Teamchefin Silvia Neid legt ihrer Spielführerin den nächsten Stein in den Weg. Dabei hätte Prinz einen besseren Abschied verdient.

1994 haben Silvia Neid und Birgit Prinz noch gemeinsam im Frauen-Nationalteam gespielt.

Die Bundestrainerin und ihre Spielführerin bilden seit Jahren ein eingespieltes Duo und dabei eine äußerst erfolgsverwöhnte Schicksalsgemeinschaft.

Doch jetzt hat die Trainerin des amtierenden Welt- und Europameisters nicht nur Birgit Prinz aus dem Team genommen, sondern auch sie öffentlich beschädigt.

Die Entscheidung gegen Prinz ist aus sportlicher Sicht nachvollziehbar.

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Zu offenkundig war, dass Prinz zuletzt mehr Bremsklotz als Antriebsmotor des deutschen Spiels war. Die Frage, ob sie als hängende Spitze mehr bewirkt hätte, darf ausgeklammert werden.

Prinz' große Zeit liegt nunmal einige Jahre zurück und den Ruhm einer dreimaligen Weltfußballerin (2003 bis 2005) kann ihr ohnehin niemand nehmen.

Man muss Neid und auch Co-Trainerin Ulrike Ballweg allerdings den Vorwurf machen, dass sie die Entscheidung ungeschickt verkauft haben.

"Wir wollen gewinnen, das heißt wir müssen mit den stärksten Spielerinnen beginnen" hatte Ballweg unmissverständlich vor der Partie gegen Frankreich gesagt. Warum sagte sie nicht einfach: Birgit Prinz bekommt eine Pause.

Und nach dem wunderbar herausgespielten 4:2-Erfolg (Spielbericht) setzte Neid der Degradierung von Deutschlands Ausnahmefußballerin - ob bewusst oder nicht - die Krone auf, als sie öffentlich erklärte:

"Ich habe Birgit gefragt, ob sie mental in der Lage sei zu spielen. Sie hat gesagt: Nein, nicht von Anfang an. Das zeigte, wie schlecht es ihr geht."

So eine Aussage darf nicht öffentlich gemacht werden! Wie steht Prinz jetzt da?

Scharf formuliert: Als eine, die kneift, wenn es darauf ankommt und als eine, die schlicht dem Druck nicht gewachsen ist.

Gute Aussichten für weitere Einsätze in einem Viertelfinale und möglichen weiteren Spielen, oder?

Die WM sollte Prinz große Abschiedstour aus der Nationalelf werden, dafür hat sie sich gequält. Und wäre das Turnier nicht in Deutschland ausgetragen worden, hätte sie wohl schon vorher Jüngeren Platz gemacht.

Beweisen muss sie schließlich niemanden mehr etwas.

Prinz' möglicher Weg auf die Bank wurde nie vorbereitet, dieser Fall war schlicht nicht vorgesehen.

Bei aller akribischen Planung von Silvia Neid stellt sich das nun als Fehler heraus, selbst wenn Neids Satz von Dienstagabend in der Hitze des Gefechts gefallen sein sollte.

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