind uns beide einig", ließ sie folgen, ohne das Rätsel aufzulösen.

Könnte heißen, dass die Spielführerin die allerletzte Chance bekommt, aber auch, dass es besser ist, den Druck von ihr und dem Team zu nehmen und ihr Zeit zu geben, einen freien Kopf zu bekommen.

Letzteres erscheint wahrscheinlicher.

Popp oder Grings als Alternativen

Ein mögliches Indiz dafür war Neids Bericht, dass es der 33-Jährigen gut getan habe, zwei Tage rausgenommen worden zu sein. Für Prinz könnte Inka Grings oder Alexandra Popp auflaufen.

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"Hut ab vor der Leistung von Birgit, die so lange auf höchstem Niveau gespielt hat. Irgendwann zählt das aber nicht mehr. Dann geht es um die momentane Form", sagte Neid in der "ARD": "Ich finde, wir sollten alle locker bleiben und sehen, wer spielt."

Behringer nur Ersatz

Auch der Einsatz von Außenverteidigerin Linda Bresonik ist nach ihren Magen-Problemen noch offen.

Konkrekt ließ sich die Bundestrainerin immerhin entlocken, dass Melanie Behringer, die beim Abschlusstraining komplett mitmachte, wohl nicht von Anfang an spielen werde.

Zu stark sind noch die Schmerzen nach der Außenbanddehnung, die Behringer im Holzhacker-Festival gegen Nigeria erlitt.(424634DIASHOW: Die Einzelkritik gegen Nigeria)

Für Behringer könnte Lira Bajramaj auflaufen, denkbar ist auch, dass Celia Okoyino da Mbabi auf diese Position rückt.

[kaltura id="0_oq81biz4" class="full_size" title=" Hoffen auf besseren Fu ball "]

Keine Hoffnung auf "liebe Französinnen"

Neid hofft, dass die Schiedsrichterin im Spiel gegen Frankreich durchgreifen werde.

Auch Frankreich, das mit zehn Spielerinnen von Champions-League-Sieger Olympique Lyon exzellent ausgestattet ist, könne äußerst robust spielen.

"Wir dürfen nicht denken, wir haben gegen die bösen Nigerianerinnen gespielt, jetzt kommen die lieben Französinnen", warnte Neid süffisant.

Gelbe Karten als Gefahr

Derweil muss sich die 47-Jährige den Kopf darüber zerbrechen, ob sie die drei mit Gelb vorbelasteten Stammspielerinnen Simone Laudehr, Kim Kulig und Annike Krahn schont. Die erste Elf könnte mitunter ziemlich durcheinander gewürfelt werden.

"Es wird eine Überlegung sein", gab Neid zu. Eine weitere Gelbe Karte würde schließlich die Sperre fürs Viertelfinale bedeuten

Mittelfeldspielerin Kerstin Garefrekes kann indes im mit 45.860 ausverkauften Stadion in Mönchengladbach ohne Vorbelastung aufspielen.

"So eine Atmosphäre wie bei der WM habe ich so noch nicht erlebt, es macht unheimlich viel Spaß", lobte sie vor dem Endspiel um den Gruppensieg.

Bini mit listiger Auskunft

In der Abendsonne ging es dann zum Abschlusstraining, inklusive Torschusstraining.

Die Französinnen hatten den Vortritt gehabt und waren bereits wieder auf dem Weg ins Düsseldorfer Quartier.

Trainer Bruno Bini hatte zuvor erklärt, warum sein Team als Gruppensieger ins Viertelfinale einziehen würde.

Bini tat das mit gallischer Ironie und die Zuhörer bekamen die Version auf Französisch, Deutsch und Englisch zu hören.

"Unser Ziel ist es, ein großartiges Spiel zu machen", sagte Bini mit entsprechendem Pokergesicht.

"Es wäre nicht schlimm, wenn wir nicht gewinnen, unser Ziel ist es das Viertelfinale zu gewinnen."

Ein Spiel fürs Selbstvertrauen

Dabei ließ der 57-Jährige die Tatsache unter den Tisch fallen, dass ein Remis dem Weltranglisten-Siebten genügen würde, um im Viertelfinale womöglich den starken Japanerinnen aus dem Weg zu gehen.

Schließlich gewannen die selbstbewussten Französinnen wie Deutschland gegen Nigeria und Kanada, haben aber das bessere Torverhältnis.

Am Dienstagabend geht es für Neids Truppe somit auch um ein erstes Ausrufezeichen beim erhofften Weg Richtung WM-Finale.

Voraussichtliche DFB-Aufstellung:

Angerer - Bresonik (Schmidt), Krahn, Bartusiak, Peter - Laudehr, Kulig - Garefrekes, Popp (Prinz), Okoyino da Mbabi - Grings

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