In seiner SPORT1-Kolumne bewertet Potsdams Meistercoach Bernd Schröder die Leistung von Lira Bajramaj gegen Frankreich kritisch.

Hallo Fußball-Freunde,

Deutschland hat gegen Frankreich ein gutes Spiel abgeliefert (Bericht). Ich habe aber den Gegner stärker erwartet, unser Team war viel präsenter.

In der zweiten Halbzeit ist Frankreich aufgewacht. Mir ist ein 4:2 (426770Bilder des Spiels) jedoch viel lieber als ein 1:0, die Zuschauer wollen ja Tore sehen.

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Ich denke, Inka Grings hat sich mit dieser Leistung ins Team gespielt. Sie hat gezeigt, dass sie in diese erste Elf gehört und keine Einwechselspielerin ist.

Die übrigen Wechsel waren mehr taktischer Natur: Bei Kim Kulig war das Risiko zu groß, dass sie sich die zweite Gelbe Karte einfängt, Linda Bresonik und Melanie Behringer wurden geschont.

Birgit Prinz saß diesmal auf der Bank. Wer sagt mir aber denn, dass es mit der Rekordnationalspielerin schlechter gelaufen wäre?

Es ist der größte Quatsch zu denken: Weil Birgit Prinz nicht gespielt hat, waren wir besser. Das ist doch nur hypothetisch!

Den Sieg nur an einem Wechsel festzumachen, finde ich ungerecht und nicht nachvollziehbar. Fußball ist keine Naturwissenschaft!

Silvia Neid hat öffentlich erklärt, dass sie mit Birgit über die Entscheidung gesprochen und die Spielerin sich mental nicht fit gefühlt habe. Es ist jetzt aber zu einfach zu behaupten: Gut, dann hat Prinz sich schon aufgegeben.

Die ganze Situation stellt sich insgesamt als sehr schwierig da.

Für Birgit und ihr Umfeld ist der Platz auf der Bank problematisch. Ich kann in ihre Seele nicht so tief reinschauen, man müsste sie mal fragen, wie sie damit umgehen kann, wenn sie weiterhin nur Ersatz wäre. Für sie wird es bestimmt nicht einfach.

Lira Bajramaj hat gegen Frankreich 90 Minuten durchgespielt.

Dennoch meine ich: Bei der Kulisse und den Erwartungen ist es sehr schwer für sie, fix in die Mannschaft zu kommen. (426775Die Einzelkritik)

Ich erwarte von meiner ehemaligen Spielerin auch vorbereitende Aktionen. Sie hat sich bemüht, aber wo hat sie Akzente gesetzt?

Lira hat sich meistens verdribbelt und auch Fehlpässe gespielt. Natürlich hätte ich ihr in der Situation vor dem Elfmeter ein Tor gegönnt.

Die Leistung ist mit Licht, aber auch ausreichend viel Schatten zu sehen.

Wem hilft eine Aussage wie von Frankfurts Manager Siegfried Dietrich, der die Flügelspielerin vor der Partie hochgelobt hat?

Schönrederei bringt doch nichts. Der Spielerin nützt es auch nichts, wenn man nach drei Dribblings so tut, als ob dies das Größte der Welt wäre. Wenn Lira Bajramaj eine ordentliche Leistung bringt, ist das für mich normal, nicht außergewöhnlich.

Sie hat ja vor kurzem verärgert auf eine Kritik von mir reagiert. Wie kann sie aber sagen: "Ich lache darüber", wenn sie insgesamt in den beiden Partien nur 22 Minuten gespielt hat?

Unsere Abwehr ist trotz der beiden Gegentreffer nur selten unter Druck geraten. Manche Situationen kann man nicht perfekt planen, bei den beiden Ecken, die zu den Toren führten, hatten wir ja teilweise Überzahl in Ballnähe.

Im Viertelfinale geht es am Samstag gegen die Japanerinnen, die überraschend gegen England verloren haben. Die Gefahr ist, dass sie jetzt aufgerüttelt wurden.

Dagegen hat das deutsche Team viel Selbstvertrauen, das Problem Japans liegt in der Hintermannschaft: Das sind alles kleine Mädels, da sollten wir mit unseren Angreiferinnen Vorteile haben.

Euer Bernd Schröder

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