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Inka Grings erzielte gegen Frankreich ihre ersten beiden Tore bei dieser WM © getty

Inka Grings spricht nach dem Sieg über Frankreich über ihre Tore, das Ende der Joker-Rolle, Prinz und das lange Warten auf den Elfer.

Von der Frauen-WM berichten Mathias Frohnapfel und Andreas Messmer

Mönchengladbach - Die Auszeichnung als "Spielerin des Spiels", eine gerahmte Urkunde, hob Inka Grings mit der Fußspitze immer wieder auf und ab.

Selbst das sah nach dem 4:2-Erfolg über die hochgehandelten Französinnen (Spielbericht, 426770Bilder) leicht und locker aus.

Die DFB-Frauen sind als Gruppenerste ins WM-Viertelfinale eingezogen und treffen am Samstag in Wolfsburg auf Japan. Grings hat daran großen Anteil.

Die Duisburger Stürmerin durfte für Birgit Prinz von Anfang an beginnen. Damit stand die deutsche Spielführerin erstmals seit zwei mehr als zwei Jahren nicht in der Startelf.

Konzentration auf K.o.-Spiele

Auf Grings lastete also eine gigantische Bürde, zumal die Diskussion darüber, ob Prinz spielen solle oder nicht, vorher fast Ballack?sche Kreise gezogen hatte. Die Rekordnationalspielerin blieb draußen, Grings überzeugte. In der ersten Hälfte erzielte sie per Kopf das 2:0, ehe sie nach der Pause immer mehr aufdrehte.

Mit gutem Blick für die Mitspielerinnen und dem Näschen für gefährliche Situationen brachte die 33-Jährige die französische Defensive ins Schwitzen.

Minutenlang musste sie ausharren, ehe sie den an Lira Bajramaj verursachten Elfmeter schießen konnte, doch die EM-Torschützenkönigin von 2009 blieb cool.

Ein Erfolg auch fürs Selbstvertrauen. "Das muss jeden auftanken, das nehmen wir mit", sagte sie auf SPORT1-Nachfrage und schaute bereits aufs Viertelfinale. "Japan wird ein anderer schwieriger Gegner. Es kommen die K.o.-Spiele, darauf konzentrieren wir uns nun."

Im Interview spricht Grings über eine turbulente Partie, die gestärkte deutsche Offensive und den möglichen Türöffner ins Heim-Turnier.

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Frage: Frau Grings, Sie haben zweimal getroffen, waren in den Partien vorher nur Joker. War dies das Spiel, von dem Sie vorher geträumt haben?

Inka Grings: Geträumt insofern, als dass ich meine Chance genutzt habe. Ich wollte mich von Anfang an präsentieren und ein Zeichen setzen, dass ich unbedingt in die Mannschaft rein will. Das ist mir gut gelungen, glaube ich.

Frage: Was bedeuten Ihnen die beiden Tore?

Grings: Für uns ist es viel wichtiger, dass der Mannschaftserfolg gestimmt hat, wir haben uns um 100 Prozent gesteigert. Darauf müssen wir aufbauen. Wir sind sehr zufrieden und stolz, haben aber noch nichts gewonnen.

Frage: Beim Elfmeter haben Sie sich gleich den Ball geschnappt. Hatten Sie gar keine Zweifel?

Grings: Nein, ich habe mich gut und sicher gefühlt. Das war alles entspannt. Wir sind alle alt genug: Wer sich sicher fühlt, nimmt sich den Ball und haut ihn rein. Das war dann diesmal ich.

Frage: Sie mussten wegen der Roten Karte für Frankreichs Torhüterin Berangere Sapowicz und dem anschließenden Wechsel in Frankreichs Tor sehr lange warten, bis Sie den Elfmeter schießen konnten. Keine schöne Situation, oder?

Grings: Eigentlich nicht, ich habe mich jedoch gut gefühlt und mich so auf den Elfmeter fokussiert, dass ich erst überhaupt nicht versucht habe nachzudenken. Ich hätte noch eine Stunde warten können. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die neue Torhüterin endlich im Tor stand.

Frage: Die Offensive hat viel gearbeitet. Hat das Team jetzt auch nach vorne den Schlüssel gefunden?

Grings: Man merkt, dass es in der Mannschaft stimmt, wir haben die Kompaktheit gefunden. Wir waren sehr beweglich und flexibel, standen gut und hatten keine großen Lücken.

Frage: Könnte der Sieg über Geheimfavorit Frankreich auch so etwas wie der Türöffner fürs ganze WM-Turnier gewesen sein?

Grings: Für die Zuschauer war es eine tolle Werbung. Die ersten beiden Spiele haben wir auch gewonnen, das darf man ja nicht vergessen, doch dann gab es viele negative Stimmen. Wir haben alles daran gesetzt, das jetzt besser zu machen.

Frage: Sie haben Birgit Prinz ersetzt. Können Sie sich in ihre Lage versetzen und wie kann ihr geholfen werden?

Grings: Sie ist eine erfahrene Spielerin. Ich glaube, dass sie momentan in einer Situation ist, in der sie gerne allein sein möchte. Das war ich auch in der Zeit, in der es mir nicht so gut ging. Jetzt gilt es, sie als Mannschaft aufzubauen und zu motivieren. Birgit ist eine hervorragende Spielerin, die so viel für den Frauenfußball geleistet hat. Ich denke, sie spürt den Rückhalt der Mannschaft. Jetzt müssen wir alle zusammen anpacken, denn auch nur als Mannschaft werden wir erfolgreich sein.

Frage: Lira Bajramaj hat von Anfang an gespielt, wirkte nach der Partie gelöst. Wie haben Sie Ihre Mitspielerin erlebt?

Grings: Sie hat sicher ihre Leistung gebracht, das freut mich für sie. Es war ja vorher nicht einfach für Lira.

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