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Das mediale Interesse an der Frauen-WM übertrifft die Erwartungen © imago

Vor dem Spiel um den Gruppensieg gegen Frankreich klagen die DFB-Frauen über den medialen Dauerdruck. Der WM-Hype führt zu Reaktionen.

Vom Frauen-Nationalteam berichtet Mathias Frohnapfel

Mönchengladbach/Düsseldorf - Am Anfang haben sie es genossen, aufgesogen wie süßen Honig.

All die Kameras, die Aufmerksamkeit, die vielen Fragen.

Doch mittlerweile ist den Nationalspielerinnen aufgegangen, dass Popularität auch Schattenseiten hat und das ganz normale Leben neben dem Fußball auf einmal so kompliziert werden kann.

Ihre Erinnerung an die erste WM-Woche fasste Celia Okoyino da Mbabi so zusammen: "Dass, wenn wir einen Schritt vor die Tür machen, sofort die ganze Welt weiß, was wir geshoppt haben, was wie viel gekostet hat und was wir anhatten."

Privates wird öffentlich

Dabei wird die Offensivspielerin in so gut wie allen Medien äußerst positiv besprochen.

Doch die deutsche Öffentlichkeit weiß jetzt eben auch, dass die 23-Jährige mit Marko Sasic, Sohn des Duisburger Trainers Milan Sasic, zusammen ist und was der Schwiegervater in spe über sie denkt ("Eine wundervolle Frau mit unglaublicher Ausstrahlung", ließ er "Bild" wissen).

Gruppensieg im Visier

Im Spiel gegen Frankreich (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) brauchen die DFB-Frauen einen Sieg, um als Gruppenerster im Viertelfinale womöglich den starken Japanerinnen, aktuell Erster Gruppe B, aus dem Weg zu gehen (VORSCHAU: Prinz vor Verbannung auf die Bank).

Die Konzentration darauf dürfte nicht nur der Studentin schwer fallen, auch Lira Bajramaj und Birgit Prinz stehen unter anderem Blickwinkel als "Sorgenkinder der Nation" unter Dauerbeobachtung.

"Nicht mehr so oft vor der Tür"

"Einige gehen nicht mehr so oft vor die Tür - oder sie versuchen es mit Perücke und Käppi", sagte Silvia Neid auf SPORT1-Nachfrage. Auch der Hinterausgang des Hotels sei eine beliebte Variante.

Das sollte womöglich lustig klingen, beschreibt aber die Auswirkungen des gewaltigen Rummels um das Team ganz gut.

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Neid: "Machen Späßchen darüber"

Die Bundestrainerin bemühte sich am Montagabend, diesen Aspekt der Aufmerksamkeitsspirale positiv zu interpretieren.

"Wir konnten uns darauf nicht vorbereiten, kommen aber gut damit klar. Wir machen unsere Späßchen, wenn wir die Zeitungen morgens aufschlagen und sehen, wo die Spielerin am Tag zuvor so waren."

Tatsächlich waren nicht nur Bilder von vier shoppenden Nationalspielerinnen zu sehen mit dem obligatorischen Verweis, dass dies mal eine neue Variante der Viererkette sei, sondern auch Ariane Hingst, wie sie kurz per U-Bahn zum Wäschetausch nach Hause fuhr.

Popstars auf Zeit

Alexandra Popp gibt im SPORT1-Interview zu, dass sie keine derart gewaltige öffentliche Resonanz erwartet hätte (BERICHT: Alexandra Popp im SPORT1-Interview).

[kaltura id="0_oq81biz4" class="full_size" title="Hoffen auf besseren Fu ball"]

Immer wieder sollte man bedenken: Die Fußballerinnen spielen in der Bundesliga im Schnitt vor 800 Fans, sind im zivilen Leben auch noch Studentinnen, Verwaltungsangestellte (Kerstin Garefrekes) oder Physiotherapeuten (Nadine Angerer), keine Vollzeit-Fußballprofis.

Für vier Wochen sollen sie jetzt quasi Popstars sein, der DFB hat diesen Wandel mit seinen Werbepartnern in den Monaten zuvor ja kräftig angeschoben.

Popp: "Wir sind nur Menschen"

Während der WM ist jetzt aber der Rucksack bis obenhin vollgepackt: Die DFB-Frauen sollen schönen Fußball spielen, charmant in der Öffentlichkeit auftreten und bitteschön auch Weltmeister werden.

"Jeder erwartet von uns den Weltmeister-Titel", meint Shootingstar Popp. "Wir sind aber alle Menschen, das Unterbewusstsein spielt auch bei uns eine Rolle."

Hype überrascht auch Branchen-Kenner

Sven Kalhert ist gleichfalls überzeugt, dass die mediale Aufregung nicht spurlos am Team vorübergeht. Der Trainer vom Pokalsieger 1. FFC Frankfurt, der sechs Nationalspielerinnen stellt, kommentiert bei SPORT1:

"Man ist vielleicht schon etwas überrascht von dem ganzen Hype rund um die WM, das kam in dieser Größenordnung doch etwas überraschend."

Andererseits seien die Spielerinnen Druck aus der Bundesliga gewohnt. Und beim enttäuschenden Spiel gegen Nigeria ist es aus Kahlerts Sicht einfach nicht gelaufen (424634DIASHOW: Die Einzelkritik gegen Nigeria).

"Die Spielerinnen waren zwar aggressiv und konzentriert, konnten aber nicht umsetzen, was sie in der Vorbereitung gezeigt haben."

Gegen Frankreich soll nun der Umschwung gelingen, die enorme mediale Aufmerksamkeit, inklusive 16 Millionen TV-Zuschauern beim jüngsten Auftritt des Nationalteams, wird bleiben.

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