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Deutschland strebt den dritten WM-Titel in Folge an © getty

Prinz beobachtet den Sieg über Frankreich von der Bank. Neid macht ihr Mut. Bajramaj ist von der Stärke des Teams überzeugt.

Von der Frauen-WM berichten Andreas Messmer und Mathias Frohnapfel

Mönchengladbach - Die Leichtigkeit ist zurückgekehrt ins deutsche Nationalteam, nur eine spürte die Last der vergangenen Wochen schwer auf ihren Schultern.

Birgit Prinz beobachtete 90 Minuten lang von der Bank, wie ihre Mitspielerinnen beim 4:2 gegen Frankreich (Spielbericht, 426770Bilder) Spielwitz und Kombinationsstärke wiederentdeckten.

"Wir sind jetzt richtig im Turnier angekommen", freute sich Bundestrainerin Silvia Neid anschließend. Angekommen ja, aber eben ohne die etatmäßige Kapitänin und Symbolfigur.

Prinz sagte: "Nein"

Neid ließ durch ihre Aussage nach der Partie viel Interpretationsspielraum, was die Verfassung von Prinz angeht. "Birgit wusste seit Samstag, dass sie nicht spielen würde", sagte Neid: "Ich habe sie gefragt, ob sie mental in der Lage wäre, von Anfang an zu spielen. Sie sagte: 'Nein'. Das zeigte, wie schlecht es ihr geht."

Ob die 33-Jährige im Viertelfinale gegen Japan am Samstag in die Startelf zurückkehrt, werde man sehen, erklärte Neid.

"Wir wollten gelöst und locker spielen"

Anstatt der zuletzt formschwachen Prinz bot sie im abschließenden Vorrundenspiel erstmals bei dieser WM Inka Grings von Beginn an im Sturmzentrum auf. Die Umstellung belebte das Offensivspiel sichtlich. Nach der Führung durch Kerstin Garefrekes (25.) trug sich Grings gleich doppelt in die Torschützenliste ein (32., 68. FE) (426775DIASHOW: Einzelkritik).

"Wir wollten gelöst und locker spielen, einfach alles genießen", sagte die 32 Jahre alte Matchwinnerin anschließend gegenüber SPORT1. "Das ist uns von der ersten bis zur letzten Minute gelungen."

Mit ihrer Leistung untermauerte die Bundesligarekordtorschützin ihre Ansprüche auf einen Stammplatz im Angriff - und lieferte mit ihren beiden Treffern zugleich zwei schlagkräftige Argumente gegen eine Aufstellung von Prinz im Viertelfinale. "Dass mir so ein Comeback gelungen ist, ist natürlich wunderbar", sagte Grings.

Neids Schachzug geht auf

Als größte Gewinnerin durfte sich nach der Begegnung aber die Bundestrainerin fühlen.

Neben der Umstellung im Sturm hatte Neid auf drei weiteren Positionen gewechselt. Lena Goeßling spielte für die gelbvorbelastete Kim Kulig, Bianca Schmidt ersetzte Linda Bresonik (Magen-Darm-Probleme) und Fatmire Bajramaj bekam statt Melanie Behringer (Bänderdehnung) die Chance von Beginn an.

Neids Schachzug ging auf, bei allen Änderungen lag sie richtig: Das DFB-Team geht nun ohne gelbgesperrte Akteurin ins Viertelfinale.

In der Defensive durfte Neid feststellen, dass die Alternativen problemlos in die Bresche springen können. Und die Offensive präsentierte sich wesentlich zielstrebiger als zuletzt.

"Mannschaften, die Fußball spielen können, liegen uns"

Großen Anteil daran hatte Bajramaj, die erstmals von Beginn an auflief - und das ausgerechnet in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach. "Es waren ganz viele Leute und Freunde im Stadion, die mir Kraft gegeben haben", sagte die 23-Jährige, die vom Publikum im Gladbacher Stadion bei jeder Aktion euphorisch beklatscht wurde.

"Ich habe ja vorher gesagt, solche Mannschaften, die Fußball spielen können, die liegen uns", erklärte Bajramaj gegenüber SPORT1: "Da bringen wir auch eine gute Leistung."

Deutschland blickt nun mit Selbstvertrauen dem Viertelfinale gegen Japan entgegen. "Aus drei Spielen neun Punkte - besser geht?s nicht", resümierte Außenverteidigerin Babett Peter: "Wir haben keine Angst vor den Japanerinnen."

Gegentore als Wermutstropfen

Bei aller Freude über den Gruppensieg standen als Wermutstropfen unter dem Strich zwei Gegentore nach Ecken.

Marie Laure-Delie (56.) und Laura Georges (72.) hatten die Abstimmungsprobleme der deutschen Abwehr genutzt und jeweils zwischenzeitlich auf ein Tor Abstand verkürzt, ehe Celia Okoyino da Mbabi den Schlusspunkt setzte (89.).

"Sind nicht konsequent in die Bälle gegangen"

"Wir sind bei den Gegentoren nicht konsequent in die Bälle gegangen", räumte Außenverteidigerin Peter ein.

"Es ist schade, dass wir unsere sehr gute Leistung durch die Gegentore ein wenig vermasselt haben."

Trainerin Neid war trotzdem hochzufrieden. "Wir können nun selbstbewusst in das Viertelfinale gehen", sagte die 47-Jährige. Und zur Personalie Prinz meinte sie abschließend: "Ich denke, dass wir von Birgit bestimmt noch etwas sehen werden."

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